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	<title>Jahrgangsgeräusche &#187; Klassiker</title>
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	<description>Popkultur und unbedingte Zonen</description>
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		<title>Klassiker: Ambitious Lovers &#8211; Envy</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:43:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Arto Lindsay suchte nach neuen Ufern. Nach den Free Jazz- oder auch No Wave-Jahren war es nicht so einfach den alten Mantel in den Schrank zu hängen und ohne Bezüge frische Bettlaken aufzuziehen. Arto Lindsay wollte eine Melange erschaffen, die alle Aspekte seines Daseins beinhaltete. Seine brasilianische Jugend und der damit verbundene Einfluss auf den alten Bossa Nova mixte er mit Krachschüben der frühen Punktage. Doch auch sein Popverständnis, das immer schon ausgeprägt war, wollte Arto in Kombination setzen zu Soul, P-Funk und Artrock. Keyboarder Peter Scherer unterstützte den New ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.myspace.com/artolindsay" target="_blank">Arto Lindsay</a> suchte nach neuen Ufern. Nach den Free Jazz- oder auch No Wave-Jahren war es nicht so einfach den alten Mantel in den Schrank zu hängen und ohne Bezüge frische Bettlaken aufzuziehen. Arto Lindsay wollte eine Melange erschaffen, die alle Aspekte seines Daseins beinhaltete.<span id="more-10014"></span> Seine brasilianische Jugend und der damit verbundene Einfluss auf den alten Bossa Nova mixte er mit Krachschüben der frühen Punktage. Doch auch sein Popverständnis, das immer schon ausgeprägt war, wollte Arto in Kombination setzen zu Soul, P-Funk und Artrock. Keyboarder Peter Scherer unterstützte den New Yorker tatkräftig. &#8220;Envy&#8221; war das erste Album des Projektes Ambitious Lovers. Als Teil der Todsünden angelegt schimmert &#8220;Envy&#8221; immer dann am hellsten, wenn Arto es übertreibt und seine Stimme als Ausdrucksmöglichkeit einsetzt, so dass der Klang aus der Kehle und die Technik dem Singen nur noch artverwandt sind. Mike Patton kopiert bis heute die Effekte des Pioniers.</p>
<p>Die Songs sind funky angezickt mit Keyboardperlen und mechanisch klingenden Snares, die wohl heute als schlecht programmiert abgetan werden würden. Die portugiesisch gesungenen Stücke schwelgen in einer Art unwirklicher Weltmusik. Das unbarmherzige Gitarrenspiel mit ungewöhnlichen Akkorden, die so wohl in keinem Lehrbuch stehen, komplettieren Artos Vorhaben, eine neue Standortbestimmung in Sachen Pop zu erfinden. &#8220;Let&#8217;s Be Adult&#8221;  schiebt sich sogar auf die Tanzfläche, mit Sprechgesang und wilder Chorführung. Doch der Refrain lässt das Tanzbein zucken. Groove Armada benutzten Teile des Songs in ihrem Track <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wiIsiq0ZMHY" target="_blank">&#8220;Song 4 Mutya (Out Of Control)</a>.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/0.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10015" title="Ambitious Lovers" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/0.jpg" alt="Ambitious Lovers" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Kurze Anrisse, die nach einer Minute schon wieder vom Erdboden verschwunden sind teilen sich den Playlistplatz mit Schunklern wie &#8220;Cross Your Legs&#8221;. Arto schreit, stöhnt und zuckt wie ein wild gewordener Derwisch durch die Rythmusschleuse. Knackige Krachfetzen lassen den armen Bass oft alt aussehen. Es klingelt und brutzelt an vielen Stellen. Natürlich haben die cheesy Keyboards alle Hände voll zu tun, aus schiefen Parts den Zuckergehalt zu filtern und so einen Unterbau für Weirdness zu schaffen. &#8220;Dora&#8221; spielt die Liebesleier mit Tränen im Knopfloch und Straßenfestromantik. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=u0nf-WKT1io" target="_blank">&#8220;Locus Coruleus&#8221;</a> greift Ministry vorweg und knüppelt sich an Herbie Hancock vorbei.</p>
<p>Die Avantgarde hatte so natürlich wieder viel zu berichten. Arto ließ noch zwei weitere Todsünden folgen, um dann alleine weiterzuziehen. Er öffnete sich noch mehr dem Bossa Nova und textete fast ausschließlich auf portugiesisch. Er zog sich immer mehr aus dem Rampenlicht zurück und produzierte lieber andere Künstler. Das Projekt Ambitious Lovers bleibt eines der einflussreichsten Experimentalkollektive der 80iger. Der Song &#8220;Pagode Americano&#8221; bleibt bis heute bahnbrechend. Der nur aus Beat und Stimme bestehende Song, schafft es Stimmen zu bündeln und über ein Beatgeflecht zu setzen, ohne das andere Instrumente eingreifen. Früher Hip Hop also. &#8220;Envy&#8221; ist das Aushängeschild der New York-Szene, die sich nicht nur in dunklen Kellerlöchern mit Krachmachen beschäftigen wollte. Die nachfolgenden Soloarbeiten Lindsays sind natürlich ebenso zu empfehlen. Wieder eine Weiterführung seiner Philosophie. Da wäre vielleicht das Album <a href="http://www.discogs.com/Arto-Lindsay-O-Corpo-Sutil-The-Subtle-Body/release/55489" target="_blank">&#8220;O Corpo Sutil&#8221;</a> zu empfehlen. Doch entscheide selbst!</p>
<p>Envy erschien 1984 auf EG/Caroline</p>
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		<title>Klassiker: Ultravox! &#8211; Ha!Ha!Ha!</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 08:24:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Brian Eno]]></category>
		<category><![CDATA[Conny Plank]]></category>
		<category><![CDATA[Ha!Ha!Ha!]]></category>
		<category><![CDATA[Island Records]]></category>
