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	<title>Jahrgangsgeräusche &#187; Musik</title>
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	<description>Popkultur und unbedingte Zonen</description>
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		<title>Wavves &#8211; King Of The Beach</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 09:21:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Na, schon mal von Shitgaze gehört? Macht nichts, dafür bin ich ja da. Nimm eine Kombination aus LoFi, Noise und Garagen-Punkrock und hau noch mal mit dem Surfbrett drauf. Fertig ist das vielversprechende neue Ding. Nathan Williams ist einer dieser Shitgazer. Oder vielmehr er war es mal. Vielleicht war Nathan sogar das Aushängeschild dieses Genre. Nun bewegt sich auch einer wie Nathan in ein Studio, um mal amtlich an Songs zu gehen, und nicht immer nur auf dem Kinderzimmerbett zu hocken und zu schrammeln. 
Früher, noch zu Shitgaze-Zeiten, war Nathan ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Na, schon mal von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=dKf5-UVoG2c" target="_blank">Shitgaze</a> gehört? Macht nichts, dafür bin ich ja da. Nimm eine Kombination aus LoFi, Noise und Garagen-Punkrock und hau noch mal mit dem Surfbrett drauf. Fertig ist das vielversprechende neue Ding. Nathan Williams ist einer dieser Shitgazer. Oder vielmehr er war es mal. Vielleicht war Nathan sogar das Aushängeschild dieses Genre. Nun bewegt sich auch einer wie Nathan in ein Studio, um mal amtlich an Songs zu gehen, und nicht immer nur auf dem Kinderzimmerbett zu hocken und zu schrammeln.<span id="more-10091"></span> </p>
<p>Früher, noch zu Shitgaze-Zeiten, war Nathan der einsame Wolf im Schafspelz, der gedankenverloren kalifornische Weisheiten in Kassettenrekorder brüllte. Er war <a href="http://www.myspace.com/wavves" target="_blank">Wavves</a>. Jetzt wird er von Stephen Pope und Billy Hayes an Bass und Schlagzeug unterstützt. Die drei mischen die altbekannte Soße mit Eimern voll Psychedelic und jugendlicher Sommerlochstrategie. Die Skateboarder auf den Covern sind verschwunden, die Halfpipe abgerodet. Und trotzdem ist alles gleich geblieben. Nathan schreibt gute Songs und kümmert sich nicht darum, was andere so in diesen Tagen machen. Keyboards werden gehämmert, Melodien und schöne Gesangsausführungen drängen sich in den Vordergrund. Die Sonne ist noch da, die Wellen auch, doch der Schmutz ist luftigen, unverkrampften Beachboys-Singalongs gewichen.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/wavves2_jc_21209.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10092" title="Wavves" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/wavves2_jc_21209.jpg" alt="Wavves" width="580" height="308" /></a></p>
<p>Natürlich immer noch schön blechern, doch Nathan schielt nun vom Dosenbier Richtung Magnum-Champagnerflasche. Die Songs haben immer noch dieses angezickte Tempo und die Sixties luschern auch weiterhin durch Rollo-Sonnenbrillen, doch die Songs leben weiter. Sie atmen ein wenig mehr. Bei den ersten beiden Alben &#8220;Wavves&#8221; und &#8220;Wavves&#8221; (lustig nicht wahr?) war doch schnell der Vogel abgeschossen. Man konnte nicht mehr folgen. Irgendwann war alles nur noch Babybrei und mehr als ein Schmunzeln oder bekifftes Headbangen waren nicht drin. Auf &#8220;King Of The Beach&#8221; gibt der Punk sein Comeback. Natürlich mit Fun und Slackertum, zerschlissenen Chucks und roter Sonnenbrandhaut. Politisch ist nur der Glaube an die eigene Idiotie (Idiot). Die Gitarren bratzen wunderbar tollkühn durch geballerte Drumwirbel. Chöre in Kopfstimmenlage, versuchen sich spielerisch  einzubinden. Bei &#8220;Mickey Mouse&#8221; kommt das Experiment wieder zum Vorschein. Hallige Stimmen bleiben auf dem Electroteppich kleben. Ein Dauerapplaus klatscht sich durch den Song. Bunte Farben ziehen durch Animal Collective -Gesäusel.</p>
<p>Dass Nathan privat ein großer Hip Hop-Fan zu sein scheint, ist auf &#8220;King Of The Beach&#8221; nicht zu vernehmen. Wäre auch zu viel des Guten. Nathan führt sein Wavves-Projekt in eine neue Liga, doch es liegen immer noch mindestens drei Ligen bis zur Weltspitze. Trotzdem nette Sommerplatte!</p>
<p>Erschienen bei Fat Possum Records</p>
