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	<title>Jahrgangsgeräusche &#187; Avantgarde</title>
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	<description>Popkultur und unbedingte Zonen</description>
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		<title>Reinhold Friedl – Eight Equidistant Pure Wave Oscillators, While Slipping Very Slowly To A Unison, Textually Spatialised On Eight Speakers, Concret, 60 Minutes</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 10:08:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Ganz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum herrscht in zeitgenössischen Lehrplänen immer noch eine Trennung zwischen Musik- und Physikunterricht? Hinweg mit überkommener Didaktik! „Eight Equidistant Pure Wave Oscillators&#8230;“ ist ein feines Beispiel, wie man neue Wege gehen könnte. Neben der audiophilen Übertragung des 60-minütigen Dauertons in all seinen Schattierungen, böte sich die Echtzeitanalyse auf Oszilloskopen an. Das steigert den installativen Mehrwert und freut den Physiklehrer.
Dabei unterstützt der puristische Formalismus der Komposition das Erleben von psychoakustischen Grenzerfahrungen. Hier wird der Anspruch der Erneuerung von Musik noch auf ganz schnellen Gäulen geritten. Ich kann mich nicht erinnern, wann ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum herrscht in zeitgenössischen Lehrplänen immer noch eine Trennung zwischen Musik- und Physikunterricht? Hinweg mit überkommener Didaktik! „Eight Equidistant Pure Wave Oscillators&#8230;“ ist ein feines Beispiel, wie man neue Wege gehen könnte. <span id="more-22651"></span>Neben der audiophilen Übertragung des 60-minütigen Dauertons in all seinen Schattierungen, böte sich die Echtzeitanalyse auf Oszilloskopen an. Das steigert den installativen Mehrwert und freut den Physiklehrer.</p>
<p>Dabei unterstützt der puristische Formalismus der Komposition das Erleben von psychoakustischen Grenzerfahrungen. Hier wird der Anspruch der Erneuerung von Musik noch auf ganz schnellen Gäulen geritten. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal die Restgeräusche der Außenwelt als so angenehm empfunden habe, wie nach Durchhören des kompletten Albums. Beeindruckend. Früher stand auf Platten dieses Wirkungsgrades noch der wohlmeinende Hinweis: „Für Schwangere und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ungeeignet.“ Heute darf man froh sein, dass es sie noch gibt. Denn wozu an den Zuhörer denken? Jegliche dahingehende Konzession verunreinigt nur das Werk. Es lebe der Konzeptionalismus!</p>
<p>&#8220;Eight Equidistant Pure Wave Oscillators, While Slipping Very Slowly To A Unison, Textually Spatialised On Eight Speakers, Concret, 60 Minutes&#8221; ist bei <a href="http://room40.org/store/REINHOLD_FRIEDL_8_OSCILLATORS" target="_blank">Room 40</a> erschienen.</p>
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		<title>Russell Haswell – ACID nO!se Synthesis</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 05:44:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Russell Haswell macht keine Musik für den Hausgebrauch. Auch nicht für Tontechniker in der Kaffeepause und auch nicht für Radiotechniker. Obwohl die  bestimmt den Spannungsmesser an die heimischen Boxen halten würden. Macht Haswell überhaupt Musik? Was ist Musik?
Haswell ist ein Audiopräsentator, der Grenzen, Räume, Bewegung und Stereosignale visualisiert. Noise fließt durch die Adern, der Puls bleibt scheintot und die Pedale sind nicht nur schön anzusehen. Welche Phase sieht wie aus? Gehirnströmungen huschen von rechts nach links. Vectoroszillogramme bescheinigen dir die Arbeitsunfähigkeit. Du hängst in der Braunschen Röhre. Ich hab ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Russell Haswell macht keine Musik für den Hausgebrauch. Auch nicht für Tontechniker in der Kaffeepause und auch nicht für Radiotechniker. Obwohl die  bestimmt den Spannungsmesser an die heimischen Boxen halten würden. Macht Haswell überhaupt Musik? Was ist Musik?<span id="more-22268"></span></p>
<p>Haswell ist ein Audiopräsentator, der Grenzen, Räume, Bewegung und Stereosignale visualisiert. Noise fließt durch die Adern, der Puls bleibt scheintot und die Pedale sind nicht nur schön anzusehen. Welche Phase sieht wie aus? Gehirnströmungen huschen von rechts nach links. Vectoroszillogramme bescheinigen dir die Arbeitsunfähigkeit. Du hängst in der Braunschen Röhre. Ich hab da immer so ein Piepen im Ohr.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/10/Lissajous.gif"><img class="size-full wp-image-22269 aligncenter" title="Lissajous" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/10/Lissajous.gif" alt="" width="200" height="200" /></a></p>
<p style="text-align: center;">
<p>Turbulenzen werden weggedreht und ein Surface-Wind setzt dir die Haare in Position. Haswell hat Kopfhörermusik für Nerds vorbereitet, die mit geschlossenen Augen modulare Synthesizer unterscheiden können. Ihr Wunschzettel hat nur einen Eintrag: X-Y Oszilloskop. Haswell gibt eine Erfahrungsreise zum Besten, die sich der Hipster in Forschungsgruppen in zwei Kanäle unterteilt. Overdub und Midi waren gestern. Wer braucht noch Räume oder Konzerte? Schließ deine Gerätschaften zu Hause an und wirf Kurven an die Wand. Deine Frau wird begeistert sein. Wer ACID nO!se Synthesis auch in Bewegung bewundern möchte, sollte sich <a href="http://www.audiofile-engineering.com/spectre/" target="_blank">Spectre</a> und oder <a href="http://www.fluxhome.com/products/freewares/stereotool" target="_blank">Stereo Tool</a> besorgen.  Auf eine wireless World!</p>
<p>ACID nO!se Synthesis ist bei Editions Mego erschienen.</p>
<p><iframe width="560" height="410" src="http://www.youtube.com/embed/f1UiIvgRKFY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Reinhold Friedl – Inside Piano</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 00:01:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Ganz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Reinhold Friedl ist bekannt als Mastermind des Ensembles Zeitkratzer, welches sich in den letzten Jahren mit zahlreichen genreübergreifenden Projekten den Ruf eines außergewöhnlichen Ensembles für zeitgenössische Musik und Musik des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Zuletzt trat Zeitkratzer mit Interpretationen zu Whitehouse und vor allem zu Alvin Lucier positiv in Erscheinung. Nun besinnt sich Friedl auf das Instrument, an dem er auch studiert hat. Das Ergebnis ist mehr als nur hörenswert. Es ist von verstörender Schönheit.