		<category><![CDATA[John Foxx]]></category>
		<category><![CDATA[London]]></category>
		<category><![CDATA[New Wave]]></category>
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		<category><![CDATA[Synthesizer]]></category>
		<category><![CDATA[Ultravox]]></category>

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		<description><![CDATA[Mitte der 1970er Jahre tat sich ein Spalt auf, so groß, dass er den Atlantik in seiner ganzen Länge tranchierte in Alt und Neu, in Glam-Rock und etwas völlig unbekanntes namens Punk, dass in seiner Ausprägung noch gar nicht richtig vorhanden war. Dort hinein fiel die Londoner Band Tiger Lily um Sänger Dennis Leigh, dem wenig später der Name John Foxx wesentlich besser gefiel. Eine Zeit der Plattenfirmen- Instrumenten- und Identitätssuche wurde im Eiltempo durchlaufen. Auch der Weg vom E-Piano zu einem ARP-Odyssey war nicht weit. Kurz danach folgte die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitte der 1970er Jahre tat sich ein Spalt auf, so groß, dass er den Atlantik in seiner ganzen Länge tranchierte in Alt und Neu, in Glam-Rock und etwas völlig unbekanntes namens Punk, dass in seiner Ausprägung noch gar nicht richtig vorhanden war. Dort hinein fiel die Londoner Band Tiger Lily um Sänger Dennis Leigh, dem wenig später der Name <a href="http://www.metamatic.com/" target="_blank">John Foxx</a> wesentlich besser gefiel. Eine Zeit der Plattenfirmen- Instrumenten- und Identitätssuche wurde im Eiltempo durchlaufen. <span id="more-10584"></span>Auch der Weg vom E-Piano zu einem <a href="http://www.arpodyssey.com/" target="_blank">ARP-Odyssey</a> war nicht weit. Kurz danach folgte die Umbenennung in Ultravox!, wobei das Ausrufezeichen als Reminiszenz an <a href="http://www.neu2010.com/" target="_blank">Neu!</a> zu verstehen war.</p>
<p>1977 erschien ihr Debutalbum bei Island, der Plattenfirma, die zuvor Roxy Music herausgebracht hatte. Produziert von deren Ex-Mitglied Brian Eno und Steve Lillywhite schuf die Gruppe eine Melange aus einer neuen kühlen Architektur, die aus Synthesizern und ersten Rhythmusmaschinen gebaut war, etwas noch sehr rockig Ungestümem und einem unverhohlen überbordenden Faible für das große Sentimentale.</p>
<p>Noch im selben Jahr erschien das Nachfolge-Album „Ha!Ha!Ha!“. Die weterhin überbordende Energie der Gruppe schlug sich nicht nur in der hohen Frequenz ihrer Produktionen jener Tage nieder, sondern auch in der Tatsache, dass sich schon nach wenigen Monaten eine deutliche Stilverlagerung abzeichnete. Der Gitarreneinsatz wurde härter und wandelte sich ins stakkatohafte Überzeichnen von Akzenten, was mehr Dramatik und Pathos einführte. Das passte ganz hervorragend zu den sich langsam heraus kristallisierenden Themen wie Dekadenz, die Hybris des Künstlichen und das Leiden des Menschen daran.</p>
<p>Das sich in den Folgejahren aus diesem Ansatz New Wave und daraus wiederum New Romantic und der durch Synthesizer geprägte Pop der 80er Jahre entwickeln sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, hatte aber in der weiteren Bandendwicklung von Ultravox! seine Zwangsläufigkeit. Denn mit der auf „Ha!Ha!Ha!“ noch vorhanden Gitarrenprägung in einer Tradition, in der immer noch die alt gewordenen Überväter <a href="http://www.roxymusic.co.uk/" target="_blank">Roxy Music</a> herauszulesen waren, sollte es schon bald vorbei sein.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/07/Ultravox.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10587" title="Ultravox 1977" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/07/Ultravox.jpg" alt="Ultravox 1977" width="540" height="293" /></a></p>
<p>Man hört dem zweiten Album von Ultravox an, dass die Band sich nie entscheiden konnte, welches Gesicht ihr Gitarrensound jemals bekommen sollte, welche Instrumentierung überhaupt welche stilistische Ausrichtung weiter vertiefen sollte. Synthetische Streicher? Doch Verzerrung? Pop oder sogar Kitsch? Ein Höhepunkt dieser Irrnis, dieser Odyssee englischer Dandys ist das sentimentale &#8220;Hiroshima Mon Amour&#8221;, ein Song, dem selbst ein Saxophonsolo zur Zier gereicht, was eigentlich unmöglich ist.</p>
<p>Was macht man nur mit einem angestaubten Rockhabitus, wenn man nicht die Punkattitüde der anderen Londoner Protagonisten aufnehmen will? So war es eigentlich keine Überraschung, dass auf „Systems of Romance“ dem von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Conny_Plank" target="_blank">Conny Plank</a> produzierten ebenfalls wunderbaren dritten Album von Ultravox, die Gitarre weiter in den Hintergrund trat. Danach brach schon das erfolgreiche langweilige letzte Kapitel der Band an. John Foxx ging und der große Schmalz kam mit „Vienna“.</p>
<p>Was bleibt ist mit „Ha!Ha!Ha!“ ein großes Album des Übergangs und des nicht genau Wissens, das aber dennoch mit großer Geste und Detailverliebtheit produziert, wie kaum ein anderes Album der späten 70er den Aufbruch in das Zeitalter des New Wave markiert.</p>
<p>&#8220;Ha!Ha!Ha!&#8221; erschien 1977 bei Island Records.</p>
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		<title>Klassiker: The Psychedelic Furs &#8211; Forever Now</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 09:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Richard Butler war ständig heiser. Auch sein Umzug in die Staaten machte seine Stimme nicht wieder fit. Die Psychedelic Furs waren im Umbruch. Ausstiege pflasterten ihren Weg. Keiner wollte mehr so richtig. Ihr Pop blieb. 
