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	<title>Jahrgangsgeräusche &#187; Klassiker</title>
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	<description>Popkultur und unbedingte Zonen</description>
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		<title>Klassiker: Dolly Parton – Coat Of Many Colors</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 10:55:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dolly Parton war schon etabliert, doch der richtig große Wurf war noch nicht geglückt. Die Country-Szene hatte ihre Stars und da war es schwer, sich unter sie zu mischen oder vielleicht sogar auszuboten. Andere Frauen hatten vor ihr schon den Stetson gezogen mit Liebelei-Country, der züchtig daherkam, auf dieses Pferd wollte Dolly nur noch bedingt setzen. Dolly ging 1971 einen Weg, der sie an die Spitze katapultieren sollte und der mutig war. Tolles Songwriting, sieben der zehn Songs stammen zum ersten Mal aus ihrer Feder, kombinierte sie mit sehr guten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dolly Parton war schon etabliert, doch der richtig große Wurf war noch nicht geglückt. Die Country-Szene hatte ihre Stars und da war es schwer, sich unter sie zu mischen oder vielleicht sogar auszuboten. Andere Frauen hatten vor ihr schon den Stetson gezogen mit Liebelei-Country, der züchtig daherkam, auf dieses Pferd wollte Dolly nur noch bedingt setzen.<span id="more-23509"></span> Dolly ging 1971 einen Weg, der sie an die Spitze katapultieren sollte und der mutig war. Tolles Songwriting, sieben der zehn Songs stammen zum ersten Mal aus ihrer Feder, kombinierte sie mit sehr guten Texten, die nicht immer nur Reimmonster oder Schmonzetten waren, sondern Problemthemen anpackten, wie das Titelstück zum Beispiel, das wirklich zu Herzen geht. Diese tollen Texte brachte sie in Tearjerker, Balladen, Country Rocker und Country Pop unter. Das Genre bewegte sich.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/12/Dolly4-624x624.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-23511" title="Dolly Parton" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/12/Dolly4-624x624.jpg" alt="" width="499" height="499" /></a></p>
<p>Ihre Backing Band spielt fantastisch. Hervorzuheben ist da der Bass von Bobby Dyson. Er macht die typischen Countryhüpfer immer an den richtigen Stellen und stellt sich in den Schatten der Songs, um sich auch von dort aus mit krummen Figuren Gehör zu verschaffen. Er weiß, wann die Zeit zu rocken oder zu füllen ist. Traumhaft. </p>
<p>Über dieser Wahnsinnsproduktion, die so simpel daher kommt, dass es einem manchmal Angst macht, was aus Produktionen heute so geworden ist, gerade auch im Country, schwebt eine spielfreudige Dolly, die ihre Stimme wunderbar unter Kontrolle hat. Sie drückt sehr viel Gefühl und Wärme in die Worte. Man hängt ihr an den Lippen. Egal, wie hoch Dolly geht, man geht mit. Die Geschichten überschlagen sich. Eine Mutter nimmt ihrer Tochter den Mann weg. Eine Frau muss ihrem Mann beim Sex mit einer anderen zusehen und Mama macht aus ollen Fetzen einen Mantel, der die Tochter so glücklich macht, dass sie erkennt, was wahrer Reichtum wirklich bedeutet. Da darf sogar die Bibel mit ins Spiel kommen. </p>
<p>Die drei Songs, die Porter Wagoner geschrieben hat, fallen nicht ab, sie spiegeln sogar noch mehr Pop in den Country. Ein warmes Klavier bringt &#8220;The Way I See You&#8221; an die Spitze. Smoother wird Dolly wohl nie mehr klingen. Mein heimlicher Favorit. Am Ende zeigt Dolly mit &#8220;Here I Am&#8221;, dass sie angekommen ist. Fast im Rock &#8216;N&#8217; Roll, in den Charts, in der Szene und in den Herzen. Es gibt keine Grenzen mehr. Das wollte der Country doch und Dolly ist in dieser Phase meine Liebste.</p>
<p><iframe width="560" height="410" src="http://www.youtube.com/embed/c1zJzr-kWsI?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><iframe width="560" height="410" src="http://www.youtube.com/embed/JSDuj7ggoRU?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Klassiker: Muddy Waters – At Newport 1960</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 11:24:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Newport Jazzfestival stand vor dem Aus. Die Kommerzialisierung des Festivals und die damit verbundenen hohen Gagenforderungen einiger Künstler, darunter die Musiker um Charles Mingus, hatten zu einem Aufstand geführt. Charles Mingus und Max Roach organisierten ein Gegen-Festival im nahegelegenen Cliff Walk Manor Hotel. Sie wollten ihr Geld, dass aber der Festival-Betreiber George Wein nicht bezahlen wollte. Die &#8216;Newport-Rebels&#8217; waren geboren. Der Atem der Rebellion sollte sich im Samstag-Nacht-Konzert zum Sturm steigern, als Massen alkoholisierter Jugendlicher sich heftige Schlägereien mit den Ordnungskräften lieferten. Die letzten zwei Tage des NJF wurden ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Newport Jazzfestival stand vor dem Aus. Die Kommerzialisierung des Festivals und die damit verbundenen hohen Gagenforderungen einiger Künstler, darunter die Musiker um Charles Mingus, hatten zu einem Aufstand geführt.<span id="more-23060"></span> Charles Mingus und Max Roach organisierten ein Gegen-Festival im nahegelegenen Cliff Walk Manor Hotel. Sie wollten ihr Geld, dass aber der Festival-Betreiber George Wein nicht bezahlen wollte. Die &#8216;Newport-Rebels&#8217; waren geboren. Der Atem der Rebellion sollte sich im Samstag-Nacht-Konzert zum Sturm steigern, als Massen alkoholisierter Jugendlicher sich heftige Schlägereien mit den Ordnungskräften lieferten. Die letzten zwei Tage des NJF wurden daraufhin abgesagt. Nur noch eine Session kam zur Aufführung. </p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/11/MuddyWaters.jpg"><img src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/11/MuddyWaters.jpg" alt="" title="Muddy Waters" width="500" height="613" class="alignnone size-full wp-image-23061" /></a></p>
<p>Muddy Waters betritt am 3. Juli 1960 die Bühne, ein lascher Apllaus erwartet ihn und trotzdem feuert er kompromisslos seine Blues-Salven ab. Obwohl der Abend dem Blues gewidmet war, saßen doch überwiegend Jazz-Anhänger weißer Hautfarbe im Publikum; diese erlebten erstmals eine schwarze Band live. Der Chicago Blues Waters fliegt mit einer Kraft auf die Zuhörer, die vielleicht so etwas danach nie wieder erfahren haben. Muddy Waters spielt technisch sauber  seine rhythmisch starken Songs. Otis Spann bekommt am Ende sogar einen Song an die Kehle gelegt und James Cotton ist ein Meister an der Harmonika. Tolle Musiker.</p>
<p>Muddy Waters beschäftigt sich nicht mit dem Publikum. Er schenkt ihm kaum Zeit, sich an das Gehörte zu erfreuen oder zu gewöhnen. Die Songs poltern runter. Muddy ist wahrhaftig, voller Spiellaune. Am Anfang weiß das Publikum nicht so richtig, wie es reagieren soll. Muddy lässt sie dann zappeln und schließlich ausrasten. Was für eine Aufnahme. Vielleicht die beste Live-Blues-Aufnahme aller Zeiten. Phantastisch. Die Stimmung schwappt schleichend über. Muddy Waters präsentiert sich hitzig und abgebrüht zugleich. Er zieht das Tempo an und steigert die Höhepunkte ins fast Unermessliche. Und wehe es kommt hier einer auf die Idee zu sagen, dass das Mikro an Muddys Dobro zu leise ist.</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/455224?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" width="560" height="459" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></p>
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		<title>Klassiker: Lewis &#8211; L&#8217;Amour</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 10:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal sind die Geschichten, die sich um Platten ranken einfach so unbegreiflich schön, dass es einem eine fette Gänsehaut auf die Arme zaubert. Auch bei Lewis ist dies so. Das Internet sucht nach Jahren nach dem Künstler, der 1983 (vielleicht) eine private Pressung in Umlauf brachte, die Jahrzehnte später eine gewisse Hörerschaft zur Verzweiflung bringt. Auch mich hat es nun erwischt.