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		<title>The Magic Numbers &#8211; The Runaway</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 10:36:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie haben einen speziellen Wert und das wissen sie auch. Sie sind schwer zu entziffern und das macht sie so interessant. Die Konstante ist nicht immer zu erkennen und doch sind die Darstellungsformen gleichförmig und immer irgendwie auch zufällig. Zwei Geschwisterpaare machen sich zum wiederholten Male auf, um ihren Indiepop mit leiser Geste zu verbreiten. Doch auch einige Sternenhimmel leuchten bei offenem Verdeck. Zieh die Zügel an Schatz! Diesmal sind die Magic Numbers auf dem Papier groß besetzt, doch auch das Ausufern und Pendeln der Songs kommt so gehuscht und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie haben einen speziellen Wert und das wissen sie auch. Sie sind schwer zu entziffern und das macht sie so interessant. Die Konstante ist nicht immer zu erkennen und doch sind die Darstellungsformen gleichförmig und immer irgendwie auch zufällig. Zwei Geschwisterpaare machen sich zum wiederholten Male auf, um ihren Indiepop mit leiser Geste zu verbreiten. <span id="more-10019"></span>Doch auch einige Sternenhimmel leuchten bei offenem Verdeck. Zieh die Zügel an Schatz! Diesmal sind die <a href="http://www.themagicnumbers.net/" target="_blank">Magic Numbers</a> auf dem Papier groß besetzt, doch auch das Ausufern und Pendeln der Songs kommt so gehuscht und schüchtern daher. Erst wird leise gefragt, ob der Druck am Hals erhöht werden darf. Romeo und Michele Stodart sowie Angela und Sean Gannon treten auf leise, ja fast in sich gekehrte Minen. Dann auf einmal brechen sie aus, fallen uns um den Hals und küssen uns mit Lippenstiftmund. Manchmal beißt Romeo auch. Die Minen gehen hoch und zerfetzen dir Teile deines Arms. So was nennt man dann &#8220;angeschlagen&#8221;.</p>
<p>Der Streicherarrangeur<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Kirby" target="_blank"> Robert Kirby</a>, der schon Nick Drake zu Flügeln verhalf, schafft hier wieder einen Traum mit zitternder Dramatik und hinterhältiger Kraft. Leider starb er im letzten Jahr. Somit ist &#8220;The Runaway&#8221; sein finales Vibrieren. Produzent Valgeir Sigurdsson schafft es den teilweise zickigen Songs einen Stempel aufzudrücken, der alle Stärken der Magic Numbers bündelt. Die toll ausgearbeiteten Stücke schickt er in eine unterschwellige, matschige Flusslandschaft, die einen mitreißt und nass zurücklässt. Bedrohlich angerockt fließen die Songs mit all ihren wahnsinnigen Instrumenten und Stimmen bergab. Das Tempo ist nicht hoch, doch die ersten Stühle sind schon verschwunden. Man möchte nicht mehr sitzen. Man dreht sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis. Man sucht seinen Nebenan und streichelt ihm von hinten die Hüfte.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/the-magic-numbers-take-a-chance-those-the-brokes.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10020" title="The Magic Numbers" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/the-magic-numbers-take-a-chance-those-the-brokes.jpg" alt="The Magic Numbers" width="495" height="500" /></a></p>
<p>Wir sind auf der Flucht. Mensch, da ist es doch nicht verboten Gefangene zu machen! Wir blicken nicht zurück, wir schauen der Nacht entgegen und hören die Chöre und summen leise mit. Die 60iger sind in den Teppichen verwebt und die beiden Paare schaffen es nicht in die Fallen zu tappen, wie andere Bands, die sich auf altbackene Musik berufen. Die <a href="http://www.myspace.com/themagicnumbers" target="_blank">Magic Numbers</a> spielen unbekümmert ihre Instrumente, singen schön mehrstimmig. Sie unterstützen sich und spielen ihre Stärken nicht gegeneinander aus. London ist auch nicht mehr der angenehme Melting Pot. Die Magic Numbers wechseln ihre Farben ständig, um nicht aufzufallen. Der Fluchtkoffer steht gepackt im Flur. Das Hinhalten macht sie verrückt und die Blicke der oberen Zehntausend erst. Der Plan muss ausgeklügelt genug sein. Also heißt Warten die Devise. So lange spielen sie Songs, wie auf der Titanic. Das Wasser schon bis zu den Knien.</p>
<p>Retropop, wenn man so will, doch der Schleier der Nacht und die damit verbundene Finsternis rücken näher und machen &#8220;The Runaway&#8221; zur Fluchtplatte ohne Kompass und Taschenlampe. Pianoherzschläge, hoch gespielte Basslinien und fast tanzbare Tracks komplettieren ein wahres Glanzstück. Tolle Keyboards streifen das Süße und die warmen Stimmen der Gruppe verwandeln die Lieder in Gold. Meisterwerk!</p>
<p>Erschienen bei Cooperative Music</p>
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		<title>Mountain Man &#8211; Made The Harbour</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 08:29:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Trappermütze fusselt. Der Bohnenkaffee schmeckt nach Tigerpisse. Aua, schon wieder über eine Wurzel gestolpert. Was klingt da nach Zimmerlautstärke? Ach, Mountain Man proben! Das Trio Molly Erin Sarle, Alexandra Sauser-Monnig und Amelia Randall Meath lassen die Bänder rauschen. Unverstärkt singen sie sich in Höhen, wo die Luft knapp wird. Eine akustische Gitarre untermalt Acapella-Folksweisen. Das Gerede der &#8220;Neuen Folkbewegung&#8221; interessiert die drei nicht. Sie gehen lieber den alten Schotterweg zurück und lassen jeden Hypeverdacht hinter sich.