Richard erinnert auch heute noch an einen besoffenen Bowie, der die Welt als verlorenen Planeten sieht. Die Songs sind eine schwülstige Mischung aus psychedelischem Rock und der Restpfütze Punk. Doch die Butler-Brüder wollten immer schon mehr. Sie konnten und wollten sich nicht auf eine Nische verlassen, so schrieben sie in großen Buchstaben Pop über die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Richard Butler war ständig heiser. Auch sein Umzug in die Staaten machte seine Stimme nicht wieder fit. Die<a href="http://www.psychedelicfurs.co.uk/" target="_blank"> Psychedelic Furs</a> waren im Umbruch. Ausstiege pflasterten ihren Weg. Keiner wollte mehr so richtig. Ihr Pop blieb. <span id="more-9967"></span></p>
<p>Richard erinnert auch heute noch an einen besoffenen Bowie, der die Welt als verlorenen Planeten sieht. Die Songs sind eine schwülstige Mischung aus psychedelischem Rock und der Restpfütze Punk. Doch die Butler-Brüder wollten immer schon mehr. Sie konnten und wollten sich nicht auf eine Nische verlassen, so schrieben sie in großen Buchstaben Pop über die Kunst. Alles wurde auf Richard zugeschnitten, sogar das Saxophon blieb immer hinter dem keuchenden Butler zurück. Nur die neu entdeckten Synthies nahmen es mit ihm auf und versuchten Schlangenlinien zu fahren. Immer im Kies mit Spot auf Butler.</p>
<p>Dennoch die Jungs wollten nicht nur allein den Scheinwerfern entgegen stolpern, für sie war auch vieles einfach dunkel und böse und das unterstrich Butler ständig mit seiner Antihaltung. Da konnte ein Song noch so sehr nach vorne stürmen, Butler hielt ihn am Hosenbund fest und ließ ihn zappeln. So wackelt auch &#8220;Forever Now&#8221; ständig. Egal, was die Band machte, Butler stülpte seinen Losermantel über angerockte Themen. Die Gitarre huschte über Nebelfelder und Butler schwor der Liebe ab. Obwohl er keifend um amouröse Abenteuer bettelte. Zu nah kommen durfte man ihm nicht.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/The+Psychedelic+Furs.jpg"><img class="size-full wp-image-9968 aligncenter" title="The Psychedelic Furs" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/06/The+Psychedelic+Furs.jpg" alt="The Psychedelic Furs" width="438" height="315" /></a></p>
<p>Produzent Todd Rundgren hielt die Strippen in der Hand und versuchte Butlers Stimme noch mehr Diabolik zu schenken. Wäre gar nicht nötig gewesen, da Butler längst den Dramapfad eingeschlagen war und selbst nicht mehr über seinen Schatten springen konnte. Natürlich gab es immer noch catchy Melodien und unverwüstliche Texte, doch die Punkästhetik früherer Tage wich nun Edel-New Wave. Man tanzte nun zu Duran Duran, doch Butler wollte nicht den Affen gleichen und kloppte unromantische Possen nach den anderen. Die Keyboards gingen erste Babysteps. Alles wurde ausprobiert. Die Gitarren mischten sich nach hinten, ohne ihre Brillanz zu verlieren. Die Songs suchten den Hitfaktor und stießen neue Türen auf.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=-P09gm_I5RI" target="_blank">&#8220;Love My Way&#8221;</a> ging in die Tanzflächenrichtung und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tTuq7CDTNIM" target="_blank">&#8220;President Gas&#8221;</a> bleibt bis heute ein Knüller mit politischer Schlagkraft. Butler baute all seine Ängste vor Beziehungen und deren Verlust in seine Texte. Die Jugend folgte ihm. Später ja auch nochmal John Hughes mit &#8220;Pretty In Pink&#8221; in sauber.</p>
<p>Butler, der Bob Dylan als Textgott verehrt, schlingerte sich in ungeahnte Höhen, wohl auch mit dem Bewusstsein, dass der Rummel irgendwann mal vorbei sein wird. &#8220;Forever Now&#8221; bietet wahnsinnig viel. Unglaubliche Hits und tolle düstere Passagen, die für mich das beste Psychedelic-Furs-Album ausmachen. Schön glossy schwingen die Songs durch die Hintertür und halten noch vieles offen. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken. Manchmal ein plärrendes Saxophonsolo, manchmal schlotzt Butler in Emo-Manier Konformitätsängste runter. Sein Sexgequatsche ist immer wieder lustig. Der Sabberer mimt den Soziopathen und die Band hält einfach drauf und imitiert teilweise ihre Instrumente. Man weiß manchmal gar nicht mehr, warum die Gitarre das Saxophon nachstellt und umgekehrt.</p>
<p>&#8220;Forever Now&#8221; bietet übellaunige Hits am Fließband. Repeat!</p>
<p>Erschienen 1982 bei CBS</p>
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		<title>Klassiker: Tony Christie &#8211; Made In Sheffield</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 08:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
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		<description><![CDATA[Ab wann darf man von einem Klassiker sprechen? Muss das Album schon verstaubt, fast vergessen sein? Oder kann es auch nur ein Jahr auf dem Buckel, aber mit Verzögerung dein Herz erreicht haben und nun ist es für immer in deinen Gelenken und Fasern? Ich war immer schon ein Fan von Tony Christie. Dieses Outing an dieser Stelle fällt mir nicht schwer. Der Mann aus Sheffield hat diese Gabe, einfaches Liedgut zu veredeln. Seine Schmalzstimme gibt dir ständig eine Wahrhaftigkeit, die Schlager nur selten zu bieten hat. Er sprengt die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ab wann darf man von einem Klassiker sprechen? Muss das Album schon verstaubt, fast vergessen sein? Oder kann es auch nur ein Jahr auf dem Buckel, aber mit Verzögerung dein Herz erreicht haben und nun ist es für immer in deinen Gelenken und Fasern? Ich war immer schon ein Fan von <a href="http://www.myspace.com/tonychristie" target="_blank">Tony Christie</a>. Dieses Outing an dieser Stelle fällt mir nicht schwer. Der Mann aus Sheffield hat diese Gabe, einfaches Liedgut zu veredeln. Seine Schmalzstimme gibt dir ständig eine Wahrhaftigkeit, die Schlager nur selten zu bieten hat.<span id="more-9466"></span> Er sprengt die Grenzen zwischen Kitsch und Hochkultur.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/05/3071037988_132dc7a963.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9468" title="Tony Christie" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/05/3071037988_132dc7a963.jpg" alt="Tony Christie" width="500" height="335" /></a></p>
<p>Er lebt die Songs. Sein Blut ist dicker als deins. Natürlich hat Christie auch Fehler gemacht, zu viele Songs von Terror-Produzent Jack White schreiben und produzieren lassen und die Songs einfach nur runtergerasselt, doch wenn man genauer hinhört, gerade in die alten Aufnahmen, da lodert überall ein verlorener Held, ein verlassener Lover, der mit der Klampfe unter Balkonen steht und fleht.</p>
