Wer hat denn Vocoder-Stimmen vermisst? Ich nicht. Wer hat diese Party geschmissen und wer musste bei jedem Song Handclaps setzen? Ich nicht.
Big Deal tauschen ihre Intimität gegen die Doppelgänger-Klamotten einer million-selling Band wie Garbage. Waren die beiden noch verhuschte Anfänger, die süß das Boy meets Girl-Spiel aufbrachen, in die Folkecke gesteckt wurden und trotzdem gerne mal on stage das Distortion-Pedal traten, egal ob hinter ihnen ein Schlagzeuger saß oder nicht, sind sie nun fast eine richtige Band, die nun vom Lagerfeuer auf die Festival-Bühnen klettert.
Laura Marling kann sich auf sich verlassen. Sie weiß, ihre Stimme zu nutzen. Sie weiß, wie man Songs und ein Album aufbaut. Dabei changiert ihre Stimme zwischen Joni Mitchell und Sandy Denny hin und her, um am Ende doch in ihrer Brust zu ruhen.
Es gibt sie. Nur wir haben sie vergessen. Songs, die man früher jeden Tag hörte, zu denen man einschlief oder die einem ein paar Tränen abluchsten oder wilde Nächte bescherten. Dann gab es irgendwann andere und man ließ sie ziehen. Die neue Kategorie Viel zu lange nicht gehört! soll diesen Wegbegleitern eine späte Ehre zukommen lassen.
Auch die Pastels melden sich nach 16 Jahren zurück, wenn man den Soundtrack und die Kooperation mit den Tenniscoats außen vor lässt, und haben nichts von ihrer Schrulligkeit eingebüßt.
Die Karibik ist im Indie ja schon länger angekommen. Fanfaren braucht man also nicht gerade loslassen und doch hauen Javelin gerne großspurig in die Tasten.
Endlich lösen Vampire Weekend das ein, was sie uns schon vor Jahren versprachen. Sie produzieren eine fast perfekte Pop-Platte, die sowohl ihr Vermächtnis werden und uns die nächsten zwanzig Sommer versüßen wird.
Bobby Gillespie hat immer noch Wut, die er in seinen Großstadt-Soul packt, um einen Soundtrack zu kreieren, der wohl für immer ohne Kate Moss, Margaret Thatcher und Lady Diana auskommen muss.
Dean Blunt ist ein Traumfänger. Auf seinem neuen Album nimmt er uns als Geiseln mit in seine Nacht und zieht uns einen schwarzen Sack über den Schädel. Zwischendurch nimmt er ihn immer wieder kurz ab, um uns etwas zu zeigen. Da hinten dreht gerade David Lynch. Dann wird es wieder dunkel.