Lewis hat einfach mal ein Album gemacht und dies wohl an Freunde und Verwandte verteilt. Das glaube ich. Keine Ahnung! Trödelmärkte und Kellerräumungen haben dann Lewis&#8217; Album in die Welt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal sind die Geschichten, die sich um Platten ranken einfach so unbegreiflich schön, dass es einem eine fette Gänsehaut auf die Arme zaubert. Auch bei Lewis ist dies so. Das Internet sucht nach Jahren nach dem Künstler, der 1983 (vielleicht) eine private Pressung in Umlauf brachte, die Jahrzehnte später eine gewisse Hörerschaft zur Verzweiflung bringt. Auch mich hat es nun erwischt.<span id="more-21669"></span></p>
<p>Lewis hat einfach mal ein Album gemacht und dies wohl an Freunde und Verwandte verteilt. Das glaube ich. Keine Ahnung! Trödelmärkte und Kellerräumungen haben dann Lewis&#8217; Album in die Welt gespült. Klingt toll. Ich wünsche mir, dass es so war. Sein zarter Folk, der gedankenverloren durch die Twin Peaks-Wälder huscht und Leonard Cohen und dem frühen Bruce Springsteen Gute Nacht sagt, ist von unbeschreiblich verstörender Schönheit. Aufrufe auf verschiedenen Blogs, dass sich Lewis doch bitte, falls er noch lebt, melden möge, um mehr zu erfahren von diesem Kleinod und dessen Umstände, ergaben bis heute keine Gewissheit. Geistermusik für den romantischen Abend allein. </p>
<p>Die Gitarre wird sanft gezupft, Lewis haucht traurige Sätze, die mit kleinen nebligen Synthesizern einem durch Mark und Bein gehen. Das ist Kitsch in edelster Form. Die Langsamkeit der Stücke, die manchmal nur ein Klavier zulassen, lässt einen verstummen. Lewis, wo bist du? Gibt es noch mehr Zauberhaftes? So viel Liebe habe ich schon lange nicht mehr in Songs gespürt. Die Einfachheit des Aufbaues der Stücke ist unfassbar.</p>
<p>Das Wort Balladen klingt in diesem Zusammenhang falsch gewählt. Und warum taucht dieses Mörder-Instrumental auf einmal auf? Wie eine Lichtung erhellt es den Wald und lädt zum Verweilen ein. Kleine Melodien spiegeln sich in purpurnen Flüssen. Hast du Lewis schon mal beim Bäcker getroffen? Saß er vielleicht beim Arzt schon mal neben dir? Vielleicht ist er ja dein Arzt. </p>
<p>Menschen behaupten, dass er irgendwo in Kalifornien lebt. Angeblich hat er damals am Ende die Produktionskosten nicht zahlen können und er hat sich deshalb aus dem Staub gemacht. Mensch Lewis, melde dich, ich zahl die Schulden und bring dein Album raus! </p>
<p>Verschwörungstheoretiker schmeißen eine Alien-Geschichte in den Raum. Alles Spinner! Schön ist auch, dass der Albumtitel im Netz ständig falsch geschrieben wird. Keiner weiß irgendwas. Mir bleibt die Spucke weg. Diese verspielten, hingerotzten Pianofiguren machen mich wahnsinnig. Was für ein Werk!</p>
<p><object height="81" width="100%"><param name="movie" value="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F22868657&#038;"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed allowscriptaccess="always" height="81" src="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F22868657&#038;" type="application/x-shockwave-flash" width="100%"></embed></object><span><a href="http://soundcloud.com/obscuresound/lewis-love-showered-me">Lewis &#8211; Love Showered Me</a> by <a href="http://soundcloud.com/obscuresound">ObscureSound</a></span></p>
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<p><object height="81" width="100%"><param name="movie" value="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F22868576&#038;"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed allowscriptaccess="always" height="81" src="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F22868576&#038;" type="application/x-shockwave-flash" width="100%"></embed></object><span><a href="http://soundcloud.com/obscuresound/lewis-romance-for-two">Lewis &#8211; Romance for Two</a> by <a href="http://soundcloud.com/obscuresound">ObscureSound</a></span></p>
<p><iframe width="560" height="410" src="http://www.youtube.com/embed/JdRQTtM6ufA?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Klassiker: Quincy Jones – You’ve Got It Bad Girl</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 06:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn einem das Wort Melange leicht von den Lippen geht, dann scheint man wohl doch sehr überzeugt zu sein, dass das auch stimmt, denn sonst hat der Begriff ja was nicht Greifbares, etwas nicht Perfektes oder sogar Milchiges. Quincy Jones lieferte 1973 so ein Gemisch ab, das lange, schwelende Songs mit Stimme mit Tunes für Film und Fernsehen kombiniert und nebenbei wahnsinnig muckt.