<p>Die letzten Jahre ist es ruhig geworden um Christie. Nur eingefleischte Fans wie Jarvis Cocker von Pulp glaubten noch an den Altmeister. Gut, einige Dusselauftritte in Fernsehshows mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QSadVkKMk4A" target="_blank">&#8220;Amarillo&#8221;</a>, doch der große neue eigene Wurf war auszuschließen. Doch anscheinend bin ich nicht der einzige Spinner auf dieser Welt, der in Christie eine große Stimme sieht, die nicht nur den schlechten Geschmack einiger Produzenten als Geldgeber verdient. Auch Christie selbst wollte das Image des gefärbten Föhnfrisurfuzzies ablegen. Er hörte einen Song von <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009-10-22/richard-hawley-trueloves-gutter/" target="_blank">Richard Hawley</a>, auch aus Sheffield wie Christie, im Radio. Da war sein Wunsch geweckt, es noch mal zu probieren. Hawley nahm sich Tony vor und stellte ihm Songs zur Seite, die alle mit der Stadt Sheffield zu tun haben und von Menschen geschrieben worden sind, die Christie wohl noch nie in seinem Leben gehört hat. So liefern die Arctic Monkeys ihr <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Huy47NF2H_E&amp;feature=PlayList&amp;p=589417F84A74D6C8&amp;playnext_from=PL&amp;playnext=1&amp;index=24" target="_blank">&#8220;Only One Who Knows&#8221;</a>, Hawley bietet sein<a href="http://www.youtube.com/watch?v=pR-MTZVppkA" target="_blank"> &#8220;Coles Corner&#8221;</a> an. Das Konzept war geboren. Nur Sheffield und nichts als Sheffield.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/05/3071036026_0574c5f699.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9467" title="Tony Christie und Richard Hawley" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/05/3071036026_0574c5f699.jpg" alt="Tony Christie und Richard Hawley" width="500" height="327" /></a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=XIPNBIwqZNY" target="_blank">&#8220;Louise&#8221;</a> von Human League und Pulps <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cjOd7ftRLJY" target="_blank">&#8220;Born to Cry&#8221;</a>, nur Hardcore-Fans aus dem Notting Hill-Soundtrack bekannt, huschen auch noch schnell ins Körbchen. Doch Tony Christie wäre nicht Tony Christie, wenn er nicht auch selbst zwei Songs beisteuern würde. So ist &#8220;Made In Sheffield&#8221; ein wunderbar abgehangenes Spätwerk, das natürlich an Richard Hawleys Platten erinnert, doch auch diesen Neil Diamond-Touch hat. Hawley hat die Produktion gefühlvoll und charismatisch gehalten. Die Bar ist ist der Spielplatz alter Männer. Dort gibt man sich noch mal sexuellen Phantasien hin und gräbt eine Dreißigjährige an. Wenn nichts mehr geht steht der Single Malt wie ein Fels in der Thekenbrandung.</p>
<p>Tony Christie kann sein ganzes Herzblut in die Songs werfen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Fernsehgarten Kopf steht und gibt uns den Crooner, den Dandy, den Opa mit reuem Blick. Tony Christie meldet sich amtlich zurück und bekommt von mir den Klassikerstempel. Zu Recht! Besser kann man wohl sein Image nicht aufpolieren, ohne mit dem Feuer zu spielen, oder sich zu verkaufen. Alte Fans werden immer noch Tränchen verdrücken und ihnen wird es Wurscht sein, dass Christie einen Song von Alex Turner covert. Die junge Generation hört die schönste Pulp-Coverversion aller Zeiten. Und zu entdecken, gibt es auch noch was. Martin Bragger, ein mir unbekannter Songwriter aus Sheffield, liefert zwei wunderbare Songs. Tony Christie bleibt mein Schnulzenkönig.</p>
<p>Erschienen 2009 bei <a href="http://www.decca.com/" target="_blank">Decca</a></p>
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		<title>Klassiker: Jeff Buckley &#8211; Grace</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 07:15:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jeff Buckley war auf dem Sprung. Die Presse war auf ihn aufmerksam geworden. Die Mädels verguckten sich im Sekundentakt und auch andere Musiker zeigten sich gerne an seiner Seite. Sein Talent war außergewöhnlich. Seine Stimme, die mehrere Oktaven umriss, war voller Inbrunst und Tragik. A Star Was Born!
Eigentlich war seiner Stimme schon das Schicksal geschenkt, dass ihn in eine Schiffsschraube riss und für immer wegzog. &#8220;Grace&#8221; blieb so sein einziges fertiges Studio-Album und bekommt überall den Klassiker-Stempel aufgedrückt. Doch was macht &#8220;Grace&#8221; so gut? Ist es nur diese fliegende, heulende ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.jeffbuckley.com/" target="_blank">Jeff Buckley</a> war auf dem Sprung. Die Presse war auf ihn aufmerksam geworden. Die Mädels verguckten sich im Sekundentakt und auch andere Musiker zeigten sich gerne an seiner Seite. Sein Talent war außergewöhnlich. Seine Stimme, die mehrere Oktaven umriss, war voller Inbrunst und Tragik. A Star Was Born!<span id="more-8561"></span></p>
<p>Eigentlich war seiner Stimme schon das Schicksal geschenkt, dass ihn in eine Schiffsschraube riss und für immer wegzog. &#8220;Grace&#8221; blieb so sein einziges fertiges Studio-Album und bekommt überall den Klassiker-Stempel aufgedrückt. Doch was macht &#8220;Grace&#8221; so gut? Ist es nur diese fliegende, heulende Stimme? Ist es die wunderbarste Cover-Version aller Zeiten? Ist es die famose Backing-Band, die Buckleys Akkordwirrungen entwirrte? Sind es die Songs? Oder ist es der Mythos, der Buckley auch heute noch umweht?</p>
<p>Auch ich muss zugeben, dass mich &#8220;Grace&#8221; vom ersten Ton an gefangen nimmt. Die Songs tragen geschminkte Wunden und ufern popuntypisch gerne mal aus. Buckley spielte mit der Rolle des tragischen Großstadtjungen, der seinen berühmten Vater nur kurz zu Gesicht bekam, da die Trennung und der frühe Überdosis-Tod Tims ihnen im Wege standen. Der einsame Wolf ließ die Lefzen hängen. Das Tingeln durch die Clubs und auf die kleinen Bühnen dieser Welt war sein Lebens-Elexier. Er verpackte das Unverständnis, das ihm oft entgegengebracht wurde in große Worte und Songgebilde, die dem Drei-Minuten-Popsong die Teufelsfratze vorhielten und sich keinen Dreck darum scherten, dass die Welt wahrscheinlich noch nicht bereit war für neue Musik. Auch ein Major-Deal konnte da nicht helfen.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/04/jeff-buckley.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8564" title="jeff buckley" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/04/jeff-buckley.jpg" alt="jeff buckley" width="554" height="235" /></a></p>
<p>Jeff blieb der Sohn und der Geheimtipp. &#8220;Grace&#8221; war gut durchdacht, doch auch zu kurz. Jeff entschied sich für zwei Coverversionen, um das Album zu füllen. Dass ihm <a href="http://www.youtube.com/watch?v=vOoEYxt0PPA" target="_blank">&#8220;Hallelujah&#8221; </a>noch heute an der Backe kleben würde, hatte er damals wohl auch nicht geahnt. &#8220;Grace&#8221; erschien 1994 und war ein erstes Ausrufezeichen. Jeff wurde bekannter, auch der junge Rufus Wainwright zeigte sich gerne an Jeffs Seite. Buckley löste sich langsam aus dem Schatten seines Vaters. Er bekam ein eigenes Gesicht. Seine Livekonzerte wurden zu Messen und Fans fielen vor ihm auf die Knie. Doch der große Medienwirbel blieb aus. Jeff blieb weiterhin ein Geheimtipp.</p>