Klavierpräparationen und Experimente mit Rahmen und Saiten sind ja nicht mehr neu. Doch Friedl nimmt hier ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Reinhold Friedl ist bekannt als Mastermind des Ensembles <a href="http://www.zeitkratzer.de/" target="_blank">Zeitkratzer,</a> welches sich in den letzten Jahren mit zahlreichen genreübergreifenden Projekten den Ruf eines außergewöhnlichen Ensembles für zeitgenössische Musik und Musik des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Zuletzt trat Zeitkratzer mit Interpretationen zu Whitehouse und vor allem zu Alvin Lucier positiv in Erscheinung. Nun besinnt sich Friedl auf das Instrument, an dem er auch studiert hat. Das Ergebnis ist mehr als nur hörenswert. Es ist von verstörender Schönheit.<span id="more-21186"></span></p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/09/Inside_Piano.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-21189" title="Inside Piano" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/09/Inside_Piano.jpg" alt="Inside Piano" width="545" height="277" /></a></p>
<p>Klavierpräparationen und Experimente mit Rahmen und Saiten sind ja nicht mehr neu. Doch Friedl nimmt hier gewissermaßen eine komplette Umstülpung des Instrumentenkörpers vor. „Inside Piano“ kehrt das Innerste eines Steinway D-274 nach aussen. Der klangerzeugende Resonanzraum tritt in den Hörraum ein und erfüllt ihn sogleich. Der Hammerton, ausgelöst durch einen mehr oder weniger starken Tastendruck, verschwindet hier in unbestimmteren Klanganhäufungen. Er wird zur buchstäblichen singulären Ausnahme degradiert. Vielmehr prägen die entfesselten Welten metallischer Saitenwerke des Flügels ein fremdartiges Klanggefüge aus mehr oder weniger stabilen Bergen von Schwingungen.</p>
<p>Die Innenwelt tritt also nach aussen und die bekannten Eigenschaften des Hammerklaviers, die für den kontrollierten, klar definierten, anschlagdynamischen Ton stehen, mutieren komplett zum Alien. Dieses Alien trägt gleichsam organische wie auch technische Züge. Es greift auf aggressive Art und Weise nach dem großen Raum und erobert ihn im Flug. Mit seiner Masse steht es dann für eine gewisse Stabilität und erfüllt uns trotzdem mit Gefühlen der Irritation und Unruhe, die es selbst sogleich wieder durch den nächsten dynamischen Akt in Luft auflöst.</p>
<p>So bleibt stets das Geheimnisvolle im Zentrum der beeindruckenden Arbeit Friedls, die uns die Eingeweide des Pianos gleichzeit als etwas sehr Dynamisches und Schwerwiegendes zeigt, was auf eine verwandte Art und Weise auch bei <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2010-09-13/weltausstellung-live-%E2%80%93-dusseldorf-stilwerkforum-11-09-2010/" target="_blank">Weltausstellung</a> zu hören war. Verhängnis schwing in den verstörenden Schichtungen aufregend mit. Die Aufnahmen zu „Inside Piano“ entstanden am 08. und 09. Juli 2010 in der Philharmonie von Luxemburg.</p>
<p>Inside Piano ist im Juli 2011 bei <a href="http://www.hronir.de/" target="_blank">Hrönir</a> erschienen.</p>
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		<title>Matana Roberts – Coin Coin Chapter One: Gens De Couleur Libres</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 07:31:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gesprächskreise reden sich den Mund fusselig. Diedrich Diederichsen beehrt mal wieder die Spex und das alles nur wegen Matana. Bevor das Fass überläuft, muss man noch schnell seinen Senf dazugeben. Auch ich. 