&#8220;Summer in the City&#8221; bleibt auf den ersten Blick das, was es ist. Tausendmal gehört und doch wiedererkannt. Doch Valerie Simpsons Stimme mogelt sich irgendwie unter. Sie setzt ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn einem das Wort Melange leicht von den Lippen geht, dann scheint man wohl doch sehr überzeugt zu sein, dass das auch stimmt, denn sonst hat der Begriff ja was nicht Greifbares, etwas nicht Perfektes oder sogar Milchiges. Quincy Jones lieferte 1973 so ein Gemisch ab, das lange, schwelende Songs mit Stimme mit Tunes für Film und Fernsehen kombiniert und nebenbei wahnsinnig muckt.<span id="more-20500"></span></p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/08/quincy-jones-youve-got-it-bad-girl.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-20502" title="Quincy Jones" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/08/quincy-jones-youve-got-it-bad-girl.jpg" alt="" width="280" height="562" /></a></p>
<p>&#8220;Summer in the City&#8221; bleibt auf den ersten Blick das, was es ist. Tausendmal gehört und doch wiedererkannt. Doch Valerie Simpsons Stimme mogelt sich irgendwie unter. Sie setzt mehr als nur Sonnenstrahlen frei. Ihre Stimme fährt wie ein Eiswagen durch die Straßen und klingelt.</p>
<p>&#8220;Eyes Of Love&#8221; gibt der Mundharmonika, die du so fürchterlich hasst, eine zweite Chance. Tom Junior Morgan bläst gedankenverloren feuchte Augen in ein Kuschelstück. Rosenverkäufer pfeifen heimlich mit. Beim Tribute Song für Aretha Franklin taucht Valerie Simpson wieder auf. Mit einer gedoppelten Stimme rückt sie der Soul-Queen auf die Pelle. Der Tag neigt sich dem Ende und eine schöne Querflöte vögelt sich in den Sonnenuntergang. Quincy haucht ein paar coole Worte und macht auf Schlüpferstürmer. Der andere Quincy, nämlich Quincy Duke kommt als Duettpartner ins Spiel und gibt dem Soul noch ein wenig mehr Kraft und männliche Tiefe. Dann switcht der Song in den zweiten Teil und hievt sich auf das Sofa. Das Tigerfell kitzelt am blanken PoPo. Ernie Watts&#8217; Saxophon ist der Dosenöffner, schön schmalzig kommt Valerie zurück und drückt sich in die Kissen. Das erste Treffen, der erste Blick in verliebte Augen retten ein Leben. Die Instrumente tirilieren wie in einer Operette.</p>
<p>Quincy Jones trägt gerne dick auf. Alle Instrumente geben ihr Bestes, sie lehnen sich rein und andere kurz wieder an den Rand. Die Stille zwischen den Stücken ist manchmal sogar beängstigend. Die Liebesmelodie aus &#8220;The Getaway&#8221; stürzt sich vom Balkon und platscht in den vorgeheizten Pool. Seitdem nie wieder ein Mundharmonika-Thema gehört, das nicht nervt. Die Melodie schmiegt sich an Bilder, die entweder in deinem Kopf sind oder auf der Leinwand.</p>
<p>Der Titeltrack stammt von Stevie Wonder. Die Bläser säuseln noch. Quincy haucht im Background die Titelzeile. Keyboards machen den Geigenhimmel und wie von Geisterhand groovt das alles auf einmal. Hüften kreisen, Tagträume werden weggeheult. Auch &#8220;Superstition&#8221; stammt aus Wonders Feder. Ein kleines Funkmonster mit Perlen im Haar. Die Bläsersektion macht Alarm. Endlich wird mal aufdringlich gemuckt. Die Gitarre darf wabern und der Bass pumpen. Die Showtreppe brennt.</p>
<p>&#8220;Manteca&#8221; klingt wie eine Fingerübung. Es stolpert, groovt und kreischt. Wilde 8 Minuten. Jemand hat die Käfigtür offengelassen. Der Löwe schaut nur kurz raus und kämmt sich die Mähne. Zwei Fernsehhymnen beenden den Streich. Bill Cosby lächelt und pfeift in seinen bunten Pullovern einfach ein schwieriges Thema mit.</p>
<p>Zack, es ist rum. Jetzt kommen wir wieder zu der Begrifflichkeit Melange. Am Ende stehst du ratlos da. Was war das? Wo ist der Faden? Gibt es einen Masterplan? Nein, aber genau das ist es wohl! Du musst es nochmals hören und noch mal und noch mal. Du entdeckst neue Lieblingsstellen. Sind es die mächtig quietschen Bläsermomente, ist es das schwülstige Geweine von Valerie? Ist es die Erinnerung an Film und Fernsehen? Sind es die tausend Teile, die einen Song und dich schwindelig machen. Melange halt. Schlagsahne wird hier seperat serviert.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Klassiker: Kate &amp; Anna McGarrigle – Dancer With Bruised Knees</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 06:15:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich will hier gar nicht erst das Wainwright-Fass aufmachen. Kate McGarrigle muss für sich alleine stehen. Wenn sie jemanden an ihrer Seite braucht, den oder die man nennen sollte, ist das ihre Schwester Anna. Beide waren mal die Vorzeige-Folkfrauen in Kanada und den U.S.A.. Ihre Songs wurden bekannt durch Interpretationen anderer. Leider. Irgendwie alles blöd gelaufen, doch Kate hat sich nie beschwert. Ihre Songs hatten genug Strahlkraft, dass man irgendwann auf sie stoßen musste. Sie fallen dir irgendwann ins Ohr. 