<p>Vielleicht war seine Musik einfach zu unkommerziell, zu großspurig und fahrig, um das Bon Bon-Geschäft zu entern. Auch Jeffs Haltung und tranceartigen Auftritte mit Hall-Pickings waren schwer zu greifen. Seine Band verschnörkelte noch jeden schon da gewesenen Schnörkel. Mit Rock hatte das schon nichts mehr zu tun. Auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Britten" target="_blank">Benjamin Brittens</a> <a href="http://www.youtube.com/watch?v=8bur7xRt_C0&amp;feature=related" target="_blank">&#8220;Corpus Christi Carol&#8221;</a> verstörte eher. Sind wir in der Sakristei? Jeder Verzerrer-Ausflug mit fliegenden Haaren machte Jeff noch weniger greifbar. Chris Cornell ist heute noch neidisch. Die Lederjacke war nur ein Umhang für Größeres.</p>
<p>Trotz Startschwierigkeiten war Columbia zufrieden und Jeff musste nachlegen. Die Songs standen schon. Alles war angerichtet, um die Welt zu erobern. Doch 1997 kam das Ende. Ein Badeunfall sorgte für Aufsehen. Der junge, talentierte Sohn des großen Folk-Barden Tim Buckley starb. So ging es um die Welt. &#8220;Grace&#8221; wurde zum Vermächtnis. &#8220;Hallelujah&#8221; zur Hymne. Tolle Songs machten sich nun endlich auf die Reise, um von größerem Publikum die Anerkennung zu erhalten, die sie verdienen.</p>
<p>&#8220;Grace&#8221; ist ein wunderbares Stück Pop-Geschichte. Es spielt mit Erwartungshaltungen, mischt wunderbar die Stile und klebt zuckersüß über den Neunzigern. &#8220;Grace&#8221; klingt auch heute noch zeitlos und versponnen. Jeffs Stimme leiert und jault. Jedes Vibrato bleibt dir im Halse stecken und man fragt sich, was wohl heute wär? Doch das steht auf einem anderen Blatt. Jeff Buckley wird immer in Erinnerung bleiben und &#8220;Grace&#8221; bleibt ein Werk voller versteckter Details und heftigen Gefühlsausbrüchen. Ein letztes <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7dLAsHpMiBc" target="_blank">Goodbye</a>. Knaller!</p>
<p>Erschienen bei Columbia</p>
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		<title>Klassiker: Plastikman &#8211; Consumed</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 13:36:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die experimentierfreudige Hektik elektronischen Entdeckertums rollte Mitte der 1990er Jahre nach allen Seiten in mehr oder weniger relevante Subgenres und Verfeinerungen aus. Insbesondere Breakbeat und Drum’n Bass hatten mit Recht für starke Gewichtsverlagerungen gesorgt. Acidhouse war stattdessen in Erstarrung auskristallisiert. Die Energien waren gewichen, die Hipness der Clubatmosphären diffundiert.

Doch ein junger Mann aus England, den es Jahre zuvor nach Ontario verschlagen hatte, schmiss weiterhin unbeirrt in hoher Schlagzahl mit neuen Konzepten, Kooperationen, Labels und Pseudonymen um sich, als gelte es die technoide Revolution von Staats wegen zu institutionalisieren. Doch 1997 ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die experimentierfreudige Hektik elektronischen Entdeckertums rollte Mitte der 1990er Jahre nach allen Seiten in mehr oder weniger relevante Subgenres und Verfeinerungen aus. Insbesondere Breakbeat und Drum’n Bass hatten mit Recht für starke Gewichtsverlagerungen gesorgt. Acidhouse war stattdessen in Erstarrung auskristallisiert. Die Energien waren gewichen, die Hipness der Clubatmosphären diffundiert.<br />
<span id="more-7523"></span><br />
Doch ein junger Mann aus England, den es Jahre zuvor nach Ontario verschlagen hatte, schmiss weiterhin unbeirrt in hoher Schlagzahl mit neuen Konzepten, Kooperationen, Labels und Pseudonymen um sich, als gelte es die technoide Revolution von Staats wegen zu institutionalisieren. Doch 1997 hatte sich der eigene Kleinstaat in Person des eigenen Hauslabels Plus8 schon in <a href="http://www.m-nus.com/" target="_blank">Minus</a> umbenannt. Was also tun?</p>
<p>Richie Hawtins drittes Album als Plastikman erscheint aus heutiger Sicht wie ein Monument des Neuüberdenkens von überaus erfolgreichen Positionen und Innovationen von House und Techno. Ebenso ist es eine radikale Verzichtserklärung an die damit verbundenen Errungenschaften Euphorie und Party. Hawtin hatte auf einmal Sparsamkeit, ja strengste Reduktion für sich entdeckt.</p>
<div id="attachment_7565" class="wp-caption alignnone" style="width: 470px"><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/02/up-1Plastikman.jpg"><img class="size-full wp-image-7565" title=" " src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/02/up-1Plastikman.jpg" alt="  " width="460" height="377" /></a><p class="wp-caption-text">  </p></div>
<p>Auf „Consumed“ ist Konzept tatsächlich nicht nur ein weiterer Projektname eines der Masterminds unter den Produzenten elektronischer Musik der 1990er Jahre, sondern der hermetische Rahmen für das uneingeschränkte Beharren auf Reduktion. Wie hoch kann der Ballonfahrer Hawtin in einer sich stetig verdünnenden Atmosphäre steigen, wenn der letzte Sandsack des Arrangeurs über Bord geworfen ist? Die Luft wird dünner und das Denken, was passiert denn damit? Der Puls jedenfalls wird langsamer. Vielleicht braucht eine Drummachine nur einen Potentiometer für das alles entscheidende Filter, das Effektgerät nur einen großen Hallraum. So wurde Hawtins ureigene Entdeckung der Langsamkeit zur überzeugenden Selbstreflektion bisheriger experimenteller Positionen.</p>
<p>So reduziert die Motive, so gleichförmig und simplifiziert gerieten auch die Bässe auf &#8220;Consumed&#8221;, die dennoch einen träge schlendernden Groove behielten. Überhaupt, die Bässe, Eckpfeiler einer Statik, die nichts weiter zu tragen hatte als sich selbst und eine Andeutung von Drumpattern. Ein bis zwei langsam schreitende Tonmassen im Untergrund, die sich mühsam und zäh aus den amorphen Tiefen eines schier unermesslichen Hallraums schälen. Weiche Übergänge, lange Kurven, dunkle Hintergründe, die das Filtern der Klangfarben feiern. Und der menschliche Puls winkt ersterbend als herunter gekühlter Zentralbahnhof und Taktgeber einer zweiten elektronischen Revolution.</p>
<p>Sogar die Idee von Industrial Music wird leicht touchiert, in Form einer Metamorphose der Pulsidee und verwaschen schwankenden Maschinengeräuschen. „Consumed“ ist und bleibt die ambiente und technoide Laudatio auf all die versinkenden Industriebrachen der Welt zwischen Detroit und Magnitogorsk.</p>
<p>Consumed ist 1998 bei <a href="http://www.mute.com/releases/viewRelease.jsp?id=16248" target="_blank">Novamute</a> erschienen.</p>
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		<title>Klassiker: King Crimson &#8211; Red</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 09:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einst stellte das Etikett Jazzrock eine fiese verbale Kleinkaliberwaffe dar. Schleuderte man der leidenschaftlich gehassten Band seiner Wahl derart ungeteilte Verachtung entgegen, konnte dieser Angriff nur mit der noch furchtbareren Classik-Rock-Keule adäquat retourniert werden. Man schaue sich all die schönen Einschusslöcher der Häme in den Rezensionen von Gruppen wie Deep Purple oder The Nice an.
