Artikel in der Kategorie Klassiker
Klassiker »
Die experimentierfreudige Hektik elektronischen Entdeckertums rollte Mitte der 1990er Jahre nach allen Seiten in mehr oder weniger relevante Subgenres und Verfeinerungen aus. Insbesondere Breakbeat und Drum’n Bass hatten mit Recht für starke Gewichtsverlagerungen gesorgt. Acidhouse war stattdessen in Erstarrung auskristallisiert. Die Energien waren gewichen, die Hipness der Clubatmosphären diffundiert.
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Einst stellte das Etikett Jazzrock eine fiese verbale Kleinkaliberwaffe dar. Schleuderte man der leidenschaftlich gehassten Band seiner Wahl derart ungeteilte Verachtung entgegen, konnte dieser Angriff nur mit der noch furchtbareren Classik-Rock-Keule adäquat retourniert werden. Man schaue sich all die schönen Einschusslöcher der Häme in den Rezensionen von Gruppen wie Deep Purple oder The Nice an.
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Die Brücke zwischen Folk und Pop war lange Zeit mit Strohballen und Traditionals besetzt. Die eine Seite kam einfach nicht zur anderen rüber. Man konnte zwar nach drüben schauen und wünschte sich einen freundschaftlichen Kontakt, doch jegliche Versuche sich zu nähern scheiterten erbärmlich. Gordon Lightfoot fuhr 1970 mit dem Bagger vor. Er wollte den Weg frei schaufeln. Er hatte genug vom Stempel des Folkfuzzies.
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Ein auftrittsscheues schottisches Trio hatte schon ungefähr zwei Jahre in seinen tiefen Kammern an einem ätherischen Sound geschliffen, bevor es den ersten Vertrag bei 4AD unterschrieb und zu einem jener Acts wurde, die New Wave romantischer Prägung zum charakteristischen Profil dieses Labels machten.
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Das Resteessen am nächsten Nachmittag lässt einen vorhergegangenen Partyabend oft noch schöner erscheinen und wenn Elefanten kämpfen ist der Rasen hinterher zertrampelt. Auch Mark Edwards ist ein Fan von Resteverwertung. Er bückt sich nach jedem nicht zermatschten Halm. Das Album “The Best Defense” ist ein Klassiker voller Leftovers.
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Es gab ihn, diesen singulären Moment, in dem Rock n’ Roll und Elektro aufeinander prallten und unter hoher Temperatur zu etwas völlig neuem hypnotischem synthetisierten. Irgendwann im Jahre 1977 glitten zwei junge Männer in New York weitgehend unbewusst und in fragiler Perfektion auf einer selbst entdeckten Elektro-Trash-Rock-Welle, die atemberaubend war und amorph, wie aus dampfendem Eis. Sie war tiefgründiger, als sie auf den ersten Blick erschien und verschwand ebenso schnell wie sie gekommen war.
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Grunge war in aller Munde. Holzfällerhemden verschönerten die Tanzteeabende im heruntergekommenen Jugendclub. Die neunziger Jahre wurden durch Rock befreit. Die Kids rochen wieder nach Rebellion und Bierduschen. Sub Pop verlor leider immer mehr an Zugpferden, denn rassige Pferde benötigen eine Menge Wasser, je mehr desto besser. Und bei Sub Pop tropfte der Hahn. Auch die Afghan Whigs kehrten dem Indietum den Rücken und schufen so mit “Gentlemen” den Klassiker des Anti-Grunge.
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Tontechniker bevorzugen Steely Dan-Platten, um beim Soundcheck die Halle auszuloten. Klingt die abzumischende Band nur annähernd so clean und höhenlastig, geht der Daumen des Tüftlers in die Luft. Ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht. Steely Dan sind die Mucker, die man als Schüler-Band verabscheut. Alles liegt am richtigen Platz, kein Tönchen verirrt sich auf der Tastatur des Glücks. Jedes Solo birgt klare Antworten und nachvollziehbare Wichsvorlagen.