Das zweite Album der Schwestern ist ein Klassiker, der wunderbare ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich will hier gar nicht erst das Wainwright-Fass aufmachen. Kate McGarrigle muss für sich alleine stehen. Wenn sie jemanden an ihrer Seite braucht, den oder die man nennen sollte, ist das ihre Schwester Anna. Beide waren mal die Vorzeige-Folkfrauen in Kanada und den U.S.A.. Ihre Songs wurden bekannt durch Interpretationen anderer. Leider. Irgendwie alles blöd gelaufen, doch Kate hat sich nie beschwert.<span id="more-19262"></span> Ihre Songs hatten genug Strahlkraft, dass man irgendwann auf sie stoßen musste. Sie fallen dir irgendwann ins Ohr. </p>
<p>Das zweite Album der Schwestern ist ein Klassiker, der wunderbare Songs vereint. Die beiden Schwestern singen traumhaft zweistimmig. Eine groovige Combo unterstützt die beiden tatkräftig, doch gerade die ruhigen Momente, die am Klavier passieren, die nur ein Percussion-Klopfen benötigen oder einen Teppich aus Rosen, bauschen sich ins Unvergessliche. Schön ist auch, wie sich die beiden Sprachen Englisch und Französisch mischen. Alles ist echt. Nichts kommt unnötig aus der Arrangement-Schmiede. Gefühle werden transportiert. Klare Songlinien geben den Stimmen halt, die mit einem Druck aus den Kehlen schießen, dass die Sonne nicht mehr zu scheinen braucht, wenn du sie hörst. </p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/mcgarrigle-sistersw.jpg"><img src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/mcgarrigle-sistersw.jpg" alt="" title="McGarrigle-Sisters" width="460" height="306" class="alignnone size-full wp-image-19263" /></a></p>
<p>Die Platte klingt trotz des Folkkontextes und der Flöten, die mal zwischendurch Tradition aufkommen lassen, in ihrer Pracht zeitlos. Ein kurzer irischer Abstecher kann da auch nicht mehr viel anrichten. Auch ein Markt-Shanty darf getrost flattern, wie ein kleines Vögelchen. Man verliert sich in der Atmosphäre. Wie im Fluge geht es zu. Eine Melodie setzt sich auf die Flügel und die schlagen geschwind im Takt. Eine mächtige Hammondorgel macht den Teppich. Wie eine Rutschbahn für zwei Stimmen. Nie zu glitschig, nie zu pompös. Männliche Begleitstimmen mischen sich unter die Frauen, nehmen ihnen aber nicht den Platz weg, machen nur das Miteinander noch bunter. John Cale ist nur John Cale.</p>
<p>Walking Song ist vielleicht der Song, der dir, wenn du jetzt noch nicht gefangen bist, die Schuhe auszieht. Du hängst an den Lippen. Du folgst den Worten, jedem doch so cleveren Akkord des Klaviers. Ein Akkordion streift die Seefahrt nur punktuell. Kate und Anna unterstützen sich, da gibt es keinen Zwist. Beide vertrauen sich blind. Die Musik folgt zwei schlagenden Herzen, die wissen, dass Musik eine Brücke sein kann. Die Kraft der Worte, der Geschichten wird in Walking Song überdeutlich. Du willst ihn immer wieder hören. </p>
<p>Du magst es, wenn die Stimme sich aus der Ruhe erhebt, aber auch wieder zurück geht. Auch wenn die Band sich manchmal schon klar an die Songs ran macht und versucht noch mehr Klasse zu schenken, bleibt alles auf einem Niveau, dass es nicht wegzudiskutieren gilt. Zauberei.Tolle Bläser schieben sich an einer Picking-Gitarre vorbei. Schenken dem Folk fast Soul. Ein Schunkler braucht halt eine Mundharmonika. Das sind Gesetze und die McGarrigle-Schwestern sind nicht angetreten, um welche zu brechen. Dancer with Bruised Knees bietet sehr viel an. Tolle Songs, stimmige Texte und ein wahnsinniges Gefühl, dass jedem Akkord ein Krönchen aufsetzt. Sogar Snareschläge dürfen gefeiert werden. Ein Meisterwerk in seinem Umfang. Das Album liegt so zwischendrin. Wie eingebettet. Im Blues, im Folk und einer Idee von traditionellem Pop. Wenn dir Dancer with Bruised Knees passiert, lass es zu. Das Lächeln bekommst du nicht mehr aus dem Gesicht. </p>
<p>Dancer With Bruised Knees ist 1977 auf Warner erschienen.</p>
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		<title>Klassiker: Sibylle Baier – Colour Green</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jun 2011 07:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal gibt es MusikerInnen, die wissen gar nicht, dass sie es sind. Sie wollen es gar nicht sein, denn ihre Musik ist für den Hausgebrauch entstanden. So zwischen Tür und Angel oder am Lagerfeuer. Irgendwo in einer stillen Minute. Vielleicht sogar am Kinderbett? 
Sibylle Baier war mir bis vor kurzem noch unbekannt. Ich hatte ihren Namen noch nie gehört. Ich muss zugeben, wenn ich mich mit den Filmen von Wim Wenders, die vor &#8220;Paris, Texas&#8221; entstanden sind, ein wenig aufmerksamer beschäftigt hätte, könnte mir ihr Name doch schon mal durchs ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal gibt es MusikerInnen, die wissen gar nicht, dass sie es sind. Sie wollen es gar nicht sein, denn ihre Musik ist für den Hausgebrauch entstanden. So zwischen Tür und Angel oder am Lagerfeuer. Irgendwo in einer stillen Minute.<span id="more-19310"></span> Vielleicht sogar am Kinderbett? </p>
<p>Sibylle Baier war mir bis vor kurzem noch unbekannt. Ich hatte ihren Namen noch nie gehört. Ich muss zugeben, wenn ich mich mit den Filmen von Wim Wenders, die vor &#8220;Paris, Texas&#8221; entstanden sind, ein wenig aufmerksamer beschäftigt hätte, könnte mir ihr Name doch schon mal durchs Gehirn geschossen sein. Ich hatte sogar bei &#8220;Palermo Shooting&#8221; die zweite Chance vor noch gar nicht allzu langer Zeit. Da hat mich Campino abgehalten. Hätte ich mal den Soundtrack gehört. Erst Freddy Ruppert, der Kopf von Former Ghosts brachte mir Sibylle Baier näher. Auf einem seiner Mixtapes tauchte ein Song von ihr auf. Dann ging es ans Googeln. Eine tolle Geschichte kam zum Vorschein und ein Album, dass erst über dreißig Jahre später veröffentlicht wurde. Jetzt liegt es in meinen Händen und ich behüte es wie einen Schatz, den aber trotz aller Vorsicht so viele Menschen wie möglich kennenlernen sollten. </p>