Die Alto-Saxophonistin bespielt ihre Familiengeschichte mit collagenartiger Soundsprache. Free-Jazz pumpt sich röhrend durch ein Gefühl des 19. Jahrhunderts. Berge werden aufgeschüttet mit wilder Ekstase, Tod und Wucht. Lange, verspielte Drones ziehen sich am eigenen Schopf aus der Brühe. Das Klavier versucht Ruhe und das Glück zu symbolisieren, während Matana jede Ausbruchsmöglichkeit sucht, die sie aus der Sklaverei befreit ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gesprächskreise reden sich den Mund fusselig. Diedrich Diederichsen beehrt mal wieder die Spex und das alles nur wegen Matana. Bevor das Fass überläuft, muss man noch schnell seinen Senf dazugeben. Auch ich. <span id="more-19561"></span></p>
<p>Die Alto-Saxophonistin bespielt ihre Familiengeschichte mit collagenartiger Soundsprache. Free-Jazz pumpt sich röhrend durch ein Gefühl des 19. Jahrhunderts. Berge werden aufgeschüttet mit wilder Ekstase, Tod und Wucht. Lange, verspielte Drones ziehen sich am eigenen Schopf aus der Brühe. Das Klavier versucht Ruhe und das Glück zu symbolisieren, während Matana jede Ausbruchsmöglichkeit sucht, die sie aus der Sklaverei befreit oder wenigstens so klingt, als würde etwas funktionieren und sich verändern. Als gäbe es einen Weg. Das hat stimmige Momente, die nicht nebenher funktionieren. Wenn eine gequälte Stimme sich ins Feuer wirft und flennt, ist man erstmal schockiert. Ich habe lange keine stimmliche Darbietung mehr gehört, die einem so weh tut.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/1287817024_matanarobertscoincoin_4601.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-19563" title="Matana Roberts" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/1287817024_matanarobertscoincoin_4601.gif" alt="" width="460" height="345" /></a></p>
<p>Die Platte wirkt wie ein Jazzfestival auf einer Method Acting-Tagung. Afrikanisch-Amerikanische Experimentalmusik. Musikalische Konzepte werden vorgelegt, Geschichte wird mit Noten phrasiert, die aber nicht ständig miteinander, sondern eher gegeneinander arbeiten. Neudefinitionen von Traditionen werden mit Kreide und Holz dargelegt. Weiche Momente bekommen durch das Holz knochige, störrische Unterarme. Ein Funken reicht und das Ding brennt. Politik wird dramatisiert. Das Album schwappt. Mal plustert es sich wild auf, macht keine Gefangenen, dann fällt es in sich zusammen, zieht sich ins Erzählerische zurück. Ein Spuk taucht auf und hinterlässt Spuren, die bis heute in den Nacken sitzen. Der Protest wird radikalisiert.</p>
<p>Matana will berichten, aufklären und sich erinnern. Geneigte Zuhörer nennen Albert Ayler als Referenz. Kann man machen, doch Matana bedient sich gerne aus allen Töpfen. New Orleans saust ohne Wasser vorbei. Fast staubtrocken klingen die Instrumente. Passagen bekommen Farben zugeordnet, die auch schon mal gelb sind. Krankheit und Stolz treffen sich in einem Korsett, dass im Rücken geschnürt ist und Striemen verursacht. Das Geheul ist groß, die Welt wackelt. Und wie bei einem Radiosuchlauf bleiben Passagen hängen, die man so noch nicht gehört hat. Nach dem Knall, kommt der Aufbau, nach dem Aufbau die Geburt. Darauf folgt die erste Festnahme, die eine Befreiung nach sich zieht. Nach der Befreiung lässt die zweite Festnahme nicht lange auf sich warten. Gewalt wird angetan. Wer wird hier unterdrückt? Wenn Ruhe einkehrt, weiß man dann schon, dass das nicht lange anhalten wird. Türme werden hochgezogen. Jazzorchester werden auf die Bühne geschoben. Tusch! Avantgarde-Jazz-Noise-Bigband-Spoken Word-Live-Album. Darüber wird zu reden sein!</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100%" height="245" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fplaylists%2F649434" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="100%" height="245" src="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fplaylists%2F649434" allowscriptaccess="always"></embed></object> <span><a href="http://soundcloud.com/constellation-records/sets/cst079">Coin Coin Chapter One: Gens de Couleur Libres &#8211; MATANA ROBERTS</a> by <a href="http://soundcloud.com/constellation-records">Constellation Records</a></span></p>
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		<title>Nat Baldwin – People Changes</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 08:34:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nat Baldwin macht sich nackig. Ihm reicht seine hohe Kopfstimme, die immer wieder versucht, neue Wege zu gehen. Als Begleiter wählt der Bassist der   Dirty Projectors  natürlich seinen Bass. Ihn streicht er mit einem Bogen. Manchmal zupft er auch oder macht beides gleichzeitig. Mehr benötigt er nicht.
