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Laura Stevenson and The Cans – Sit Resist

11 Mai 2011 Zloty Vazquez Kein Kommentar

Die Gitarre rutscht vom Stuhl. Mit spitzen Fingern fängt Laura Stevenson sie auf, schnallt sie um und schon kommen wundersame Laute aus ihrem Rachen, während ihre Hand ein schnelles Picking ausführt. Eine Bassdrum ploppt und streicht etwas Blau ins Gefühl und die Sonne hat wieder einen Mund.

„Master Of Art“ beginnt wie ein Jesus And Mary Chain-Song, der aber im nächsten Moment, an der nächsten Kreuzung, nicht mehr so klingt, da Laura dann doch den Hall weglässt. Ihre Stimme klingt, wie aus der Kinderstube. Immer mit ein wenig Lätzchen und kieksiger Attitüde. Laura hat ein Gefühl für Songs, für das große Auftreten, obwohl sie durch ihre Art zu singen eher wie eine verhuschte Elfe rüberkommt. Doch das täuscht. Laura schafft es, sich von einer Joanna Newsom zu lösen, sie verlässt diese nun auf der ganzen Welt bekannte Dramatik, in dem sie mal mehr presst. Sie versucht, dem Rock näher zu kommen oder der Countryshowtreppe. Natürlich gibt sich die Band The Cans Mühe, Laura so gut es geht zu unterstützen. Viele Instrumente türmen sich auf, um Laura nicht stolpern zu lassen. Country dient nur als Unterhemd, die Bluse hat dann mehr Pop als Folk. Eine Trompete plärrt wunderbar aus der Ecke. Laura scheint zu tanzen oder zu schweben. Sie wirkt, als wüßte sie, was auf sie zu kommt. Jede Kritik tänzelt sie weg.

Das Süße kommt immer mal wieder durch, dann wird es ein wenig beliebig, doch die Songs haben das Zeug, auch dies vergessen zu lassen. Immer, wenn Laura anfängt sich zu steigern, sich fallenzulassen, brechen die Stücke aus ihrem Folkrock-Korsett aus und glänzen. Die ruhigen Momente mit schönem Klavier oder allein verspielter Gitarre und einer in sich ruhenden Laura haben etwas Tiefes, das sie ausbauen sollte. Da kommt ihre Stimme wunderschön zur Geltung. Da wird die Tapete schon mal rauh. Das Wechselspiel zwischen Mädchen und selbstbewusster Frau macht das Album zu einem guten, persönlichen Reigen, den man wirklich der Bekannten aus dem Viertel mal zum Grillen mitbringen kann. Heather Nova hat wohl ausgedient.

Für einen Monat gibt es Sit Resist als freien Download.

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Zloty Vazquez

Zloty Vazquez lebt in Hamburg und schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen. Er enttarnt außerdem Cover-Art-Kopisten in der Reihe ‚Original und Fälschung‘ und hat die Abstimmung ‚Die Wahl ist dein! ins Leben gerufen. Sein neues Blog ‚Salzweiß und Rosenrot‘ birgt Unmusikalisches.



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