<p>Sibylle stammt aus Deutschland. Sibylle streifte durch die Welt. Sie schrieb Songs. Für sich. Eine Gitarre reichte. Ihre Stimme schwankte zwischen Nico und Anne Briggs. Alles wurde sofort aufgenommen. Keine Effekte, keine Overdubs. Reel to Reel. Am liebsten nachts, wenn die Liebsten schon schliefen. 1974 tauchte sie im Wenders-Film &#8220;Alice in den Städten&#8221; auf, sie sang sogar ein Lied. &#8220;Softly&#8221; ist kühles Leisetreten. Es steigert sich über einen schweren Akkordwechsel in ein Mantra. Ein Blues, der Sibylles Stimme auf einmal warm umspielt. Nach nicht mal drei Minuten ist er vorbei. Er schwingt noch Stunden nach. Gerade das Ende, in dem noch einmal eine Verschiebung passiert. </p>
<p><iframe width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/yDtcibgsius" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Colour Green rauscht. Es ist fast ein Fieldrecording-Album. Man ist irgendwie dabei, man spürt, trotz all der Langsamkeit Sibylles Drang, etwas Neues zu entdecken. Sie wirkt rastlos. Sie schnappt sich ihre Gitarre, greift schnell ein paar Akkorde. Die helfen ihr zu bleiben. Innezuhalten und zu Genießen. Es muss nicht immer der Erfolg sein. Es reicht manchmal ein Glas Rotwein und das ruhige Atmen der Liebsten. Nicht immer muss ein Chorus die Stimmung auflösen oder übertrumpfen. Die Songs tropfen nur. Die Kinder schlafen schon, während Sibylle in der Küche sitzt und an der Tape-Maschine auf Aufnahme drückt. </p>
<p>Alle Stücke entstanden zwischen 1970 und 1973. Dreißig Jahre später sitzt nun Sibylles Sohn Robby am Rechner und macht für Freunde und Familie einen Mix der alten Songs. Er brennt CDs und verteilt sie.</p>
<p>Auch J Mascis bekommt eine in die Finger. Warum gerade der? Er ist begeistert und reicht es weiter. Das Label Orange Twin ist interessiert. Es veröffentlicht Colour Green 2006. Sibylle hatte sich für die Familie, für Amerika entschieden. Für sie waren Rummel oder Ruhm immer egal. Auf einmal gehörte sie in die obskure Folkecke. Freakfolk whatever. Doch richtig bekannt geworden ist sie natürlich nicht. Ihre Musik fällt aus der Zeit. Sie ist in ihrer Strenge irgendwie typisch deutsch, dass aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Im letzten Song sitzen ihr Streicher im Nacken, da merkt man erst, dass ihr das alles nicht geheuer ist. Hat bestimmt Robby später hinzugefügt, um seiner Mutter Angst zu machen.</p>
<p>Sibylle wird ein verträumtes Mädchen bleiben. Ihr Stimme sucht immer nach dem Glück, dass ihr doch wiederfahren ist. Sie hat ihre Musik gemacht. Hat ihre Familie gehabt. Einen Job. Es muss nicht immer der Barhocker auf den großen Bühnen der Welt sein. Die Sehnsucht bleibt. Angeblich soll es irgendwann ein zweites Album geben. Colour Green ist nun aber auch schon wieder fünf Jahre her. Vielleicht bringen ja ihre Enkelkinder die neuen Sachen raus. Oder gibt es vielleicht noch mehr alte? Ihr Song &#8220;Forget About&#8221; wird für immer in meinem Herzen bleiben. Sibylle hat alles richtig gemacht. Respekt.</p>
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		<title>Klassiker: Screaming Trees – Invisible Lantern</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jun 2011 07:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal musst du einfach zu viele Donuts machen, um zu begreifen, dass das auch nicht das Richtige für dich ist. So geschehen bei Van Conner, seines Zeichen Bassist der Screaming Trees 1988. Die aufwühlenden Aufnahmen zum dritten Screaming Trees-Album waren endlich vorüber, alles war im Kasten, doch Van hatte keine Lust mehr mit seinem Bruder und den Anderen weiterzumachen. Grunge hatte noch keinen Namen und die Screaming Trees kannte man wohl nur in Ellensburg, Washington.
Zwei Alben gab es zwar schon, doch wohl nur Kritiker, Familie und Freunde hatten diese im ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal musst du einfach zu viele Donuts machen, um zu begreifen, dass das auch nicht das Richtige für dich ist. So geschehen bei Van Conner, seines Zeichen Bassist der Screaming Trees 1988. Die aufwühlenden Aufnahmen zum dritten Screaming Trees-Album waren endlich vorüber, alles war im Kasten, doch Van hatte keine Lust mehr mit seinem Bruder und den Anderen weiterzumachen. Grunge hatte noch keinen Namen und die Screaming Trees kannte man wohl nur in Ellensburg, Washington.<span id="more-18428"></span></p>
<p>Zwei Alben gab es zwar schon, doch wohl nur Kritiker, Familie und Freunde hatten diese im Schrank. Dann kam SST, das Kultlabel der Zeit und signte die Rocker. Alles hätte so wunderbar werden können, doch die Aufnahme wurde zur Tortur. Steve Fisk saß hinterm Mischpult. Eigentlich ein begnadeter Mann, doch die Umsetzung mit den &#8220;Trees&#8221; war nicht so einfach. Wie ein &#8220;fünfter Beatle&#8221; machte er sich am Geäst der &#8220;Trees&#8221; zu schaffen. Er wollte ihnen den letzen Schliff geben, das Außergewöhnliche. Eine Schweineorgel sollte den amtlichen Touch verleihen. Seine Mixe fanden nicht immer Anklang bei der Band. Die wiederum hatten einen großen Lagerkoller durch zu viele Touren. Der Konsum von sehr viel Pot war auch nicht gerade hilfreich. &#8220;Invisible Lantern&#8221; erschien dann doch. Van Conner machte sich aus dem Staub. Er suchte sein Glück in der Donut-Bäckerei und fand es natürlich nicht. Er wurde 1988 von Donna Dresch für eine Tour mit Firehose ersetzt. </p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/Screaming+Trees.jpg"><img src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/06/Screaming+Trees.jpg" alt="" title="Screaming Trees" width="500" height="364" class="aligncenter size-full wp-image-18429" /></a></p>