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Der Wind hatte ihnen ein Lied erzählt, vom Leben in Amerika, und von dessen Vergänglichkeit. Und wie es geht, erwachsene Spielfreude, virtuos dargeboten, in die Form eines einfachen aber individualistischen Trios zu gießen ohne je in jazziges Muckertum abzugleiten. Und wie es funktionieren kann, leidenschaftlichen Ausdruck zu formulieren, und Gefühl ohne Kitsch. Und wie man es macht, sich nicht in panamerikanischer Massenkultur zu verlieren, und über all dem bescheiden zu bleiben und misstrauisch. Denn das Leben geht weiter, in Amerika. Und das ist schon sauer genug.
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Zu allen Zeiten gab es die Charaden und damit verbundenen Legendenbildungen um künstlerische Identität, z.B. bei The Residents oder Klaatu, jüngst bei Burial und einst auch bei Zoviet France. Die Namen der Protagonisten blieben unbekannt, über kurz oder lang. Wenn ich heute Wikipedia zur Diskografie von Zoviet France befrage, werde ich im Rundum-Sorglos-Paket auch mit den Namen sämtlicher Bandmitglieder ihrer Geschichte behelligt – wie uncharmant. Manche Geheimnisse möchte man einfach erhalten wissen.
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Die wunderschöne Cher ist ausgebrannt. Ihre Solokarriere will nicht in Schwung kommen. Talent war schon immer vorhanden, doch der richtige Blick aufs Wesentliche noch nicht geschärft. Cher zweifelt und verzweifelt fast. In den Sechzigern lief der alte Gaul “Sonny & Cher” noch weite Strecken. Hits wurden rausgehauen. Radiostationen dängelten sie bis zum Erbrechen runter. Cher luscherte nach mehr. Doch nichts wollte funktionieren.
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Auch ich habe mir früher vor der Schule den Kajalstift in die Augen gedrückt. Teilweise ließ sogar roter Lippenstift meine Lippen verschmiert aussehen. Ach, waren das Zeiten! Bin alt geworden…
The Cure waren meine absolute Lieblingsband. Robert Smith weinte in meinem Zimmer und ich hielt immer Taschentücher für ihn parat. “Seventeen Seconds” ist zur Zeit meine “Lieblingscure”. Das kann sich morgen aber schon wieder ändern, denn fast alle Cure-Platten haben ihre Besonderheit.
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Kunst und Musik bestäuben sich gerne gegenseitig. Das hat Vorteile, kann aber auch störend sein. Stephen Prina versucht beides unter einen Hut zu bringen und er macht seine Sache ausgezeichnet. Bei Red Krayola einer von vielen zu sein, reichte wohl nicht aus. Ein Soloalbum musste her. Gut wenn man viele musikbegeisterte Kumpels aus der Szene kennt, die greifen einem gerne mal unter die Arme. 1997 gings ins Studio. Chicago war der Hotspot der Jazz und Postrock-Gemeinde. Jim O’Rourke hielt die Knöpfe im Visier und zeigte sein Können an diversem Instrumentarium. David …
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Gern wird gefragt: “Welches Erlebnis verbindest du mit Song X oder Album Y?” Damit wird der manchmal etwas überstrapazierte Wunsch nach möglichst persönlicher Verlinkung zum Ausdruck gebracht. Das Erstlingswerk des Kölner Musikers Jörg Follert 1998 alias Wunder ist für mich diesbezüglich ein bleibender Einschlag.
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Ein Monat vor Woodstock. August 1969. John Fogerty haut mit CCR, wie eingefleischte Fans sie nennen, ein Bündel Hits raus, die auch heute nichts an Wert und Musikalität verloren haben. Eigentlich steht der Rock’N’Roll vor dem Aus. Doch CCR schaffen eine Neuinterpretation des Genres und schielen mit dem einen Auge nach New Orleans, mit dem anderen auf die Rockabilly-Tolle. Die magische dritte Iris beobachtet Country&Western-Herbergseltern. Nur neun Songs reichen aus, um die Jungs in die erste Liga der Hitgiganten zu spülen. Die Rhythmen und Melodien prägen sich jedem Hörer von …


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