Die sparsamen Arrangements leben von der halligen Liveatmosphäre. Ähnlich vielleicht wie bei Au Revoir ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Trappermütze fusselt. Der Bohnenkaffee schmeckt nach Tigerpisse. Aua, schon wieder über eine Wurzel gestolpert. Was klingt da nach Zimmerlautstärke? Ach, <a href="http://mountainman.bandcamp.com/" target="_blank">Mountain Man</a> proben!<span id="more-9997"></span> Das Trio Molly Erin Sarle, Alexandra Sauser-Monnig und Amelia Randall Meath lassen die Bänder rauschen. Unverstärkt singen sie sich in Höhen, wo die Luft knapp wird. Eine akustische Gitarre untermalt Acapella-Folksweisen. Das Gerede der &#8220;Neuen Folkbewegung&#8221; interessiert die drei nicht. Sie gehen lieber den alten Schotterweg zurück und lassen jeden Hypeverdacht hinter sich.</p>
<p>Die sparsamen Arrangements leben von der halligen Liveatmosphäre. Ähnlich vielleicht wie bei <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009-05-21/au-revoir-simone-still-night-still-light/" target="_blank">Au Revoir Simone</a>, nur vor ungefähr zweihundert Jahren. Man muss schon genau zuhören. Vielleicht sollte man liegen. Intimität entsteht durch das volle dreistimmige Programm. Alle drei Stimmen schieben sich zu einem Ganzen zusammen, so dass das Gitarrenpicking in den Hintergrund rückt und nur das Hin und Herrutschen der drei in ihrem Schneidersitz noch als Störgeräusch aufgefasst werden kann. Die Folkminiaturen sind trotzdem wild. Gibt es noch einen Unterschied zwischen Folk und Country?</p>
<p>Das Säuseln und die leicht angezerrten Stimmen, da die Mikros so weit aufgezogen werden mussten, legen sich mit einer Unbekümmertheit auf den Heuboden. Ach, was sag ich da! Ein Mikro wird gereicht haben. Hocken ja alle im Kreis und halten sich an den Händen. <a href="http://www.myspace.com/mountainmansquint" target="_blank">Mountain Man</a> haben auch den 40er Jahre Boogie Woogie auf den Lippen. Sie erinnern an friedfertige<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Andrews_Sisters" target="_blank"> Andrews Sisters</a>, ohne dem Fliegeralarm im Rücken. Nur Gänsenblümchen und die Suche nach neuem Feuerholz lassen die Herzen der drei höher schlagen. Die Texte umreißen Flüsse, Honigbienen und Tierflügel. Dass das alles auch einen religiösen Touch mit sich bringt, stört nicht. Die kurzen Unterhaltungen während der Songs und das Knacken der Gelenke sind wahnsinnig präsent und steuern das Debütalbum in den Folkhimmel.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/Mountain_Man_I.jpg"><img class="size-full wp-image-10002 aligncenter" title="Mountain Man" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/Mountain_Man_I.jpg" alt="Mountain Man" width="450" height="300" /></a></p>
<p>Das wohl amtlichste Folkprojekt des Jahres. Babylon ist nicht weit. Diese ruhige Schönheit mit manchmal leicht vergriffenen Gitarrenakkorden schunkelt sich mit einer Leichtigkeit in deine Herzkammern. Der chorale Ansatz lässt dich zittern und du horchst gebannt der Melodieführung. Das Lagerfeuer ist aus. Es wäre auch zu gefährlich. Wenn es dunkel wird, geht man schlafen. Traditionen ohne Bourbonbettschwere werden gerne wieder gesehen. Sauberkeit und frisch gebügelte Blusen und geflochtene Zöpfe sind wieder im Kommen. Die Schmuddelkinder sitzen in der Kirche in der letzten Reihe.</p>
<p>Mountain Man überqueren die Berge locker und singen immerfort. Die Carter Family schnürt das Brotzeitbeutelchen und Eddy Arnold schmettert seinen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Sz90Cur_1cU&amp;feature=related" target="_blank">&#8220;Cattle Call&#8221;</a>. Dass das Album bei einem Freund auf dem Dachboden einer ehemaligen Eisfabrik aus dem frühen 20. Jahrhundert aufgenommen wurde, ist nur am Rande interessant. Obwohl, vielleicht sind es ja die Geister der Maschinen, die zwischendurch rascheln, rauschen und knacken und sich gegen so viel Wärme wehren?</p>
<p>Erschienen bei Cooperative Music/Universal</p>
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		<title>Sleigh Bells &#8211; Treats</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 10:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn der Postmann fünfzigmal klingelt. Die Sleigh Bells klingeln Sturm. Der Beat knallt dir mit ordentlich Wumms ins Gebälk, die Gitarren ziehen es vor laute Störgeräusche zu produzieren. Alexis Krauss hebt dann die Arme, und fängt an uns vollzutexten, ohne im Hip Hop verankert zu sein. Doch sie weiß, was zu tun ist. Riffgeballer braucht eine Wortführerin, die nicht nur mit Stimme, sondern mit vollem Körpereinsatz zur Sache geht. Die Synthies ziehen lange Fahnen, immer mit dem Blick uns Raveverdrossenen die Steigerung wieder ans Herz zu legen. Fahrstuhlmusik mal anders. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der Postmann fünfzigmal klingelt. Die <a href="http://www.myspace.com/sleighbellsmusic" target="_blank">Sleigh Bells</a> klingeln Sturm. Der Beat knallt dir mit ordentlich Wumms ins Gebälk, die Gitarren ziehen es vor laute Störgeräusche zu produzieren. Alexis Krauss hebt dann die Arme, und fängt an uns vollzutexten, ohne im Hip Hop verankert zu sein. Doch sie weiß, was zu tun ist. Riffgeballer braucht eine Wortführerin, die nicht nur mit Stimme, sondern mit vollem Körpereinsatz zur Sache geht. <span id="more-9991"></span>Die Synthies ziehen lange Fahnen, immer mit dem Blick uns Raveverdrossenen die Steigerung wieder ans Herz zu legen. Fahrstuhlmusik mal anders. Alles wird nach oben gezogen, an die Grenze, auf den Aussichtsturm, um dann oben angelangt den Ameisenmenschen auf den Kopf zu spucken. Derek E. Miller mosht über alles drüber und die Beats bleiben mechanisch wild. Alles klingt kurz nach Auflösung oder dass gleich die Boxen durch sind.  Krauss ist eine Shouterin, ohne groß laut zu werden. Sie bleibt in der Popsozialisation hängen, nur ihre eigenen Backings schreien schon mal Le Tigre aus dem Sommerloch. In dem kurzen &#8220;Straight A&#8217;s&#8221; mimt sie die Furie und brüllt sich die Kehle blutig. Noise Pop soll das heißen. Ja, okay!</p>