<p>Aus heutiger Sicht ist &#8220;Invisible Lantern&#8221; das wohl stimmigste und griffigste Album der &#8220;Trees&#8221;. Tolle Feedback-Wände von Gary Lee Conner treffen auf eine dicke Produktion, die sehr an einem Gesamtsound interessiert war. Die Drums sind sehr im Sound integriert. Und doch hört man jedes kleine Fill, jede Berührung auf der Snare. Der psychedelische Anteil wurde noch einmal verstärkt und der damals noch unbekannte Mark Lanegan gab mit seiner charismatischen Stimme den Screaming Trees ein Gesicht, das aus Jim Morrison und einem besoffenen Hinterwäldler zu bestehen schien. &#8220;Invisible Lantern&#8221; ging natürlich auch irgendwie unter. Wie sollte es auch anders sein? Obwohl kein Geld zu holen war, kam Van Conner zurück.</p>
<p>Bands wie Soundgarden oder Firehose waren schon angekommen. Hüsker Dü waren in aller Munde und Sub Pop wurde aus einem Fanzine eine Plattenfirma. Die Screaming Trees waren die wohl beliebteste Kritiker-Band der Zeit, doch Verkaufszahlen sprachen andere Bände. Schnell merkte man, dass auch der Weg in die College-Charts nur erreicht werden kann, wenn man ein wenig mehr den Weichspüler mit hineingießt. Mark Lanegan löste sich schon sehr schnell von den &#8220;Trees&#8221; und nahm 1990 überraschenderweise sein erstes Soloalbum auf, mit tatkräftiger Unterstützung Kurt Cobains. Mark Lanegan wollte aus dem Schatten ins Licht treten, zwar immer noch mit Mitteln des Psychedelischen, aber als Frontmann, den man ernst nehmen kann. Als Songwriter mit magischer Poesie.</p>
<p>Komischerweise schafften es die &#8220;Trees&#8221; damals dann doch noch auf einem Major zu landen, wohl nur eine Begleiterscheinung des Hypes um Grunge. So wurden unzählige Bands gesignt, die irgendwie mit Cobain und Pearl Jam in Verbindung standen. Ausverkauf!</p>
<p>Kleine Hits wie &#8220;Nearly Lost You&#8221; machten aber auch noch keinen Sommer. Zehn Jahre hielten es die Screaming Trees zusammen aus. Und aus heutiger Sicht sticht &#8220;Invisible Lantern&#8221; wie ein Streif am Horizont aus dem Wirrwarr der Grunge-Zeit heraus. Tolles Songwriting und atemberaubender Sound machen das dritte Album zu einem Meisterwerk. Die dreckige Gitarre von Gary Lee Conner schmiegt sich sanft in deine Ohren. Einige Nummern grooven sehr stark und haben trotz der beruhigenden Stimme Lanegans ein Höllentempo. Backingvocals treten ins Sonnenlicht und unterstützen Lanegans lautes Organ. Der Bass von Van hüpft sanft mit quirligen Figuren. Spielfreude wird hier noch spürbar. Die 60er und 70er werden schön gestreift. Punk wurde nicht angerührt. Aber die Screaming Trees brauchten auch keine Schublade. </p>
<p>Die Texte von Lanegan fliegen unbekümmert über Feedbacks. Der Soul ist in jeder Biegung mit dem Herzen zu spüren. Ein Yeah wird gedehnt, genau wie ein Gitarrensolo, das sich schon mal hinter Lanegan klemmt, der dann fast so röhrt, wie ein Orange-Amp. Irgendwie ist das alles wie bei den Meat Puppets, die auch nur durch das Nirvana-MTV-Unplugged ins größere Gespräch kamen und dann von den Indie-Gören mit einigen Lustkäufen über Wasser gehalten wurden. Ich glaube Nirvan-Fans haben die Meat Puppets niemals verstanden.</p>
<p>&#8220;Invisible Lantern&#8221; ist ein Highlight der damaligen Zeit und immer noch ein Highlight, wenn man zu später Stunde im dunklen Wohnzimmer sitzt. Eine Wucht kommt da aus den Boxen geschossen. Ein psychedelisches Soul-Album, das sich den Rock packt und einen Poeten ans Mikro stellt, der wütend und traurig auf einen einfeuert. Unvergesslich!</p>
<p><iframe width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/lQ_jzlcgFDg" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Klassiker: Shakin’ Stevens – Shaky</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 13:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da werden mal wieder einige mit dem Kopf schütteln. Jetzt dreht der Vazquez völlig durch. Eine Kategorie zu eröffnen, die sich ausschließlich mit Klassikern beschäftigt ist das Eine, doch dass Shakin&#8217; Stevens darin auftaucht, erscheint auf den ersten Blick ziemlich frech. 
Wer entscheidet, wer oder was den Klassiker-Stempel bekommt? Wie viele Jahre muss ein Album auf dem Buckel haben?
Für mich ist Shakin&#8217; Stevens eine wichtige Figur und die Platte &#8220;Shaky&#8221; hat mich sehr beeindruckt. Ich war acht Jahre alt, als Shakin&#8217; Stevens in mein Leben trat. Elvis war seit vier ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da werden mal wieder einige mit dem Kopf schütteln. Jetzt dreht der Vazquez völlig durch. Eine Kategorie zu eröffnen, die sich ausschließlich mit Klassikern beschäftigt ist das Eine, doch dass Shakin&#8217; Stevens darin auftaucht, erscheint auf den ersten Blick ziemlich frech. <span id="more-14100"></span></p>
<p>Wer entscheidet, wer oder was den Klassiker-Stempel bekommt? Wie viele Jahre muss ein Album auf dem Buckel haben?</p>
<p>Für mich ist Shakin&#8217; Stevens eine wichtige Figur und die Platte &#8220;Shaky&#8221; hat mich sehr beeindruckt. Ich war acht Jahre alt, als Shakin&#8217; Stevens in mein Leben trat. Elvis war seit vier Jahren tot. Für mich war der King unwichtig. Ich brauchte was Lebendiges. Shaky lebte, ihn konnte ich im Fernsehen sehen. Er trug die knappe Jeansjacke oder das pinke Sakko. Mit dem Tennisschläger vor dem Spiegel gab ich den Rock&#8217;n'Roller. Eine Tolle war das Ziel. Doch zu viele Friseur-Termine ließen es einen Traum bleiben.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/01/shakin-stevens.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-14102" title="Shakin' Stevens" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2011/01/shakin-stevens.jpg" alt="" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Die Single &#8220;You Drive Me Crazy&#8221; war für mich der Überhit. Es reichte nicht, nur die Vinyl-Single zu besitzen. Ich wollte das ganze Album. Meine Mutter war so lieb und schenkte es mir. Wie ein Heiligtum behandelte ich das Cover. Shaky war vorne drauf und schmiss sich in Pose. Die Posen waren es auch, die mich restlos überzeugten. Ich wollte mit weißen Slippern durch mein Kinderzimmer tanzen. Die Musik war fast zweitrangig. Gut, Rock &#8216;n&#8217;Roll fand ich schon cool, aber noch mehr faszinierten mich die Midtempo-Nummern und Balladen. Shaky war der Schnulzensänger, der mein Herz berührte. Er klang anders als die Schlagerheinis aus der Hitparade. Vielleicht ließ ich mich aber auch von Shakys Englisch blenden. Ich sog jedes Schnaufen, jedes Schwelgen, jedes Brummeln auf. Aus heutiger Sicht, hätte es auch Peter Kraus sein können. Nein, nein, nein, Stevens war halt cool und Peter Kraus alt und deutsch. Shaky war mein Held.</p>
