Artikel in der Kategorie Experimentelle Musik
Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Das Leben ist eine langbeinige dunkle Krake. Es scheint ein verlassener Gasplanet zu sein, der von ihr durch stete Absonderung erschaffen wurde. Sedimente der Einsamkeit. Nichts ist da, was erkennbar oder begreifbar wäre. Trotzdem ist alles erfüllt von irgendwas, das einem den Atem raubt. Nichts hat ein Gesicht. Nichts schafft Erinnerung. Alles ist magnetisch. Und du bist allein.
Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Die Geister, die Arandel nominiert, sie sind weder zu hören noch zu sehen. Ihre Transparenzen haben kaum Brechungen, wenn überhaupt. Der Fresnel-Shader in ihren Häuten scheint deaktiviert. Und ihre Stimmbänder sind verwachsen. Kein Laut, kein Röcheln, nicht mal ein Hauch. Das Windrad bewegt sich nicht. Das macht sie so schwer auszumachen. Gibt es sie überhaupt? Where are you, Terry Riley?
Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Der Ursprung ist nicht mehr zu entziffern. Die Laptops werden warm und deine Augen zu kleinen Schlitzen. Fenn O’Berg tauchen nach acht Jahren mal wieder aus der Versenkung auf. Natürlich waren sie nie richtig weg, doch auf dem Schirm hatte man die Pioniere des Laptopverknüpfens wohl auch nicht ständig. Diesmal ging es nach Tokyo, wo Jim O’Rourke seit Jahren lebt und arbeitet. Die letzten Veröffentlichungen waren ja Live-Mitschnitte. Diesmal also ein Studioalbum, was mit der Tradition der Moderne kuppelt und sich phrasenstark “In Stereo” nennt.
Ambient, Elektronik, Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Die Synthesizer-Melodie tanzt vor und zurück. Dies wird ein seltenes Bild bleiben. Die Drones drücken und schwelgen als Basisstation unter der Kuppe. Es fliegen David Lynch-Trolle an deinem geistigen Auge vorbei. Los Angeles, die Stadt der Engel hat wieder einen neuen, doch der hat sich selbst die Flügel abgenommen, um nicht immer mit einem verwechselt zu werden.
Avantgarde, Experimentelle Musik, Folk, Musik, Rezensionen »
Wie eine Zartbitter-Schokolade legt sich „Constellations“ um deine Hüfte. Die Kalorienanzahl lässt dich schlucken. Nicht schon wieder dieser JoJo-Effekt. Doch du hast noch drei Tafeln. Was weg muss, muss weg. Niemand kann dir helfen. Dein Diätberater gibt gerade dein Geld aus. Du öffnest das dunkle Papier und riechst an dem braunen Brocken als wäre es Heroin. Balmorhea aus Austin nutzen jede Möglichkeit zur Pause. Sie schleichen um dich rum, wie die Aasgeier. Ruhe gehört zu ihrem Geschäft, genau wie Klassik und die Avantgarde.
Ambient, Avantgarde, Elektronik, Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Ist ja wie in einer Waschküche hier! Ich sehe nichts, gar nichts. Ist da hinten die Eisdusche, die benutze ich immer, bevor ich mich ins Chlor bewege? Das sind doch Stimmen, oder? Lachende Mädchen! Ja, meine Gummi-Badekappe sieht schon lustig aus. Dachte schon ich wäre allein. Hätte ich ein wenig gruselig gefunden. Ich tauche ab ins kühle Nass. Die Drones schwingen sich mit ins Reich der Wasseraerobic und Bahnenzieher.
Avantgarde, Experimentelle Musik, Industrial, Musik, Pop, Rezensionen »
Wir schlendern durch Ost-Sachsen in England. In der Luft klebt ein beißender Abwassergeruch und natürlich regnet es. Der Knirps bleibt ständiger Begleiter. Southend-on-Sea versucht seine berühmtesten Bewohner mit einem Vergnügungspier zu erotisieren. Jedes hart erarbeitete Pfund wird in einen Daddel-Automaten gesteckt. Hier kommst du nicht so schnell weg. London scheint Lichtjahre entfernt. These New Puritans schauen trotzdem über den Tellerrand. „Was machen die Anderen?“. „Gut, dann machen wir was anderes!“.