<p>Auf jeden Fall erspielten sich die Sleigh Bells in letzter Zeit eine tolle Indiefangemeinde. Die darf sich nun auf ein Debüt stürzen, dass alles unter einen Hut bringt. Millers große Beatkrachgebilde untermalen sein Riffgedrosche und Krauss macht die Teeniegöre, die sich nicht entscheiden kann, ob ein neues Tattoo oder ein Hello Kitty-T-Shirt her muss. Erinnert an Atari Teenage Riot ohne deren Tempogezocke. Die Sleigh Bells wollen lieber auf der Tanzfläche dem Hip Hop huldigen und streuen Pet Shop Boys-Linien in den Krach. Krauss singt mit einer Stereolab-Leichtigkeit und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nicht von einem Ibiza-Trance-Schleier, noch von Posthardcore-Gekloppe.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/sleighdance.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9992" title="Sleigh Bells" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/sleighdance.jpg" alt="Sleigh Bells" width="540" height="359" /></a></p>
<p>Miller hat alles schön arrangiert, die Playbacks sitzen und so können die beiden auf den Festivalbühnen dieser Welt locker bestehen. Sexy Gestöhne und Atemlosigkeit sind nur von kurzer Dauer. Die Sleigh Bells reißen lieber nur etwas an. Zu Ende denken müssen wir die Kleinode, die sich ungemein laut durch die Boxen würgen schon selbst. Mutti, tu dir was in die Ohren!</p>
<p>Die Sleigh Bells sind eine schöne Dance- Punk-Combo, die Wert auf Verdichtung durch Alexis Vocalarbeit legt. &#8220;Rill Rill&#8221; ist sogar ein Stolpersouler, der so auch in der Frühstückspause auf den Teller kommen könnte. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=O--uJVyD07I" target="_blank">&#8220;Infinity Guitars&#8221;</a> strotzt nur so mit Beastie Boys-Gehopse. Ja, alles schon mal dagewesen, doch die Verknüpfungen und der poppige Unterton machen Sleigh Bells zur Band der Minute. Genau richtig gelesen. Der Titeltrack versucht hymnenartig den Verzerrer vergessen zu machen und die Gitarren spielen die Sirenen des nächsten Feueralarms nach. Alexis Krauss bleibt das geile Aushängeschild im Noise Pop. Komm stöhn mit mir!</p>
<p>Erschienen bei<a href="http://www.momandpoprecords.com/" target="_blank"> Mom &amp; Pop Music</a></p>
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		<title>Marina &amp; The Diamonds &#8211; Family Jewels</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 09:31:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Dreh</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pop ist Verführung. Guter Pop hat die Möglichkeit Dir etwas zu bieten, was Du als selbsternannter Indiehörer nicht entdecken magst. Er kann Dich verzücken und verzaubern und gleichzeitig bleibt die Faszination dafür, warum Du ausgerechnet das magst, was vermeintlich für die Masse gestrickt wurde.
Wie so viele war &#8220;Hollywood&#8221; mein erster Berührungspunkt mit Marina &#38; The Diamonds. Beim ersten Hören war ich interessiert und zugleich abgeneigt. Da ist erstmal die gewöhnungsbedürftige Stimme der Waliserin. Marina kann wirklich singen und beweist das. Sie wechselt die Tonlagen und geizt nicht mit Vibrato. Das ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pop ist Verführung. Guter Pop hat die Möglichkeit Dir etwas zu bieten, was Du als selbsternannter Indiehörer nicht entdecken magst. Er kann Dich verzücken und verzaubern und gleichzeitig bleibt die Faszination dafür, warum Du ausgerechnet das magst, was vermeintlich für die Masse gestrickt wurde.</p>
<p><span id="more-10568"></span>Wie so viele war &#8220;Hollywood&#8221; mein erster Berührungspunkt mit Marina &amp; The Diamonds. Beim ersten Hören war ich interessiert und zugleich abgeneigt. Da ist erstmal die gewöhnungsbedürftige Stimme der Waliserin. Marina kann wirklich singen und beweist das. Sie wechselt die Tonlagen und geizt nicht mit Vibrato. Das muss man mögen, denn es kann leicht anstrengen. Nicht umsonst drängt sich oft der Kate Bush Verweis auf.</p>
<p>&#8220;Hollywood&#8221; tat ich, mit nur einem Ohr zuhörend, dann als seichte unreflektierte Popnummer ab. Dabei ist die Nummer so leicht misszuverstehen wie dazumal Springsteens &#8220;Born In The USA&#8221;. Dachte ich zuerst, dass es eine Lobeshymne auf den Amerikanischen Traum sei, handelt es sich doch genau um das Gegenteil. Eine amüsante Beschreibung der Eitelkeiten und noch bevor ich das verstand, war die Nummer bereits in meinem Kopf verankert.</p>
<p>Marina macht die Art von Musik, die ich mir vor zehn Jahren noch verstohlen zu den cooleren Platten stellte. Dabei ist daran nichts Falsches. Die Erkenntnis, dass eine Justin-Timberlake- oder Beyonce-Scheibe genau so erfrischend und wohltuend sein kann wie ein Album von Bonnie Prince Billy, Cat Power oder weezer, brauchte bei mir seine Zeit. &#8220;Family Jewels&#8221; kann dabei genau das Album sein, dass diese Erkenntnis einer neuen Generation offenbart. Es ist clever, es ist tanzbar, es ist eingängig.</p>
<p>Ein Song wie &#8220;Oh No&#8221; zieht Dich schnell in seinen Bann und auch sonst bietet die Platte nur wenige Filler. Dass Marina auch ruhiger kann, beweist sie mit dem großartigen &#8220;I am not a Robot&#8221;. Einem herzerweichenden Abgesang auf vermeintliche Gefühlskälte. Einem Appell, Verletzlichkeit zuzulassen.</p>
<p><object width="580" height="325"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/S_oMD6-6q5Y&amp;hl=de_DE&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/S_oMD6-6q5Y&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="580" height="325"></embed></object></p>
<p>Kurzum eine der besten und cleversten Pop-Platten dieses Jahr.</p>
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		<title>Konono No. 1 &#8211; Assume Crash Position</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 11:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Likembe ist ein Zupfdiophon. Metallzungen sind auf einem Brett befestigt. Sie werden mit den Fingerspitzen gezupft. Die Kongolesen Konono No.1 haben das Spiel der sogenannten Daumenklaviere revolutioniert. Das Tempo ist unbeschreiblich hoch, die Töne fliegen rauschartig durch die Tracks. Selbstgebaute Verstärker aus Abwrackautos geben den Likemben nun eine ungeheure Kraft und Lautstärke. Das Chaos regiert, die Beats klöppeln sich in Ekstase und Call-and Reponsegesänge schlagen sich durch Trillerpfeifen.
