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The Walkmen – Heaven

23 Mai 2012 Zloty Vazquez Kein Kommentar

The Walkmen wollen das ganz große Drama. Sie zelebrieren die Ruhe, die sich langsam anschiebt. Ein Picking ist der Beginn, ein Anfang, dann folgt ein zügiger Anschlag. Instrumente kommen hinzu und Leithauser bricht aus dem Korsett. Er schreit seinen Folk fast. Fette Backingvocals unterstützen seinen Drang noch. Das erinnert natürlich immer auch an Arcade Fire oder Fleet Foxes. Man stampft automatisch mit den Füßen.

Nach zehn Jahren haben sich The Walkmen gut an der Spitze festgesetzt. Ihr „angerockter“ Folk hat sich in der Zeit verselbstständigt. Leithauser macht immer noch den Zampano, doch nicht mehr so als frustrierter Bummler, sondern als erfahrener Mann. Die Gitarren klirren gut, stimmig und mit viel Esprit. Das Rhythmusgerüst besteht aus halligen, treibenden Beats mit viel Standtomgebolze und einem rumpelnden Bass. Oft ist der Drummer aber auch Zigarrettendrehen. Ganz egal, man kommt auch ohne aus. Liebe ist Glück. Slogans gibt es also auch. Klingt aber anders.

Leithauser bleibt der Anführer. Er treibt die Songs in den Hymnenstatus. Strophen scheinen hier fast wichtiger als Refrains zu sein. Manchmal bleibt alles auf einem Level stehen, dann wird es interessant. Der Sound der Produktion gibt sich erdig, wie man so schön sagt. Kein Schnickschnack. Alles scheint am rechten Platz zu sein. Die Gitarre klingt wie bei einem Livekonzert-Soundcheck. Wunderbar.

Melodien fliegen von irgendwoher herein. Manchmal werden die Gesangslinien auch auf der Gitarre wiederholt. Leithauser ist der Frontmann, der Geschichtenerzähler, auch wenn die Musik eigentlich nichts Neues zu berichten weiß. Backkataloge werden in die Postfächer gepfeffert. Was machen eigentlich die Strokes? Leithauser zieht den Karren. Er lallt zwischendurch sogar Schlaflieder. Immer noch geht ihm diese blöde Liebe durch die Lappen, doch er scheint nun damit umgehen zu können. Und da ist sie auf einmal wieder diese Ruhe, die auch mal kurz in Bitterkeit abzurutschen vermag. The Walkmen spielen sich durch das amerikanische Rock-Folk-Spektrum mit stolzer Beharrlichkeit. Auch Country-Gospel lassen sie nicht unberührt. Interludes machen den Kopf frei. Immer wenn die Refrains fehlen sind die Lieder, wie aus der Zeit gefallen. Mantras, die nur mit Gitarre durch die Nacht gleiten, besinnen sich auf Gefühlsduselei. Irgendwie ist Heaven ein spooky Album geworden, dass sich nicht so recht in die Sonne traut, doch so viele himmlische Momente bereit hält. Für mich ist die Orgel ein echter Hinhörer. Gute Sache das.

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Zloty Vazquez Zloty Vazquez lebt in Hamburg und schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen. Er enttarnt außerdem Cover-Art-Kopisten in der Reihe 'Original und Fälschung' und hat die Abstimmung 'Die Wahl ist dein! ins Leben gerufen. Sein neues Blog 'Salzweiß und Rosenrot' birgt Unmusikalisches.

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