Ambient, Elektronik, Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Kategorisierung vereinfacht Gedächtnis und Wahrnehmung von Musik, weil das Gedächtnis nur in sehr geringem Umfang fotografisch funktioniert. Broadcast gehörte für mich immer in die Kategorien Neo-Psychedelic und Folk. Spätestens beim Wiederhören von United States of America und Curved Air fiel auf, dass die kategorisierende Erinnerung Streiche spielt. Broadcast war gar nicht so nah an den Originalen, wie meine Erinnerung es zusammen bastelte. Vielmehr hatten sie offensichtlich wichtige Charakteristika der Psychedelic jener Tage heraus destilliert, verstärkt und in doch meist poporientiertere Songkompositionen gegossen.
Experimentelle Musik, Folk, Jazz, Musik, Pop, Rezensionen, Rock »
Die Sonic Youth-Tage sind vorbei. Auch die letzten musikalischen Treffen mit Tweedy und Kotche für das Projekt “Loose Fur” liegen einige Jahre zurück. Obwohl Kotche auf “The Visitor” wieder einmal beweist, wie wichtig gute Drummer heutzutage sind und Freundschaften innerhalb der Szene sowieso. Diesmal wirbt O’Rourke aber endlich wieder mit seinem eigenen Namen. Acht Jahre ist sein letztes Album nun her. Eine lange Zeit. Aber O’Rourke war ja nicht untätig. Sinustöne und Avantgarde-Gehoppel mit Kracheskapaden durften sich einige Auserwählte auf Kunstevents in den Ausstellungskatalog kleben.
Experimentelle Musik, Industrial, Musik, Rezensionen, Rock »
Der Wattebausch im Mund verhindert allzu große Lautstärke. Jedes Winseln wird samtiger und luftdurchlässiger. Die Metalmähne wird zurecht gekämmt und der Bart gestutzt. Health kloppen sich durch ihre Version des Rock. Die Stimme von Jake Duzsik schrammelt immer an der My Bloody Valentine-Gartenparty vorbei. Experimentell und durch Techno beeinflusst, kriechen die Songs in deinen Körper. Von innen wirst du mit kleinen Nadeln malträtiert. Und der Beat mit Highspeed-Snare weist dir den Weg aus der Holzklasse.
Elektronik, Experimentelle Musik, Lautsphären, Musik, Rezensionen »
Jan Jelinek hat sich mit dem Label Faitiche eine Plattform für Experimente, Verschüttetes und jetzt auch Utopisches geschaffen. Nach Ursula Bogners elektronischen Elaboraten aus den 60er Jahren wird mit der zweiten Veröffentlichung ein weiteres Projekt vorgestellt: Die Gesellschaft zur Emanzipation des Samples. Diese verschreibt sich der Unterstützung beim Ausüben eines Urheberrechtsverstoßes, dem Sampling, und zwar durch finanziellen Rückhalt und juristischen Beistand.
Elektronik, Experimentelle Musik, Musik, Rezensionen »
Moritz von Oswald, bekannt durch Maurizio, Rhythm & Sound und Mitbegründer der Label Basic Channel und Chain Reaction, wendet sich in jüngster Zeit verstärkt neuen Projekten zu. Jetzt gibt er sich gemeinsam mit Vladislav Delay und Max Loderbauer als Trio die Ehre und verhandelt zwei seiner musikalischen Hauptaspekte neu: Dichte und Leichtigkeit. Das Moritz von Oswald Trio versucht sich an einem vage beschriebenen Experiment. Wie verändert sich der Klang in seiner Bewegung im offenen Raum? Und wie viele und wie dichte Rhythmuspatterns verträgt eine solche Versuchsanordnung?


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