Gegen beide Waffensysteme waren die Bewohner einer Londoner WG namens League of Gentlemen jedoch gefeit. Als Hauptmieter und Gitarrist Robert Fripp 1969 für ein Live-Konzert im Fulham Palace Cafe zusammen mit den Herren Lake, Giles, McDonald ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einst stellte das Etikett Jazzrock eine fiese verbale Kleinkaliberwaffe dar. Schleuderte man der leidenschaftlich gehassten Band seiner Wahl derart ungeteilte Verachtung entgegen, konnte dieser Angriff nur mit der noch furchtbareren Classik-Rock-Keule adäquat retourniert werden. Man schaue sich all die schönen Einschusslöcher der Häme in den Rezensionen von Gruppen wie Deep Purple oder The Nice an.</p>
<p><span id="more-6358"></span>Gegen beide Waffensysteme waren die Bewohner einer Londoner WG namens League of Gentlemen jedoch gefeit. Als Hauptmieter und Gitarrist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fripp" target="_blank">Robert Fripp</a> 1969 für ein Live-Konzert im Fulham Palace Cafe zusammen mit den Herren Lake, Giles, McDonald und Sinfield die Gruppe King Krimson gründete, stellte sich ebenso explosionsartig chartsplazierter Erfolg ein, wie das noch im selben Jahr erschienene Debutalbum „In the Court of the Crimson King“ das Genre Progressive Rock mit bis dahin unerhörter Qualität untermauerte.</p>
<p>Es folgten fünf ebenso leidenschaftliche wie ziellose Jahre, in denen einzig Küchenchef Fripp den Magierstab zwischen den Polen Jazz und Rock mit immer deutlicher werdenden Verschiebungen hin zu mehr Improvisation würdevoll, aber Kräfte zehrend, in der Waage hielt. Jahre, in denen weitere 6 Alben in teilweise hysterisch wechselnden Besetzungen erschienen. Alben, die den Begriff Dynamik im Rock neu eichten. Alben, die das Arbeitsprinzip Improvisation mit dem Format Studioalbum in Einklang brachten. Alben, die dramatische Steigerung auf eine breitere Skala hievten, ohne je zu überreizen.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/01/king_crimson_red_lineup_pic.jpg"><img class="size-full wp-image-6381 alignnone" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2010/01/king_crimson_red_lineup_pic.jpg" alt="king_crimson_red_lineup_pic" width="550" height="382" /></a><br />
&#8220;Red&#8221;-Lineup: John Wetton (Bass, Gesang), David Cross (Violine), Robert Fripp (Gitarre), Bill Bruford (Schlagzeug);</p>
<p>King Krimson trauten sich an Stille und Flüstern, an Schwelgen und Schwellen. Um dann um so eindrucksvoller mit der jeder Zeit frei justierbaren Waage zwischen Harmonie und Disharmonie improvisierend zu konterkarieren. Sie fuhrwerkten als Druiden in Bulldozern auf den Feldern Hardrock und Poesie, Folk und Jazz. Das Liedhafte kam auch vor, und wurde vertreten von einem Barden mit manchmal keltischem Zungenschlag und geheimnisvoll schimmernden Sitz im hinteren Parkett. Denn Gesang ist immer nur eine kleine Creme-Schicht der karminroten Bombast-Torte. Mellotron, solierende Streicher und Bläser waren gleichgestellt und durften ebenso kalorienreich fabulieren und schichten. Sentimental, aber immer nur bis zur nächsten Brechung. So blieb das dramatische Gleichgewicht der Gigantomanie ihres musikalischen Totaltheaters jederzeit gewahrt.</p>
<p>Bis 1974, dem Erscheinungsjahr von „Red“. Hier kulminieren noch einmal alle Stärken. Die Spannungsbögen und Anziehungskräfte abseitigster Gitarrenakkordschemen prallen auf den zerbrechlisten Flüstergestus einer einsamen Violine („Providence“). Improvisation und Steigerung finden ihr endgültiges Denkmal in dem 12-minütigen „Starless“. Und das Titelstück „Red“ weist weit hinaus in die späten 1980er auf Gruppen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Slint" target="_blank">Slint</a> und auf ein weiteres Monstrum: Postrock.</p>
<p>So schien alles gesagt zu sein, für lange Zeit. Abschiedstour und Auflösung noch im selben Jahr waren folgerichtig. Danach Stille, später viel bibliophile Reunions und Museumspflege.</p>
<p>Red ist 1974 bei <a href="http://www.islandrecords.co.uk/history.php" target="_blank">Island Records</a> erschienen.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=FFFFFF&#038;IS1=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=3B78A7&#038;t=jahrgangsgera-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=B00065MDSQ" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0"></iframe></p>
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		<title>Klassiker: Gordon Lightfoot &#8211; If You Could Read My Mind</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 09:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Brücke zwischen Folk und Pop war lange Zeit mit Strohballen und Traditionals besetzt. Die eine Seite kam einfach nicht zur anderen rüber. Man konnte zwar nach drüben schauen und wünschte sich einen freundschaftlichen Kontakt, doch jegliche Versuche sich zu nähern scheiterten erbärmlich. Gordon Lightfoot fuhr 1970 mit dem Bagger vor. Er wollte den Weg frei schaufeln. Er hatte genug vom Stempel des Folkfuzzies. Die bunten Charts, die tollen Feten und, die dazu gehörigen Damen, waren Anreiz genug. So ging es ins Studio. Zwei Gastmusiker reichten vollkommen. Gordon wollte alles selbst ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Brücke zwischen Folk und Pop war lange Zeit mit Strohballen und Traditionals besetzt. Die eine Seite kam einfach nicht zur anderen rüber. Man konnte zwar nach drüben schauen und wünschte sich einen freundschaftlichen Kontakt, doch jegliche Versuche sich zu nähern scheiterten erbärmlich. <a href="http://gordonlightfoot.com/" target="_blank">Gordon Lightfoot </a>fuhr 1970 mit dem Bagger vor. Er wollte den Weg frei schaufeln. Er hatte genug vom Stempel des Folkfuzzies.<span id="more-5535"></span> Die bunten Charts, die tollen Feten und, die dazu gehörigen Damen, waren Anreiz genug. So ging es ins Studio. Zwei Gastmusiker reichten vollkommen. Gordon wollte alles selbst in die Hand nehmen. Elf Songs, darunter eine Cover-Version, wurden aufgenommen. Für die Verschnörkelungen wurden Stars angefragt. So auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ry_Cooder" target="_blank">Ry Cooder</a>. &#8220;Hey Ry, kannst du mal mit ner Flasche über den Gitarrenhals fahren?&#8221; Am Harmonium wurde Van Dyke Parks begrüßt. Auch er weiss, wo noch Zucker rein geblasen werden muss. Die Stringarrangments steuerte Randy Newman bei. Schweben für die Ewigkeit. Fertig war der Klassiker.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/11/1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-5536" title="Gordon-Lightfoot.jpeg " src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/11/1.jpg" alt="Gordon-Lightfoot.jpeg " width="400" height="560" /></a></p>