An gewissen Punkten der Reise, tauchen an den Biegungen Freunde auf, die mit Freejazz- oder Poprockeinlagen die ruhigen Stücke aufbrechen. Sie fallen Nat ins Wort, in den Takt und ins Arrangement. Bläser werden zu großen Fanfaren. Ein Schlagzeug gibt auf einmal ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nat Baldwin macht sich nackig. Ihm reicht seine hohe Kopfstimme, die immer wieder versucht, neue Wege zu gehen. Als Begleiter wählt der Bassist der   <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009-06-06/dirty-projectors-bitte-orca/">Dirty Projectors</a>  natürlich seinen Bass. Ihn streicht er mit einem Bogen. Manchmal zupft er auch oder macht beides gleichzeitig. Mehr benötigt er nicht.<span id="more-18291"></span></p>
<p>An gewissen Punkten der Reise, tauchen an den Biegungen Freunde auf, die mit Freejazz- oder Poprockeinlagen die ruhigen Stücke aufbrechen. Sie fallen Nat ins Wort, in den Takt und ins Arrangement. Bläser werden zu großen Fanfaren. Ein Schlagzeug gibt auf einmal ein Tempo vor, dass so nicht auf dem Zettel stand. Eine Arthur Russel-Coverversion macht den Anfang, doch das fällt nicht ins Gewicht. Könnte auch aus Baldwins Feder stammen. Amtlich! Passt!</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/05/NatBaldwin.jpg"><img src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/05/NatBaldwin.jpg" alt="" title="Nat Baldwin" width="500" height="337" class="alignnone size-full wp-image-18292" /></a></p>
<p>Nats Stimme erinnert natürlich verdächtig an Dave Longstreth, dem Sänger der Dirty Projectors. Das stört aber nicht, macht die Sache noch runder, ja wenn nicht sogar außergewöhnlicher. Die Songs sind toll umgesetzt. Avantgarde bekommt den Nick Drake-Balsam, der sich sanft um den Singer Songwriter-Anteil bemüht, ohne das Konzept aus den Augen zu lassen. Harte Krachparts steuern gegen alles an, was du von lahmen Versjungs so kennst. Wenn der Bass gezupft wird und so im Raum klingt, dass du glaubst Nat sitzt in deiner Küche, bist du schon gefangen. Auf einmal fiedelt Nat über seinen Bass und verliert die Struktur. Du lässt ihn laufen, er kommt schon wieder zurück. Fantastisch! </p>
<p>Tolle Popelemente verbinden sich mit der Freiheit des Jazz, dass man sich wünscht Nat Baldwin wäre so bekannt wie diese Jazznasen, die immer in Talkshows sitzen und über ihre Fingerfertigkeit sinnieren. Nat hält sich zurück, er konzentriert sich auf seine Stücke, auf ihre Umsetzung und bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden. Schön, wie Nat trotz aller Ausbrüche sich an Strophe und Chorus-Formate hält, diese wunderbar nutzt und gegeneinander hochspielt. Innere Ruhe wird immer wieder genial ausgehoben. Eine kleine, tolle Platte, die mich noch lange begleiten wird. Geheimtipp!</p>
<p><iframe width="500" height="337" src="http://www.youtube.com/embed/e68FjMz7ue8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Frieder Butzmann – Wie Zeit vergeht</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 10:08:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Ganz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da ist er wieder, unser Vertrauensmann des Volkes und Anwalt des experimentellen Tönchens. Es brummt, es dreunt und es blubbert. Ein in sich zusammenfallendes und nicht mehr ganz leichtes Flattern schiebt sich von hinten kommend an unseren lauschenden Ohren vorbei. Was ist hier Rand und was die Mitte? Man weiß es nicht. Nur, dass da auch etwas oszilliert. Zum Beispiel. Und immer wieder als Paradedisziplin über das unübersichtliche Feld gallopierend: sich widersprechende Stimmen dringen von außen ein, sie überlagern sich, sind verzerrt und manche auch verstimmt. Der Vergleich mit einer ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da ist er wieder, unser <a href="http://www.discogs.com/Frieder-Butzmann-Vertrauensmann-Des-Volkes/release/248103" target="_blank">Vertrauensmann des Volkes</a> und Anwalt des experimentellen Tönchens. Es brummt, es dreunt und es blubbert. Ein in sich zusammenfallendes und nicht mehr ganz leichtes Flattern schiebt sich von hinten kommend an unseren lauschenden Ohren vorbei. Was ist hier Rand und was die Mitte? <span id="more-16779"></span>Man weiß es nicht. Nur, dass da auch etwas oszilliert. Zum Beispiel. Und immer wieder als Paradedisziplin über das unübersichtliche Feld gallopierend: sich widersprechende Stimmen dringen von außen ein, sie überlagern sich, sind verzerrt und manche auch verstimmt. Der Vergleich mit einer Sendersuche bei einem Kurzwellenradio liegt nahe. Doch mehr noch winkt von ganz hinten eine Dramaturgie des Kunsthörstücks.</p>
<p>In manchen instrumentalen Momenten stehen die ausladenden Kompositionen von Frieder Butzmann in einer Nähe zu Produktionen wie <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009-08-14/atom-tm-liedgut/" target="_self">&#8220;Liedgut&#8221;</a> von Atom TM. In anderen dann wieder, wenn Wellenformen einzeln seziert werden leben Traditionen der klassischen Moderne auf. Die Nähe zu den Pionieren der elektronischen Klangerzeugung wird offenbar. Nichts ist hier peinlich, selbst das Sample des Wortes „Stockhausen“ klingt nicht deplaziert.</p>
<p>Denn all diese eingebauten zuweilen fast albernen Details funktionieren unter anderem deshalb so gut, weil es eine enge stilistische Verwandschaft von „Wie Zeit vergeht“ mit dem Genre des Hörspiels und mit den Traditionen des Dadaismus gibt. Wenn übertrieben emphatische Stimmen absurde Litaneien zu allerlei Blautönen vortragen, entbehrt das nicht einer gewissen Komik und würzt die Komposition mit einer Unbeschwertheit, die so mancher genreverwandten Veröffentlichung fehlt.</p>
<p>Frieder Butzmann, der schon mit Genesis P. Orridge, Blixa Bargeld und Gudrun Gut kollaborierte und dies z.B. heute immer noch mit <a href="http://www.kroethenhayn.de/?cat=products&amp;subcat=&amp;id=143&amp;lang=de" target="_blank">Wolfgang Müller</a> tut, muss nach Jahrzehnten der experimenteller Pionierarbeit niemandem mehr etwas beweisen. Die aus diesem Status erwachsene Abgeklärtheit steht ihm gut, bringt sie doch eine meisterliche Lässigkeit mit sich. So erfreut mich Frieder Butzmann mit einem ebenso vielschichtigen wie humorvollen Album. Eine Kombination, die in den Salons der ambitionierten zeitgenössischen Musik leider viel zu selten anzutreffen ist.</p>
<p>&#8220;Wie Zeit vergeht&#8221; erschien im März 2011 bei <a href="http://www.pan-act.com/" target="_blank">Pan</a>.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/04/pan-14-web_b.jpg"><img class="size-medium wp-image-16782" title="Frieder Butzmann - Wie Zeit vergeht" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/04/pan-14-web_b.jpg" alt="Frieder Butzmann - Wie Zeit vergeht" width="540" height="540" /></a></p>
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		<title>Oval &#8211; O</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Dec 2010 09:13:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Ganz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Avantgarde]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Iteration]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Popp]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach ungefähr neun Jahren des Innehaltens kam Markus Popp mit Oval wieder zurück. Diese Tatsache wurde inzwischen vielerorten besprochen. Anlässe dazu gab es ja über das Jahr verteilt mehrere. Schließlich rundete das Doppelalbum „O“ nach EP- und Digitalveröffentlichungen die Oval-Serie-2010 mit nicht weniger als 70 Tracks ab. Da musste auch ich zunächst innehalten. Nun zu „O“  noch ein paar Worte.