Alles verzerrt und ist krawallig. Weltmusik für den tranceaffinen Solotänzer. Augen zu und treiben lassen! Alles wackelt und wabert vor sich hin ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Likembe ist ein Zupfdiophon. Metallzungen sind auf einem Brett befestigt. Sie werden mit den Fingerspitzen gezupft. Die Kongolesen <a href="http://www.myspace.com/konononr1" target="_blank">Konono No.1</a> haben das Spiel der sogenannten Daumenklaviere revolutioniert. Das Tempo ist unbeschreiblich hoch, die Töne fliegen rauschartig durch die Tracks. Selbstgebaute Verstärker aus Abwrackautos geben den Likemben nun eine ungeheure Kraft und Lautstärke. Das Chaos regiert, die Beats klöppeln sich in Ekstase und Call-and Reponsegesänge schlagen sich durch Trillerpfeifen.<span id="more-9986"></span></p>
<p>Alles verzerrt und ist krawallig. Weltmusik für den tranceaffinen Solotänzer. Augen zu und treiben lassen! Alles wackelt und wabert vor sich hin und Folklore bekommt ein neues Gesicht. Die Kongolesen wirbeln über staubiges Terrain und hauen Sprachfetzen und Aufforderungen ins Gemisch. Der 76-jährige Papa Mingiedi ist der Vorreiter und Tänzer. Er ist der Anführer des Bastelclubs Konono No.1. Seine Verstärker zerren, rauschen und knacken. Doch Mingiedi wollte mehr. Die Industrie rief und so kam auch das nötige Kleingeld ins Spiel. Mingiedi konnte nun endlich neue, richtige Mikrofone kaufen. Auch die Verstärker trugen nun Markennamen.</p>
<p>Das neue Album ist also entschlackt und amtlich. Kein Fiepen oder zerren mehr. Manchmal tritt man noch auf gekaufte Pedale, doch der alte Reiz des Wilden und Ausgefransten ist leider verschwunden. Auch gibt es nun westliche Instrumente wie eine E-Gitarre oder einen E-Bass. Die Rhythmen sind immer noch wild, doch der fiese Rausch ist dem des fast normalen Afropops gewichen. Björk tauchte auf und lud die Gruppe ein. Auch Herbie Hancock nahm mit ihnen auf. Mingiedi ist nun in den Hintergrund getreten und die Jugend hat das Ruder übernommen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/konono-no1.jpg"><img class="size-full wp-image-9987 aligncenter" title="Konono No.1" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/konono-no1.jpg" alt="Konono No.1" width="460" height="380" /></a></p>
<p>&#8220;Assume Crash Position&#8221; hat trotz der vielen Veränderungen immer noch diesen heftigen Flow der alten Tage, doch man wünscht sich des öfteren die alten Drecksverstärker zurück. Die verzerrten Likemben waren schon eindrucksvoller. Trotzdem bleibt Konono No.1 ein wildes Ungetüm, nur die Mittel haben sich geändert. Für die Gruppe ist es bestimmt angenehmer auf amtlichem Niveau zu arbeiten, doch dem Hörer fehlt der unbedarfte Ansatz. Globalisierung.</p>
<p>Erschienen bei <a href="http://www.crammed.be/index.php?id=4" target="_blank">Crammed.</a> Hörbeispiele gibt es bei <a href="http://www.myspace.com/konononr1">Myspace</a>.</p>
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		<title>Taylor Deupree &#8211; Shoals</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 11:59:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ambient]]></category>
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		<description><![CDATA[Überlagerungen und Überlappungen. Kongruenzen, Klanggebilde und Knäuel, unentwirrbare. Verdichtungen. Klangschwärme und Koinzidenzen ergeben das musikalische Werk. Musik besteht nicht aus einer Abfolge von Klangereignissen, selbst wenn wir diese als Töne bezeichnen, sondern aus den Beziehungen, die unsere cerebralen Rinden zwischen ihnen erkennen.
Auch das Bedeutungsfeld von Shoals hat seine Doppelbereiche. Einerseits kann es der Fischschwarm sein, andererseits aber auch das seichte Gewässer, die Untiefe oder die Sandbank, die bei Ebbe aus dem Gewässer tritt.
