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Konrad Kraft: Temporary Audiosculptures and Artefacts

13 Juli 2011 Axel Ganz Kein Kommentar

Unbekannte Verknüpfungen. Unkontrollierte Kombinatorik. Seltene Erden. Exotherme Reaktionen im Abklingbecken. Wenig scheint klar zu sein. Folgt der Grundaufbau einem übergeordneten Plan oder walten hier namenlose Affektkaskaden? Eine Gruppe von bisher nicht näher erforschten Maschinen scheint jetzt sogar erste eigene Dialoge in einer kühlen Laborsituation vorzustellen. Ein wenig Stolz schwingt mit in mancher algorithmischen Spielerei. Wieviel Mathematik manifestiert sich in diesen Klängen und in unseren Leben?

Und wen bespielen verschaltete Effektgeneratoren genau in diesem Moment? Auf wen oder was haben sie gerade Einfluss? Wir schauen später vielleicht im Logbuch nach unter Terminal-Irgendwas. Alles wird protokolliert. Vielleicht hat jemand in den Anfängen sogar Lego-Mindstorms verbaut. Verborgenes Plastik glänzt durch schmale Ritzen. Es tropft hier und da. Doch inzwischen sind Generatoren, Mechaniken und Signalwege aus glänzendem Chrom-Vanadium Stahl geschmiedet. Weitgehend rostfrei dampfen sie uns an. Zumindest kommt uns das so vor, mitten drin. Wir lauschen, wie etwas eindringt. Niemand hat eine Ahnung wer oder was es ist.

Der in Wuppertal lebende Musiker Detlef Funder legt nun nach Jahren der Arbeit als Labelbetreiber, DJ und zahlreichen Veröffentlichungen mit anderen Projekten (Gilgamesh, D-Fundation, Detson Engineering, Four Carry Nuts) ein Album unter dem Namen seines vermutlich ältesten Projektes Konrad Kraft vor. Frei von jeglicher Nähe zu Dancefloor-Verwandtschaften ist „Temporary Audiosculptures and Artefacts“ eine durch und durch statische Arbeit an synthetischem Klangmaterial. Die skulpturalen Anmutungen finden in tiefen räumlichen Staffelungen nicht nur in besonderen Momenten die Nähe zu einigen Arbeiten von Asmus Tietchens. Weiter noch liegen in der Abbildung von jederzeit fremd verbleibenden Raumsituationen suggestive Stärken. Sie evozieren Rätselhaftigkeit und Verunsicherung. Nähe und Distanz umspielen sich in unbekannten Sprachen. Vordergrund- und Hintergrundobjekte wirken als Plastilin für das große kühle Nichts dazwischen. Und eben dieses umformte Nichts sorgt für Gänsehäute. Würde Andrei Tarkowski noch filmen wäre „Temporary Audiosculptures and Artefacts“ ein zeitgemäßer Soundtrack für seine nächste Arbeit.

„Temporary Audiosculptures and Artefacts“ ist im Juni 2011 bei Aufabwegen erschienen.

Konrad Kraft live in Münster

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Axel Ganz Axel Ganz lebt in Düsseldorf, schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen und sammelt Geräusche sowie Fieldrecordings.

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