<p>Gordon war zwar bis dato kein Unbekannter. So schrieb er für Peter, Paul &amp; Mary oder Johnny Cash coverte einige seiner Stücke, doch erst mit dem Album &#8220;If You Could Read My Mind&#8221; erklomm er keuchend den Folk-Pop-Hügel und rammte seine Fahne in den moosigen Grund. Die erste Aufnahme von Kristoffersons &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=N8O0GgcenVU&amp;feature=related" target="_blank">Me And Bobby McGee</a>&#8221; lässt dir all deine Freundschaften geheuchelt vorkommen. Janis Joplin adaptierte ein Jahr später den Song und wurde weltberühmt.</p>
<p>Der Über-Knaller war und ist natürlich der Song  &#8221;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=r2DjqB0SO9M" target="_blank">If You Could Read My Mind</a>&#8220;. Bis heute so herzergreifend und wahrhaftig. Spitzenklasse. Doch auch &#8220;Sit Down Young Stranger&#8221; und &#8220;Minstrel Of The Dawn&#8221; haben nach Jahrzehnten nicht an Aussagekraft verloren. Gordons Stimme besitzt diese unglaubliche Färbung, die dir Freiheit schenkt und Trost spendet. Am Ende wäre man gern der &#8220;<a href="http://www.dailymotion.com/video/xieet_pony-man-gordon-lightfoot_animals" target="_blank">Ponyman</a>&#8220;, der der Mitternacht entgegen reitet. Schön langsam. Nichts überstürzen. Die Katzen schlafen schon. Das Steckenpferd schnaubt und grummelt.</p>
<p>Bruder Leichtfuß bleibt ein Folk-Barde mit Hang zur Glitzerwelt. Kann man ihm nicht übel nehmen. Tolle Platte!</p>
<p>Erschienen bei Reprise Records/Warner</p>
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		<title>Klassiker: Cocteau Twins &#8211; Treasure</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 14:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Wu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ Ein auftrittsscheues schottisches Trio hatte schon ungefähr zwei Jahre in seinen tiefen Kammern an einem ätherischen Sound geschliffen, bevor es den ersten Vertrag bei 4AD unterschrieb und zu einem jener Acts wurde, die New Wave romantischer Prägung zum charakteristischen Profil dieses Labels machten.
Gitarrist Robin Guthrie, Bassist Will Heggie und Sängerin Elisabeth Fraser verzichteten von Beginn an auf die Integration eines Schlagzeugers, eine Entscheidung, die Ende der 70er Jahre immer häufiger von Bands getroffen wurde. Also wurden die Cocteau Twins Rhythmusmaschinen-Fetischisten, was neben dem einzigartigen Gesang Elisabeth Frasers wohl das ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/Cocteau-Twins.jpg"></a><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/Cocteau-Twins.jpg"></a> Ein auftrittsscheues schottisches Trio hatte schon ungefähr zwei Jahre in seinen tiefen Kammern an einem ätherischen Sound geschliffen, bevor es den ersten Vertrag bei 4AD unterschrieb und zu einem jener Acts wurde, die New Wave romantischer Prägung zum charakteristischen Profil dieses Labels machten.</p>
<p><span id="more-4927"></span>Gitarrist Robin Guthrie, Bassist Will Heggie und Sängerin <a href="http://www.elizabethfraser.com/" target="_blank">Elisabeth Fraser</a> verzichteten von Beginn an auf die Integration eines Schlagzeugers, eine Entscheidung, die Ende der 70er Jahre immer häufiger von Bands getroffen wurde. Also wurden die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cocteau_Twins" target="_blank">Cocteau Twins</a> Rhythmusmaschinen-Fetischisten, was neben dem einzigartigen Gesang Elisabeth Frasers wohl das am stärksten hervorstechende Element ihrer Klangpalette war. Harte Drum-Machines im Dauereinsatz gegen vokale Schönheit ergaben so etwas wie &#8220;The Beauty and the Beast of New Wave&#8221;. Auf den frühen EPs und Alben waren es entweder der Klassiker <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roland_TR-808" target="_blank">Roland TR 808</a> oder eine Linn Drum, die hektisch, undynamisch und erbarmungslos, entnervenden Uhrwerken gleich, vor sich hin plockerten. Darüber, scheinbar beziehungslos in anderen Spähren verfangen, aber dennoch mit verzauberndem Elfenschaum dem Maschinellen erfolgreich Widerstand bietend, die enigmatischen Entäußerungen einer Sirene. Ein ebenso attraktiver wie verstörender Kontrast, als Aushängeschilder der Hochzeit des New Wave zu hören z.B. auf der EP „Peppermint Pig“ wie auch auf dem ersten Album „Garlands“.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/Cocteau-Twins.jpg"><img class="alignnone" title="Cocteau-Twins" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/Cocteau-Twins.jpg" alt="Cocteau-Twins" width="550" height="267" /></a></p>
<p>Für „Treasure“ wechselten die Zwillinge im Geiste den Bassisten (Simon Raymonde kam neu hinzu) und die Rhythmusmaschine. Sie entschieden sich für einen Drumulator von EMU, eine kluge Wahl, nicht nur wegen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/John_Bonham">John-Bonham</a>-Sample-Edition. Denn obwohl die dampfenden Schlagzeugsounds brachialer und etwas realistischer waren als zuvor, wichen Schärfe und Hektik aus der Musik der Cocteau Twins. Erhabenheit, Exotik und Kryptographie wurden ihre neue Zier.</p>
<p>Die Schleier der Salome verhängen das sehnsuchtsvoll Erwartete, das Kostbare und das zu Bewahrende. Die Geheimnisse sind es, die die Elixiere des Lebens tragen. Die Songtitel tragen allesamt Personennamen. Namen aus der griechischen Mythologie, Namen aus 1001 Nacht, Namen mittelalterlicher Prinzessinnen. Loreley, Persephone, Pandora, etc.. Die Schleier der Unverständlichkeit liegen auch über den Vokalakten. Elisabeth Fraser hatte sich so etwas wie ihr eigenes Primadonnen-Esperanto entwickelt und schichtete ihre Stimmen wie Schemen der verzückten Unverständlichkeit über und übereinander, als sei sie die tänzelnde Reinkarnation Roxanes, der Mutter aller Verführerinnen.</p>