Durch die Teilnahme an einem Artists Residency Programm kam Taylor Deupree Ende 2009 nach York. An der dortigen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Überlagerungen und Überlappungen. Kongruenzen, Klanggebilde und Knäuel, unentwirrbare. Verdichtungen. Klangschwärme und Koinzidenzen ergeben das musikalische Werk. Musik besteht nicht aus einer Abfolge von Klangereignissen, selbst wenn wir diese als Töne bezeichnen, sondern aus den Beziehungen, die unsere cerebralen Rinden zwischen ihnen erkennen.</p>
<p><span id="more-10541"></span>Auch das Bedeutungsfeld von Shoals hat seine Doppelbereiche. Einerseits kann es der Fischschwarm sein, andererseits aber auch das seichte Gewässer, die Untiefe oder die Sandbank, die bei Ebbe aus dem Gewässer tritt.</p>
<p>Durch die Teilnahme an einem Artists Residency Programm kam Taylor Deupree Ende 2009 nach York. An der dortigen Universität wollte er einen neuen Ansatz verfolgen. Er beschloss mit der universitätseigenen Sammlung Javanischer und Balinesischer <a href="http://www.cite-musique.fr/gamelan/shock.html" target="_blank">Gamelaninstrumente</a> zu arbeiten. Für die Aufnahmen zu seinem insgesamt dritten Album näherte er sich diesen Metallophonen, Holzxylophonen, Gongs, Flöten und Trommeln allerdings nicht auf herkömmliche Weise. Taylor Deupree untersucht auf „Shoals“ die Oberflächen und Materialien der Gamelaninstrumente ganz allgemein auf ihre Klangeigenschaften.</p>
<p>In der Loop-Fabrik <a href="http://www.symbolicsound.com/cgi-bin/bin/view/Company/WebHome" target="_blank">Kyma</a> wurden die Aufnahmen dann geschnitten und geschichtet. Dieser Teil des Arbeitsprozesses wurde danach erneut mit Raummikrofonen im Studio aufgenommen. So kamen Schicht um Schicht immer weiter verfremdete und immer weiter entrückte Klangereignisse auf die Festplatte.</p>
<p>Am Ende entsteht ein sehr loser Klangschwarm knöcheltief in ufernahen Gewässern. Ein Schwarm, der vordergründig keine erkennbare Struktur zu besitzen scheint, der keiner Dramaturgie folgt, und nicht von größeren Packungen kinetischer Energieriegel angetrieben wird.</p>
<p>„Shoals“ steht als Gesamtbild einer Ästhetik von auf Fieldrecordings beruhenden Arbeiten wesentlich näher, als jedem Grundprinzip rhythmischer Stringenz. Damit treibt Taylor Deupree den Gedanken der Auflösung wesentlich weiter als das ebenfalls stark von Gamelan beeinflusste <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009-04-27/gregory-taylor-amalgam-aluminiumhydrogen-palace-of-lights/" target="_blank">&#8220;Amalgam:Aluminium/Hydrogen“</a> von Gregory Taylor. Und dieser Ansatz ist gelungen. Ein Album, das nichts fordert. Ein Album, das allein durch sein Nichteinfordern von jeglicher Art von Struktur, Stil oder Kompositionsmodell zum Kontrapunkt wird. Ein Album wie ein Eremit.</p>
<p>Shoals ist im Juni 2010 bei <a href="http://www.12k.com/index.php/site/releases/shoals/" target="_blank">12k</a> erschienen.</p>
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		<title>Wolfparade &#8211; Expo 86</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 11:30:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So eine Weltausstellung ist schon &#8216;ne Sache. Jeder möchte seine Farben präsentieren und bietet alles feil, was nicht bei drei im nächsten Pavillon noch besser verarbeitet rumliegt. Wolf Parade sind auch Aussteller. Sie legen uns ein neues Werk vor die Füße und wir müssen gucken, was wir damit anfangen können. Ist es alltagstauglich, springt der Funke über, ist genug Kunstansatz drin oder bleibt Kanada nur ein Arcade Fire-Land? Spencer Krug und Dan Boeckner heben ihre hektischen Songs nun wieder in Richtung Allgemeinheit. Auf der Vorgängerplatte waren noch Wege ausgeleuchtet worden, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So eine Weltausstellung ist schon &#8216;ne Sache. Jeder möchte seine Farben präsentieren und bietet alles feil, was nicht bei drei im nächsten Pavillon noch besser verarbeitet rumliegt. <a href="http://www.myspace.com/wolfparade" target="_blank">Wolf Parade</a> sind auch Aussteller. Sie legen uns ein neues Werk vor die Füße und wir müssen gucken, was wir damit anfangen können. Ist es alltagstauglich, springt der Funke über, ist genug Kunstansatz drin oder bleibt Kanada nur ein Arcade Fire-Land?<span id="more-9980"></span> Spencer Krug und Dan Boeckner heben ihre hektischen Songs nun wieder in Richtung Allgemeinheit. Auf der Vorgängerplatte waren noch Wege ausgeleuchtet worden, die nicht immer den Nerv der Indiekids trafen, so aber um so mehr den der schreibenden Zunft und den der Eckensteher mit Hornbrille. Nun ist alles wieder etwas nachvollziehbarer. Die Gitarre drängt das Keyboard in die Achtziger. Der Beat treibt alles auf die Tanzfläche.</p>