Oval 2010 beginnt mit der offensichtlichen Abkehr von früheren Ansätzen, die bei diesem Projekt wichtig waren. Dennoch ist das Konzeptionelle und Erforschende als Ausgangspunkt geblieben, hat sich vielleicht sogar noch mehr ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach ungefähr neun Jahren des Innehaltens kam Markus Popp mit Oval wieder zurück. Diese Tatsache wurde inzwischen vielerorten besprochen. Anlässe dazu gab es ja über das Jahr verteilt mehrere. Schließlich rundete das Doppelalbum „O“ nach <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2010-06-04/oval-oh/" target="_blank">EP-</a> und Digitalveröffentlichungen die Oval-Serie-2010 mit nicht weniger als 70 Tracks ab. Da musste auch ich zunächst innehalten. Nun zu „O“  noch ein paar Worte.</p>
<p><span id="more-13152"></span>Oval 2010 beginnt mit der offensichtlichen Abkehr von früheren Ansätzen, die bei diesem Projekt wichtig waren. Dennoch ist das Konzeptionelle und Erforschende als Ausgangspunkt geblieben, hat sich vielleicht sogar noch mehr in den Vordergrund geschoben. Wenn früher das ungewöhnliche Klangmaterial, das nur am Rande musikalischen Interesses lag, und der Loop im Vordergrund standen, dann hat sich der Schwerpunkt nun mehr auf eine avanciertere Klangverarbeitung verlagert. Auf „O“ und „Oh“ sind Klangbearbeitung ganz Prozess im Sinne einer individuellen künstlerischen Handschrift und Verklausulierung geworden. Die Auswahl von ungewöhnlichen Bearbeitungsalgorithmen auf gewöhnlicher PC-Hardware wurden um so sorgfältiger im Vorfeld von Markus Popp getroffen.</p>
<p>Es erscheinen akustische Klänge. Saiten finden sich scheinbar unwillkürlich ein. Metallische Saiten. Gitarrensaiten. Pickings. Den Flageoletts ähnliche Töne sind auf „O“ geradezu charakteristisch. Selten taucht ein energisches und auch auflockerndes akustisches Schlagzeug auf. Noch seltener kontrastieren FM-Sounds. Die Klangereignisse treten wie spontan eingefangene Improvisationen einer äußerst zerbrechlichen Versuchsanordnung auf. Scheinbar einfache und akribische Aufnahmen von Handverfertigtem verbleiben in einem Charakter der Rohheit und Unbehauenheit. Kein Hall, keinen Echos. Das Ohr bleibt immer in unmittelbarer Nähe.</p>
<p>Das Skizzenhafte findet Formen ohne Wiederholung. Die Aufnahmen werden nur mit einem Hauch von Klangbearbeitung überzogen. Nur einem Hauch. Damit die Klänge nicht umkippen, sondern immer für eine gewisse Zeit, die nicht genau bestimmt ist, ein labiles Gleichgewicht erhalten und auf der Kippe stehen. Ein gleichsam schwieriges, ja fast unmögliches Unterfangen.</p>
<p>Und genau das Macht den Reiz der Ergebnisse der Klangprozesse auf „O“ aus. Ist es ein Schorf, ist es Rost oder Raureif? Der Klang ohne feste Kontur auf der Zeitachse hält jegliche Spannung aufrecht, die vorgegeben wird. Die Klangfindung ist Drahtseilakt, Artistik, die sich genügt. Die Klangfindung bleibt immer nur ein flüchtiges Erhaschen von etwas wieder und wieder in neuem Gewande Erscheinendem. Ein Prozess, der nie ins Exakte, ins Errechnete und Wissenschaftliche gerät. Und das exakte, das möglicherweise den verwendeten Effekten innewohnt, bleibt unerkannt.</p>
<p>Akustische Saiten werden durch irgend etwas nicht näher Bestimmtes und Bestimmbares gejagt. Auf der anderen Seite des Signalweges erscheinen Töne mit dünnster Firnis überzogen, leicht verzerrt und metallisiert, galvanisiert und imprägniert. Verstellt, verschnupft, subtil maskiert. Manchmal ein Röcheln im Unterton. Dann schnarrt sich etwas fest in der Vorstellung, es könnte sich gleich eine Verzerrung aufschaukeln. Doch bevor die Klänge in bekannte Muster kollabieren, bricht die Phrase wieder ab. Es bliebt immer auf der Kippe, immer im labilen Gleichgewicht. Das ist das eine Verdienst.</p>
<p>Neben der Variation, die sich auf das Klangliche bezieht, steht die Iteration des musikalischen Materials im Fokus. Markus Popp zerschneidet und zertriggert ohne dabei Mikromuster für länger als zwei bis fünf Sekunden erkennbar werden zu lassen. Auch das Rhythmische bleibt auf der Kippe. So bleiben rhythmische Muster im eigentlichen Sinne aus. Das ist das andere Verdienst dieses Albums.</p>
<p>Schließlich ist „O“ zweigeteilt in eine erste CD mit mehrminütigen Stücken, die Entwicklungen in sich tragen und einem zweiten mit kurzen Miniaturen. Insgesamt erscheint mir der zweite Teil mit den machmal unter einminütigen Anrissen ausgewogener als die Versuche größere Bögen zu schlagen. In jedem Fall ergibt sich aus dem Reigen der diesjährigen Oval-Veröffentlichunge die sehr überzeugende Arbeit eines Musikers, der immer noch weiter nach neuen Reiz- und Ansatzpunkten zu suchen scheint, und mit „Oh“ bis „O“ tatsächlich Spannendes und unter Spannung Stehendes Neues gefunden hat. Was zu beachten war in diesem Jahr.</p>