<p>Erst später entschied sich Stevens, sich noch mehr den Liebesliedern zu widmen. Weihnachtslieder und Duette folgten. Auf &#8220;Shaky&#8221; war er noch der Rebell, der Tänzer, das Elvisimitat. Green Door war auch eine Hymne, die durch mein Zimmer schallte. Grüne Tür, mehr gab es da nicht zu verstehen. Das Boogie-Woogie Klavier in den schnellen Songs ließ mich hüpfen. Alles, was ein Mikrofon sein könnte, wurde eins. Ich wollte Musiker werden. Oder Tänzer. Oder Tennisspieler. Jedes Gitarrensolo auf dem Racket dauerte nur einen kurzen Augenblick. Man wollte nicht von Stevens ablenken. Er war der Tiger. Die Band muckte hinter ihm, wenn er in der ersten Reihe die Mädchen küsste oder ein Rad schlug.</p>
<p>Die Songs klingen, wenn man sie heute hört, alle sehr ähnlich. Kein Akkord fällt aus der Reihe. Ein Album, das aus jetziger Sicht fast als langweilig zu bezeichnen wäre, wären da nicht drei wirkliche Knüller. Green Door, You Drive Me Crazy und It&#8217;s Raining funktionieren einfach. Die Jukebox glüht. Ich bekomme ein wohliges Gefühl im Bauch. Ich singe automatisch mit und merke, dass ich das Kauderwelsch-Englisch meiner Kindheit benutze. Gelernt ist gelernt. Erinnerungen kommen hoch. Schöne und manchmal auch traurige. Vorbilder kann man sich nicht immer aussuchen. Oft fallen sie einem zu und man muss mit ihnen leben. Es gibt schlimmeres als Shaky.  Aber reicht das alles zum Klassiker? Manchmal ja.</p>
<p>Shaky erschien 1981 bei Epic</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/5fUS4Yh4vpE?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/5fUS4Yh4vpE?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Klassiker: The Mummies – Never Been Caught</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 15:40:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Mummies sind schon eine lustige Truppe. Ihr Credo lautet: Budget Rock. Budget Rock lehnt Professionalität konsequent ab. Die Instrumente müssen Ausrangierte sein, die bestenfalls noch ein wenig defekt sein könnten. Gut, nach einem Gig konnte man davon ausgehen. Herrliches Dogma. The Mummies halten sich an ihre Regeln und fahren gut damit.
Ihre Mischung aus Surf Rock, 50&#8242;s und 60&#8242;s Garage Rock und Rock &#8216;N&#8217; Roll fasziniert. Von Organist und Sänger Trent Ruane 1988 gegründet zählt die Combo bis heute zu den beklopptesten und mutigsten Vertretern ihres Genres. Ihr Outfit ist ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mummies sind schon eine lustige Truppe. Ihr Credo lautet: Budget Rock. Budget Rock lehnt Professionalität konsequent ab. Die Instrumente müssen Ausrangierte sein, die bestenfalls noch ein wenig defekt sein könnten. Gut, nach einem Gig konnte man davon ausgehen. Herrliches Dogma. The Mummies halten sich an ihre Regeln und fahren gut damit.<span id="more-12228"></span></p>
<p>Ihre Mischung aus Surf Rock, 50&#8242;s und 60&#8242;s Garage Rock und Rock &#8216;N&#8217; Roll fasziniert. Von Organist und Sänger Trent Ruane 1988 gegründet zählt die Combo bis heute zu den beklopptesten und mutigsten Vertretern ihres Genres. Ihr Outfit ist natürlich genauso bahnbrechend, wie ihr Hang zu Zerstörung bei ihren Live-Shows. Die Orgel wird ständig umgeworfen. Mikrofonständer werden sekündlich geklebt und der Schweiß läuft durch die Kostüme. Fuck Offs sind Liebesschwüre. Die Mumien-Outfits wirken toll und billig zugleich. Keinen der Bandmitglieder kann man erkennen. Warum auch? Man weiß doch, dass das die Mumien sind.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/10/The+Mummies.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-12229" title="The Mummies" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/10/The+Mummies.jpg" alt="" width="500" height="351" /></a></p>
<p>Die Songs sind zackig und ohne Attitüde aufgenommen. Alles rauscht und San Francisco brennt lichterloh. Nach einigen Singles erscheint die Zusammenstellung &#8216;The Mummies Play Their Own Records&#8217;. Doch die erste richtige LP ist das Meisterstück der Band. &#8216;Never Been Caught&#8217; reißt einen aus der Lethargie. Mit ungestümen Willen und Einsatz geben sich die Mumien ihrem Rock hin. Auch die instrumentalen Nummern gehen in die Hüfte. Herrlich angenockt wirken manche Lieder, die sich schon mal so weit aus dem Sarg lehnen, dass sie zu stürzen drohen. Doch Sänger Ruane hält den Fuß drauf und genießt den Schmerzensschrei. Die Stimme kommt schön verzerrt unter dem Leichentuch hervor. Die Gitarre spielt sich bluesrocktypisch an der Musik vorbei. Ein Solo sprengt schon mal das Korsett. Die Drums sind schnell und spritzig, und wissen in den Wirbeln zu überzeugen. Die HiHat läuft quasi durch und macht nur in den Pausen keinen Lärm. Die Rakete wird gezündet, die Mumien wissen, wie man eine Party feiert, auch ohne ausgewiesene Experten zu sein. Kein Song erreicht die Drei-Minuten-Grenze. Es muss schnell zu Ende gehen. Strophe, Refrain, Strophe, Solo, Refrain. Das klingt nach mehr, als es in Wirklichkeit ist.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/Xr0StuubuaM?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/Xr0StuubuaM?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>18 Songs fasst das Album, das nie versucht sich anzubiedern oder unkonventionell zu sein. Es gibt Songs. Basta. Das da nicht die Topwendungen in den Stücken warten, ist von Anfang an klar. Hier geht es um Party, um Klang, um Krach, um Blues und Rock der alten Schule. Schweiß ist die Währung und die Gitarre die <a href="http://www.phallosan.de" target="_blank">Penisverlängerung</a>. Ein knackiges Debütalbum, das in seinen besten Momenten glänzt und gute Laune macht. Die billige Liveatmo lässt dich im Wohnzimmer auf das Sofa hüpfen. Mit der Klorolle in der Hand jagst du deine Freundin. Das Dosenbier spuckt ihr euch gegenseitig ins Gesicht. Beste Garagenband aller Zeiten. &#8216;Skinny Minnie&#8217;  hatte wohl danach nie mehr diesen Wüstenstaub auf der Haut. Beste Kostümband, die nicht wie Kiss mit Kunstblut spielt, sondern falls es Blut gab, mit echten Verletzungen zu kämpfen hatte. Achtung, da fliegt die Orgel schon wieder! Kopf einziehen!</p>