<p>Da Spencer und Dan singen und Songs schreiben war oft der Gegensatz das Außergewöhnliche. Nun nähern sie sich wieder an und die Songs bekommen ein Mäntelchen umgelegt, mit dem beide gut leben können. Hymnen bekommen ihr Fett weg. Beide singen zusammen und schieben so Songs in den Pophimmel. Dass die Songs fast immer an die fünf Minuten kommen, ist schon längst keine Überraschung mehr. <a href="http://www.subpop.com/artists/wolf_parade" target="_blank">Wolf Parade</a> wollen Musik machen und da dauert es seine Zeit, den Songs den Stempel oder die Richtung aufzudrücken. Kleine Parts, große Schlachtschiffe und ausufernde Klimperparts fliegen durch den Rockkosmos. Oft wird viel reingepackt, manchmal rauscht es ein wenig, da fliegen zu viele Erinnerungen und Sounds durch die Luft, dass einem fast ein wenig schwindelig wird.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/post-1196-1266005107.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9982" title="Wolf Parade" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/post-1196-1266005107.jpg" alt="Wolf Parade" width="584" height="329" /></a></p>
<p>Das Tempo ist hoch, das Midtempo für die Folkluschen. Die Stimmen der beiden sind mit Hall ausgestopft und bleiben immer an Bowie kleben, haben diesen New Wave-Touch mit Kühle und Zement. Wie zwei schwere Steine melancholisieren sich die beiden durch quietschende Passagen, durch Klingelkeyboards und Einzeltongitarren. Arcade Fire ist natürlich im Hinterzimmer und nagelt Särge. Oft reichen Uhhhs und Ahhhs , um das Ganze nach vorne zu treiben. Die Drums scheppern schön im Ventilatorwind und zerbrechen Sticks am laufenden Band.</p>
<p>Dass, was die neue Scheibe ausmacht, liegt wohl an den Rändern. Das Wechselspiel der Stimmen, das Spiel zwischen Gitarre und Keyboard, die sich umgarnen, aber auch auslöschen wollen sind Wolf Parades Aushängeschild. Alle Instrumente sind im Vordergrund, jeder hat was zu tun, ob das nur im eigenen Saft entsteht ist zweitrangig. Jede Idee kommt auf Band. Und es gelingt, die Songs sind groß angelegt, mit vielen Parts und Aufbrechungen. Alles geht in Feuer auf, während das Schwarzlicht jeden Fussel zeigt. Immer wieder kommen einem Ultravox und deren Klone in den Sinn.</p>
<p>Wie aus einer verlorenen Zeit, versuchen Wolf Parade ihren Weg weiter zu zeichnen. Die Songs wackeln und scheppern, wie zu guten alten<a href="http://www.modestmousemusic.com/" target="_blank"> Modest Mouse</a>-Zeiten, doch Isaac Brock war der bessere Shouter, der einfach noch mehr Theatralik in die Songs legen konnte. Wolf Parade werden trotzdem mit ihrem Synthie-Rock neue Freunde gewinnen. Dafür treiben die Songs zu sehr und belegen mal wieder, dass der Indiezirkus immer noch ganz gute Tiger im Käfig hat. Sie fauchen nicht so laut, aber streifen durch die Manege mit tropfenden Lefzen. Amtliches Werk, das vielleicht doch in einem halben Jahr noch auf dem Teller verweilt, man muss halt den richtigen Tanzmodus programmieren und die richtigen Girls an seiner Seite platzieren, dann könnten wilde Parties entstehen. Hast du auch mal Bontempi gespielt? Komm, dann gründen wir eine Band!</p>
<p>Erschienen bei Sub Pop</p>
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		<title>Ital Tek &#8211; Midnight Colour</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 09:58:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Doppelbereiche, Hybride, Verschmelzungen, Subgenres. Nur so schreitet die Evolution aller musikalischen Stile voran, und der Bereich des Dancefloors  liegt dabei allzu oft im Mittelpunkt aller Schnittmengen. Der Brightoner Alan Myson weiß das. Vor kurzem erschien sein zweites Ital-Tek-Album „Midnight Colour“.  Dort treffen Elemente von Dubsteb, Garage und 2-Step auf einander. Mischfarben entstehen, Abtönung, keine Extreme.
In gemessenem Tempo von um die 130 BPM  geht es in luxuriösem Gewande immer reicher Klangauswahl mit knarzenden Bässen über wunderschöne harmonische Pad- und Streicherkaskaden bis zu groovenden E-Piano-Akkorden sehr ausgefeilt arrangiert durch ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Doppelbereiche, Hybride, Verschmelzungen, Subgenres. Nur so schreitet die Evolution aller musikalischen Stile voran, und der Bereich des Dancefloors  liegt dabei allzu oft im Mittelpunkt aller Schnittmengen. Der Brightoner Alan Myson weiß das. Vor kurzem erschien sein zweites Ital-Tek-Album „Midnight Colour“.  Dort treffen Elemente von Dubsteb, Garage und 2-Step auf einander. Mischfarben entstehen, Abtönung, keine Extreme.</p>
<p><span id="more-10524"></span>In gemessenem Tempo von um die 130 BPM  geht es in luxuriösem Gewande immer reicher Klangauswahl mit knarzenden Bässen über wunderschöne harmonische Pad- und Streicherkaskaden bis zu groovenden E-Piano-Akkorden sehr ausgefeilt arrangiert durch eine opulente Randwelt des Dancefloors.</p>
<p>Es ist eine Randwelt, zwischen Nacht und Tag, zwischen Besinnung und Aufbruch. Eine Übergangswelt, in der wir nur zu gern Leben möchten, eine Welt mir stetem Zugriff auf aktuellste Strömungen des verdichtetsten Nachlebens, mit der Verfügung über alle Soundlabore dieser Welt, und mit all dem Wissen und der Erfahrung, seit wir <a href="http://www.allmusic.com/cg/amg.dll" target="_blank">Blag Dog</a>, <a href="http://www.plaid.co.uk/" target="_blank">Plaid</a>, und <a href="http://www.thirstyear.com/store.php?id=1&amp;artist=Spring%20Heel%20Jack" target="_blank">Spring Heel Jack</a> kennen und lieben gelernt haben. Was am Ende in aller saturierter Schönheit jedoch auch bleibt, ist ein leichter skeptischer Anflug, ein unsicherer Gedanke, dass einen so viel perfekte Schönheit am Ende nur allzu schnell sättigen könnte.</p>