<p>&#8220;O&#8221; ist im September bei <a href="http://www.thrilljockey.com/catalog/?id=104841" target="_blank">Thrill Jockey</a> erschienen.</p>
<p><img src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/12/Oval__Markus_Popp.jpg" alt="" title="Oval - Markus Popp" width="540" height="360" class="alignnone size-full wp-image-13164" /></a></p>
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		<title>Sam Prekop – Old Punch Card</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Oct 2010 08:42:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Ganz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Tonale erscheint zersplittert und zerschnitten. Die Pulverisierung des Harmonischen vollzieht sich in großer Schale. Darüber, darunter und daneben erfolgt die Spreizung des Tons in seine ungericheten Bestandteile. Die Spaltung geschliffener Blasinstrumente ruft beunruhigende Beben hervor. Bosonen des Bordun umschwirren uns, tropfen plötzlich ab und kollidieren dann und wann.
Die Spaltung aller Oktaven in Granulate und deren rhythmischen Auffächerungen. Die Zerschmirgelung der tonalen Ausrichtung auf Ausgewogenheit. Das Aufrauen von Flächen. Unruhe und Ungleichheit als starke kompositorische Elemente. Aus Vokabeln werden wieder Vokale. Konsonanten gehen ächzend zu Boden. Zunächst. Im weiteren Verlauf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Tonale erscheint zersplittert und zerschnitten. Die Pulverisierung des Harmonischen vollzieht sich in großer Schale. Darüber, darunter und daneben erfolgt die Spreizung des Tons in seine ungericheten Bestandteile. Die Spaltung geschliffener Blasinstrumente ruft beunruhigende Beben hervor. Bosonen des Bordun umschwirren uns, tropfen plötzlich ab und kollidieren dann und wann.</p>
<p><span id="more-11774"></span>Die Spaltung aller Oktaven in Granulate und deren rhythmischen Auffächerungen. Die Zerschmirgelung der tonalen Ausrichtung auf Ausgewogenheit. Das Aufrauen von Flächen. Unruhe und Ungleichheit als starke kompositorische Elemente. Aus Vokabeln werden wieder Vokale. Konsonanten gehen ächzend zu Boden. Zunächst. Im weiteren Verlauf des Albums jedoch baut sich immer mehr Struktur auf. Erst rhythmisch, dann tonal, schließlich beides immer noch brüchig in einander greifend.</p>
<p>Sam Prekop ist den meisten als Sänger und Komponist der Gruppe <a href="http://www.theseaandcake.com/" target="_blank">The Sea and Cake</a> bekannt. Ebenso seine vielfältigen Tätigkeiten, die neben popsong-verwandten Soloalben mit weltmusikalischen Gitarreneinschlag auch Fotografie und Malerei umfassen. Um so mehr wird sein erstes Soloalbum seit 2005 überraschen. „Old Punch Card“ ist ein durch und durch elektronisches Album geworden, dass auf Liedstrukturen verzichtet und sich teilweise wie jüngere Arbeiten von Mika Vainio und Uwe Schmidt, darunter liegenden Klangeigenschaften als Ausgangsmaterial für seine Stücke widmet.</p>
<p>Zwischen den Räumen, die Prekop Klängen mit hohen Rauschanteilen und anderen diffusen Obertonanteilen widmet, schiebt er  Passagen mit simplen tonalen synthetischen Figuren ein. Ruhepole und Kontraste. Mal als Arpeggios, mal als Pads, finden sich einfache Grundwellenklänge als tragfähiges Skelett. Diese Synthesen klingen dennoch nie banal, obwohl sie aus einem Intrumetendemo herausgeschitten sein könnten. Als Standard-Klänge zeigen sie deshalb auch, dass die Xte-Samplebibliothek und der absyndhafte Eskapismus in Klanggestaltung allzuoft in Sackgassen führt. Sam Prekop jedoch verliert nie den Blick auf das Wesentliche, was am Ende sogar wieder eine Gitarre zulässt, in homöopathischen Dosen. Mein Album des Monats.</p>
<p>„Old Punch Card“  ist im September bei <a href="http://www.thrilljockey.com/artists/?id=10040" target="_blank">Thrill Jockey</a> erschienen.</p>
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		<title>Balmorhea &#8211; Constellations</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 07:58:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie eine Zartbitter-Schokolade legt sich „Constellations“ um deine Hüfte. Die Kalorienanzahl lässt dich schlucken. Nicht schon wieder dieser JoJo-Effekt. Doch du hast noch drei Tafeln. Was weg muss, muss weg. Niemand kann dir helfen. Dein Diätberater gibt gerade dein Geld aus. Du öffnest das dunkle Papier und riechst an dem braunen Brocken als wäre es Heroin. Balmorhea aus Austin nutzen jede Möglichkeit zur Pause. Sie schleichen um dich rum, wie die Aasgeier. Ruhe gehört zu ihrem Geschäft, genau wie Klassik und die Avantgarde. 