<p>Ebenso wie die Stimmen, so wurden auch die Gitarrenspuren mehrfach übereinander geschichtet. Von effektierten Schwebesounds und Loops, über elektrische Sologitarren, bis zu typischen geschrammelten akustischen Rhythmusgitarren wurden eng ineinander greifende Flechtwerke mit harmonisch nie trivialen Rückungen entwickelt.  Das alles wurde ausgeschmückt mit Tambourine, glockigen oder spinettartigen Synthesizer &#8211; und Klavierklängen. Schillerndes und schimmerndes Traumlandschafts-Liedgut, zukunftsorientiert, romantisch und stilvoll zugleich, wegweisend in ferne Länder und auf noch fernere Zeiten, oder zumindest die Sehnsucht danach.</p>
<p>Der letzte Albumtrack heißt Donimo, obwohl ich noch heute &#8220;Monica&#8221; aus Frasers Gesängen heraus zu hören glaube; die unübertroffene Hymne selbstbewußter Feierlichkeit. Romantik, die nie weinerlich oder gar selbstmitleidig ist, sondern energiegeladen und stolz. Elisabeth Fraser schleudert sich im Duett mit sich selbst auf einem Kettenkarussell in schwindelnde Extase. Alles dreht sich in eine neue Zeit, schön und einsam durch eine laue Sommernacht. Hier feierte sich insbesondere auch ein neues weibliches Selbstbewusstsein, das späteren Chanteusen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ofra_Haza" target="_blank">Ofra Haza</a>, Sinead O’Connor, Tori Amos und Björk den Weg bereitete.</p>
<p>Treasure ist 1984 bei <a href="http://www.4ad.com/" target="_blank">4AD</a> erschienen.</p>
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		<title>Klassiker: My Dad Is Dead &#8211; The Best Defense</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 08:28:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Love</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Bass]]></category>
		<category><![CDATA[Billy Bragg]]></category>
		<category><![CDATA[Homestead Records]]></category>
		<category><![CDATA[Joy Division]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Edwards]]></category>
		<category><![CDATA[My Dad Is Dead]]></category>
		<category><![CDATA[The Cure]]></category>
		<category><![CDATA[Wedding Present]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Resteessen am nächsten Nachmittag lässt einen vorhergegangenen Partyabend oft noch schöner erscheinen und wenn Elefanten kämpfen ist der Rasen hinterher zertrampelt. Auch Mark Edwards ist ein Fan von Resteverwertung. Er bückt sich nach jedem nicht zermatschten Halm. Das Album &#8220;The Best Defense&#8221; ist ein Klassiker voller Leftovers.
Für eine EP wurden drei Stücke aufgenommen, doch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erschien diese nie. Auch 4-Trackaufnahmen, die im heimischen Wohnzimmer aufgenommen wurden, lassen &#8220;The Best Defense&#8221; noch zusammengewürfelter klingen. Die restlichen Stücke stammen aus einer anderen Albumproduktion. Verzerrte und verstimmte Gitarren bohren sich durch ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Resteessen am nächsten Nachmittag lässt einen vorhergegangenen Partyabend oft noch schöner erscheinen und wenn Elefanten kämpfen ist der Rasen hinterher zertrampelt. Auch Mark Edwards ist ein Fan von Resteverwertung. Er bückt sich nach jedem nicht zermatschten Halm. Das Album &#8220;The Best Defense&#8221; ist ein Klassiker voller Leftovers.<span id="more-4614"></span></p>
<p>Für eine EP wurden drei Stücke aufgenommen, doch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erschien diese nie. Auch 4-Trackaufnahmen, die im heimischen Wohnzimmer aufgenommen wurden, lassen <a href="http://www.mydadisdead.com/music/bestdefense/" target="_blank">&#8220;The Best Defense&#8221;</a> noch zusammengewürfelter klingen. Die restlichen Stücke stammen aus einer anderen Albumproduktion. Verzerrte und verstimmte Gitarren bohren sich durch basslastige Rocknummern, die wage an <a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/2009/08/07/klassiker-the-cure-seventeen-seconds/" target="_blank">The Cure</a> erinnern. Nur die Haarlackfrisuren und der Lippenstift fehlen. Hier werden eher Narben geschminkt. Der &#8220;Anti-Socialist&#8221; lässt lieber der rohen Gewalt freien Lauf. Trotzdem versprühen die hingerotzten Songs eine Menge Popappeal. Auch Billy Bragg könnte seine Faust erheben, doch <a href="http://www.mydadisdead.com/" target="_blank">Edwards</a> malt einfach noch schwärzer. Alles krankt, nicht nur die Politik.</p>
<p>Nach harten Strophen folgt oft ein Knaller-Refrain, der einem die Knie schlottern lässt. Der Bass, oder besser gesagt die Bässe, knallen unablässlich über schräge Gitarrenlinien und Edwards tiefe Depristimme kämpft sich durch laute Passagen. Die Indie-Perle von 1988 findet immer wieder den Weg auf den Plattenteller und man greift wieder genüsslich zu Dosenbier.</p>
<p>Die Instrumentalparts würgen nach zu viel gepriesener Popattitüde schon mal die Gitarrenhälse. Ähnlich wie bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Wedding_Present" target="_blank">Wedding Present</a>. Die Drums spielen stumpf die Rolle des Taktgebers durch. Nur nicht zu viel Wirbel veranstalten. Joy Division-Tanzbarkeit erzeugt &#8220;Cut Out&#8221; und lässt die spitzen Boots über den Boden segeln. Einige Tänzer stolpern auch über die Schnürsenkel ihrer Chucks.</p>
<p><a href="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/my_dad_is_dead.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4624" title="my_dad_is_dead_Live.jpeg" src="http://www.jahrgangsgeraeusche.de/wp-content/uploads/2009/10/my_dad_is_dead.jpg" alt="my_dad_is_dead_Live.jpeg" width="450" height="348" /></a></p>
<p>&#8220;All Noises By <a href="http://www.myspace.com/mydadisdead" target="_blank">Mark Edwards</a>&#8221; steht auf dem Cover, doch hinter all dem Krach verbirgt sich ein Schmetterling mit bunten Flügeln auf der Suche nach Verbündeten. &#8220;It&#8217;s Not What You Said&#8221; vollführt die Kunst offene Gitarrenchords mit gegenläufigen Bassfiguren zu verbinden. Und Edwards holt die Kratzbürste raus und verfilzt unsere Haare.</p>
<p>Ein kleines Meisterwerk. Stachelig, doch voller Lieblingsmomente, die den Schmerz aushalten lassen. Aber die Löcher in meinen Augen werden dank Mark größer.</p>
<p>Erschienen bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homestead_Records" target="_blank">Homestead Records</a></p>
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