<p>Midnight Colour ist im Juni 2010 bei <a href="http://www.planet.mu/discography/ZIQ272" target="_blank">Planet Mu</a> erschienen</p>
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		<title>Menomena &#8211; Mines</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 08:10:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unter welchen Hut soll man Menomena packen? Nimmt man den Schlapphut, den Bauarbeiterhelm oder doch lieber die Kochmütze? Menomena verwickeln sich in Grabenkämpfe. Sie treten nicht auf der Stelle, sind eher unterwegs mit Handgepäck und Einmalzahnbürste. Jede Straßensperre wird mit dem Indie-Pass hinter sich gelassen. Danny Seim und seine zwei Mitstreiter hauen uns zum City Slang-Jubiläum saftige Stücke um die Ohren. Nach &#8220;Friend And Foe&#8221; von 2007 nun also &#8220;Mines&#8221;. Sperrig und versponnen kommen die Songs daher, haben aber bei genauerem Hinhören eine Leichtigkeit, die sich ungefragt den Songstrukturen nähert, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter welchen Hut soll man <a href="http://www.menomena.com/" target="_blank">Menomena</a> packen? Nimmt man den Schlapphut, den Bauarbeiterhelm oder doch lieber die Kochmütze? Menomena verwickeln sich in Grabenkämpfe. Sie treten nicht auf der Stelle, sind eher unterwegs mit Handgepäck und Einmalzahnbürste. Jede Straßensperre wird mit dem Indie-Pass hinter sich gelassen. Danny Seim und seine zwei Mitstreiter hauen uns zum City Slang-Jubiläum saftige Stücke um die Ohren.<span id="more-9975"></span> Nach &#8220;Friend And Foe&#8221; von 2007 nun also &#8220;Mines&#8221;. Sperrig und versponnen kommen die Songs daher, haben aber bei genauerem Hinhören eine Leichtigkeit, die sich ungefragt den Songstrukturen nähert, um dem Sommer Tribut zu zollen. Bläser, Keyboards und scheppernde Drums stehen im Vordergrund. Die Gitarren wirbeln und folken mit crazy Chordfolgen, die immer kurz innehalten und ihr eigenes Timing entwickeln. Auch Surfpickings brechen Wellen, die ein verzerrter Bass einzufangen versucht. Surf wird zur Beachwanderung.</p>
<p>Wo ist die Linie, die ein angeblich Betrunkener lang stolpern soll? Blasen bitte! <a href="http://www.myspace.com/menomena" target="_blank">Menomena</a> taumeln und eiern. Sie ziehen das Wackelige an. Immer wieder zerfallen die Stücke in Jimi Hendrix-Gewichse und flächendeckende Melancholie. Rock taucht mit Kulleraugen am Rande des Highway auf und hat ein Pappschild in den Händen. Auf dem steht in großen Lettern &#8220;HOME&#8221;. Psychedelische Klänge mit tropfenden Keyboard-Tupfern, die mit sägenden Gitarren gekreuzt werden, versuchen die Stimme von Danny Seim zusammenzuhalten. Oft gehen die Songs coldplaymäßig auf und lassen kurz die Sonne rein. Doch Lichtschutzfaktor 20 reicht.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/menomena_weird_remix.jpg"><img class="size-full wp-image-9976 aligncenter" title="Menomena" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/menomena_weird_remix.jpg" alt="Menomena" width="450" height="402" /></a></p>
<p>So ein Schwachsinn, habe ich Coldplay erwähnt? Ich nehme alles zurück und fange noch mal von vorne an. Unter welchen Hut soll man Menomena packen? Nimmt man das Baseballcap, die Melone oder doch den Filzhut? Ein Klavier hallt als Unterlage für angedockte Midtemposongs. Die Melodien schachteln sich zu einem großen Paket mit Schleifchen. Die Rhythmik ist immer als Schüttelreim zu verstehen. Der Groove bleibt oft in den Auspuffen alter Schrottmühlen hängen. Es qualmt.</p>
<p>Die Songs treiben ohne Hektik in den Zick Zack-Kurs. Der rote Faden ist nicht mehr zu entdecken. Menomena lösen sich fast in Luft auf. Saxophone verblassen, Gitarren-Slides schieben sich an hüpfenden Klavieren vorbei. Wer hier noch mitsummt hat einen an der Klatsche. Spannende Exkursion.</p>
<p>Menomena veröffentlichen einen Popentwurf, der sich wehrt mit anderen gemessen zu werden. Menomena suchen nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Wild und ungestüm, doch mit dieser schon erwähnten unbeschwerten Leichtigkeit, die wohl angeboren sein muss. Sie lassen sich unglaublich viel Zeit. Alles dauert und spleent um die Wette. Ein kurzer Hi-Hat-Tusch lässt uns warten, fast zwanzig Sekunden wummert nur eine Trance-Orgel. Dann wird der rauschende Kassettenrekorder angeworfen. Es gibt viel zu hören. Viele tolle unpoppige Bläser, einige Gospeleinlagen und Scheppersnares. Menomena melden sich unverfroren zurück und schenken City Slang ein atemberaubendes Geburtagstörtchen. Die Kerzen wollen einfach nicht ausgehen, egal wie stark du deine Puste auch feuern lässt. Zeug zum Klassiker!</p>
<p>Erschienen bei <a href="http://www.cityslang.com/" target="_blank">City Slang</a></p>
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