Rob Lowe verkörpert den altmodischen Mann. Er ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie eine Zartbitter-Schokolade legt sich „Constellations“ um deine Hüfte. Die Kalorienanzahl lässt dich schlucken. Nicht schon wieder dieser JoJo-Effekt. Doch du hast noch drei Tafeln. Was weg muss, muss weg. Niemand kann dir helfen. Dein Diätberater gibt gerade dein Geld aus. Du öffnest das dunkle Papier und riechst an dem braunen Brocken als wäre es Heroin. <a href="http://www.myspace.com/balmorhea" target="_blank">Balmorhea</a> aus Austin nutzen jede Möglichkeit zur Pause. Sie schleichen um dich rum, wie die Aasgeier. Ruhe gehört zu ihrem Geschäft, genau wie Klassik und die Avantgarde. <span id="more-7635"></span></p>
<p>Rob Lowe verkörpert den altmodischen Mann. Er zupft das Banjo selbstvergessen und erzählt uns Geschichten ohne Worte. Jeder Ton ein Mameluckensäbelstich. Seine Mitstreiter begleiten ihn auf seiner Reise durch die Stille und Abstraktion. Keine Note ist zu viel, kein Rhythmus zu lang, eher selten gibt es eine Taktuntermalung. Düster und verträumt geht es zu. Doch keine süßen Tagträume. Es sind Verfolgungsjagden mit Bleifüßen. Das Klavier unterstützt dieses Zurückgenommene und  Reduzierte, doch auch brutal Ehrliche mit weichen Perlen und der Säusel-Chor verliebt sich in Debussy. Der Notenständer wird zum Phallussymbol. </p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/02/balmorhea3.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-7636" title="balmorhea.jpeg" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/02/balmorhea3.jpg" alt="balmorhea.jpeg" width="540" height="391" /></p>
<p></a>Worte braucht Rob Lowe nicht. Bilder ziehen an deinem Augapfel vorbei und machen den Bisstest. Die Akustikgitarre lehnt im Hallraum und zupft sich die Trauer aus den Saiten. Da spielen viele Komponenten eine tragende Rolle. Perfekt eingeübt. Alles sitzt am richtigen Fleck und macht so das dunkle Dinner zur Angsttherapie. Natürlich denkt man an Indie-Größen wie Mogwai, doch ohne deren Laut/Leise-Dramatik. Verzerrt sind hier nur die Gesichter. Der Schmerz und die Linderung haben den gleichen Ausdruck.</p>
<p>Das Klavier wird angeschlagen und klimpert verloren durch die Stimmgabel. Wie eine Nudel flutscht es immer wieder durch. Dann halt noch mal! „Constellations“ ist wie ein großer Bahnhof. Immer auf der Suche nach der nächsten Fluchtmöglichkeit und bietet sie sich einem dann, ist man aber zu langsam, zu träge um die Beine in die Hand zu nehmen und den nächstbesten Zug zu erklimmen. </p>
<p><a href="http://balmorheamusic.com/" target="_blank">Balmorhea </a>holen John Cage aus dem Käfig, zeigen ihm die große weite Welt, wissentlich, dass er auch wieder hinter Gitter muss. Der Kosmos wird zur Bretterbude und Lowe hat die verrosteten Nägel. Ganz intim wird dir gebeichtet, dass die Welt eine Höhle voll mit Schrott ist und du steigst mit der Grubenlampe hinab. Glück Auf! </p>
<p>Die zarten Pickings streifen den Alt-Folk und den Cowboyhut, doch Dichte und Tiefe verwehen diesen Eindruck beim erreichen der Rinde. Abhacken! Das lahme Schlagzeug mit Hall-Haube sprengt dir jede gute Laune.</p>
<p>Nun hast du nur noch eine Tafel Schokolade. Dein Mund ist schon ganz verschmiert und dein Bauch meldet sich zu Wort. Wenigstens einer, der Buchstaben findet. Aua! Slowcore für die Postrock-Generation, deren Abendlektüre der Bestellkatalog der <a href="http://www2.deutschegrammophon.com/" target="_blank">Deutschen Grammophon</a> ist. Beim Übergeben hörst du die Orgel! Wie ein Windzug haucht sie dir Lebensenergie zurück und dein nasses Haar trocknet umgehend. Die Violine und das Cello dröhnen mitunter, doch der Schönklang hat es den beiden angetan. Zum Schluss tauchen noch einmal Stimmen auf. Sie schweben wie ein Kirchengesang über die Sakristei. </p>
<p>Balmorhea zerstören jedes Kaffeekränzchen und überzeugen mit ihrer E-Musik auf lange Sicht. Du musst nur den Staubwedel zur Hand haben, um die gesamte Größe zu erfahren. Staubsauger wären zu modern.</p>
<p>Erscheint am 12.3. 2010 bei <a href="http://westernvinyl.com/" target="_blank">Western Vinyl</a></p>
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		<title>Richard Skelton &#8211; Landings</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 10:45:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ist ja wie in einer Waschküche hier! Ich sehe nichts, gar nichts. Ist da hinten die Eisdusche, die benutze ich immer, bevor ich mich ins Chlor bewege? Das sind doch Stimmen, oder? Lachende Mädchen! Ja, meine Gummi-Badekappe sieht schon lustig aus. Dachte schon ich wäre allein. Hätte ich ein wenig gruselig gefunden. Ich tauche ab ins kühle Nass. Die Drones schwingen sich mit ins Reich der Wasseraerobic und Bahnenzieher.