<p>&#8216;Never Been Caught&#8217; erschien 1992 auf Vinyl bei Telstar und 2001 auf CD</p>
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		<title>Klassiker: Wendy &amp; Bonnie – Genesis</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 06:37:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zloty Vazquez</dc:creator>
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1968 nahmen die Flower-Schwestern zu hause rauschende Demos auf. Mädchenmusik mit folkigen Ansätzen und tollen Stimmen. Wie viele Teenies zu der Zeit träumten sie sich eine Starkarriere zusammen, die aber nichts mit Casting-Teenhanseln zu tun hatte, die später durch die Charts tingelten und wie Eintagsfliegen an den Studioglasscheiben zerschellten. Nein, die Mädchen wollten Musik machen. Die Flower &#8211; Girls hatten Potenzial. Ihre erste Band Crystal Fountain spielte typischen Psychedelic-Sound. Also unwichtig und für Garagenprober noch nicht ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wendy und Bonnie hatten Pech. Ihr geniales Album &#8220;Genesis&#8221; ging unter. Was war geschehen? <span id="more-11903"></span></p>
<p>1968 nahmen die Flower-Schwestern zu hause rauschende Demos auf. Mädchenmusik mit folkigen Ansätzen und tollen Stimmen. Wie viele Teenies zu der Zeit träumten sie sich eine Starkarriere zusammen, die aber nichts mit Casting-Teenhanseln zu tun hatte, die später durch die Charts tingelten und wie Eintagsfliegen an den Studioglasscheiben zerschellten. Nein, die Mädchen wollten Musik machen. Die Flower &#8211; Girls hatten Potenzial. Ihre erste Band Crystal Fountain spielte typischen Psychedelic-Sound. Also unwichtig und für Garagenprober noch nicht mal knallig genug. Nur zu hause im stillen Kämmerlein wuchsen ihre Eigenkompositionen zu großartigen, schwelgerischen Knallern. Und das mit 13 und 17. Fantastisch! Natürlich alles schön akustisch und neben der Spur aufgenommen. Cal Tjader hörte die Demos und bat die Mädchen zu einer Aufnahmesession in die Skyestudios.</p>
<p>Das Skyelabel, mit den Teilhabern Gary McFarland, Tjader und Gabor Szabo war angetan von den beiden Teenagern. Um sie herum baute McFarland als Arrangeur eine komplette Studioband. Jim Keltner an den Drums, Cal Tjader an den Percussions und Larry Carlton an der Gitarre. Die Jungs gaben den Songs der Schwestern ein Softrockgewand, das immer mal wieder die Copacabana streift und durch das wilde Dickicht eines Zauberwaldes luschert, um der Morgensonne ein kindliches Grinsen entgegen zu halten. Die Stimmen von Wendy und Bonnie harmonieren prächtig und schwelgen in jugendlicher Leichtigkeit. Diese Unbekümmertheit gepaart mit tollen Arrangements macht &#8220;Genesis&#8221; zum Klassiker.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/10/Wendy-Bonnie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-11904" title="Wendy &amp; Bonnie" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/10/Wendy-Bonnie.jpg" alt="" width="560" height="339" /></a></p>
<p>Die psychedelischen Zwischenparts, die schon mal über das Ziel hinausschießen, sind fuchsig dargeboten. Wendy und Bonnie verlieren sich in ihren Stimmen. Sie scheinen fast zu fliegen. Mit Blumen im Haar berühren sie kurz ein Bassriff, geben der Melodik die gewisse Dramatik, die den großen Kitsch verhindert. Manchmal klingt das nach den Carpenters, mal nach den Beach Boys ohne Surfbrett oder nach den Beatles ohne Pilzkopf. Alles ist so luftig, dass schon mal ihre Kleidchen hochschlagen und man mehr Bein sieht, doch sexy soll das nicht wirken. Eher unbedarft und zufällig.</p>
<p>Der Sixties-Einschlag bekommt in den groovigen Drumpassagen genug Futter, um auch schon mal auf der Tanzfläche zu fluppen. Schön lieblich, wie ein Cocktail nach dem Zähneputzen. Man verzieht kurz das Gesicht, ist aber sofort drauf. Die Songs werden komplex umgesetzt und bekommen wunderbare Orgeln an die Hand, die wie Weichspüler alles duftend machen.</p>
<p>Und warum ist &#8220;Genesis&#8221; dann nur untergegangen? Skye machte pleite, kurz nach den Aufnahmen. Es gab nur einige Promotionexemplare, die nach der Pleite natürlich in den Keller gefrachtet wurden. Keine Käufer. Keine Hörer. Das kurz vor einer zweiten Aufnahme Produzent McFarland ermordet wurde, hilft natürlich gehörig bei der Legendenbildung. Die Schwestern nahmen nie wieder gemeinsam Musik auf. Klingt alles ein bisschen nach Not Available. Erst Jahre später entdeckten einige Nerds den Wert dieser tollen Aufnahme. Da müssen wohl Keller ausgeräumt worden sein. Viva La Trödelmarkt! Wiederveröffentlichungen machten die Flower-Schwestern dann bekannt. Bekannt ist vielleicht übertrieben, aber dennoch. <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2010-10-01/laetitia-sadier-the-trip/" target="_self">Laetitia Sadier</a> covert auf ihrem Solodebüt den Heuler <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mwHw6jo1E3M" target="_blank">&#8220;By The Sea&#8221;</a>. Eine Perle. Die Sonne schiebt sich  hinter deinen Augapfel. Du glühst…</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/JOUK8nFDYRA?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/JOUK8nFDYRA?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>Erschien als Reissue 2001 bei Sundazed Records</p>
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