Die Zeit rauscht in die Tiefe, genauso mein Spindschlüssel. Ich fühle mich seit Tagen unorganisch. Nichts passt zueinander. Das Herz nicht zum ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist ja wie in einer Waschküche hier! Ich sehe nichts, gar nichts. Ist da hinten die Eisdusche, die benutze ich immer, bevor ich mich ins Chlor bewege? Das sind doch Stimmen, oder? Lachende Mädchen! Ja, meine Gummi-Badekappe sieht schon lustig aus. Dachte schon ich wäre allein. Hätte ich ein wenig gruselig gefunden. Ich tauche ab ins kühle Nass. Die Drones schwingen sich mit ins Reich der Wasseraerobic und Bahnenzieher.<span id="more-6933"></span></p>
<p>Die Zeit rauscht in die Tiefe, genauso mein Spindschlüssel. Ich fühle mich seit Tagen unorganisch. Nichts passt zueinander. Das Herz nicht zum Hirn. Der Kopf nicht zum Arsch. Die klatschnassen Streicher stehen am Pommes-Stand und salzen nach. Die erste Geige nimmt zu viel von der schmierigen Mayonnaise. Die berühmte Wasserballerina Salmonella betritt die Halle. Meine Taucherbrille beschlägt. Ich hätte vorher reinspucken sollen. </p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/01/richi.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-6938" title="richi" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/01/richi.jpg" alt="richi" width="500" height="333" /></a></p>
<p>In den Abendstunden dimmen sie hier immer das Licht. Man fühlt sich noch mehr wie Aquaman. <a href="http://richardskelton.wordpress.com/" target="_blank">Richard Skelton</a> ist ein Wald- und Wiesenmensch. Von öffentlichen Schwimmbädern hält er nicht viel. Einsame Bergseen sind sein Fetisch. Mit Waschbären wird im Duett geputzt, bis das Fell sauber ist. </p>
<p>Ich tauche nun tief unter dem Rentner-Club durch. Meine Luftblasen streicheln deren Füße. Skelton ist im Moos zuhause. Seine anschwehlenden Partituren locken die ersten Hexen an. Bei mir rutschen die die Spaßrutsche hinab. Hui!</p>
<p>Zwei Welten und trotzdem Gleichklang. Vier Jahre brauchte Skelton, um all die Sounds und Momente, die er in den Bergen und Tälern Nordenglands eingefangen hat, in die richtige Anordnung zu bringen. Jeder Fluss, jede Biegung, jeder Steinkopfadler bekommt seinen Auftritt.  Eine Gitarre mit Pferdehaar bespannt erklingt unter dem verwunschenen Klippenvorsprung. Und der Fluss plätschert verloren durch  das Dickicht.</p>
<p>Ich sitze im Wärmebecken und spiele mit meinen verschrumpelten Zehen.<a href="http://www.sustain-release.co.uk/" target="_blank"> „Landings“</a> schlägt an. „Landings“ fordert und bettelt um Frieden. Düstere Landschaften ziehen in Schneckentempo vorbei. Das rohe Ei zum Frühstück stärkt die Muskulatur. Heute will Skelton draußen schlafen. Mit der Welt mal nackig sein und gleichzeitig behütet und beschützt. Ich wechsle in den Whirlpoolbereich. Meine Ohren sind schon so voll mit Wasser, ich höre nun gar nichts mehr.  Die intimen Momente genießt Skelton in gewünschter Einsamkeit. Alter Indianer-Kopfschmuck hält die bösen Geister fern. Es sägt und kracht im Unterholz. Skelton ist der Ambient-Zauberer ohne rückendeckenden Zirkel. Er verrät alle Tricks. Ist doch lupenrein! „Fass mich an, ich bin echt!“, scheint er zu flüstern. Die Lichtung ist nicht weit entfernt, man sollte sich nur vor den Hyänen in Acht nehmen. Die &#8220;scharwenzeln&#8221; überall rum. Skeltons Haut ist schneeweiß&#8230;</p>
<p>Ich werde von einem Nivea-Plastikball am Kopf getroffen, muss wohl eingeschlafen sein. Noch eine Runde, dann geht&#8217;s zum Abduschen. Beim Einschäumen denke ich über Avantgarde und Neue Musik nach. Skelton verspeist derweil seinen ersten Skorpion. Sein Bett aus Streichern ist sanft, hat aber auch Nachteile. Es schwingt so unglaublich lange nach, so dass er kein Auge zumachen kann. Armer Richard! Ich bin längst zuhause und wringe meine Badehose aus. Skelton macht es eigentlich richtig, vielleicht sollte ich mal für länger weggehen. Das mit den Hyänen kriege ich auch in den Griff. Wovor habe ich dann Angst? </p>
<p>Erschienen bei <a href="http://typerecords.com/" target="_blank">Type</a></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Album anhören kann man <a href="http://typerecords.com/releases/landings" target="_blank">hier</a></p>
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