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Musik & Horror – Wenn der Teufel tanzen will

30 Oktober 2010 Daniel Decker 3 Kommentare

Horror ist ein Genre, das mit vielen Bereichen der Popkultur verbunden ist. Mit Filmen und Büchern natürlich. Aber mit Musik eher weniger. Dabei wird auch hier durchaus viel geboten.

Wahrscheinlich denkt jeder als erstes an Horrorpunk. Ist dies doch ein etabliertes Genre, dass nicht zuletzt durch die Misfits um Glenn Danzig Anfang der 80er geprägt wurde. Doch schon in den 70ern glänzten Acts wie The Damned oder The Cramps mit Horror-Elementen. So ließen sich auch diese Vorreiter für ihre Texte von Horrorfilmen inspirieren. Dennoch dürften für dieses Genre die Misfits als Gründerväter herangezogen werden. Zur textlichen Einflüssen kam dann schnell das Auftreten hinzu. So entwickelte deren Bassist Jerry Only die „Devillock“, eine Frisur, die auf dem typischen Dracula- bzw. Eddie Munster-Haarschnitt basierte.

Dennoch muss man für die ersten Verknüpfungen von Musik und Horror weiter zurückgehen. Oft wird die 1962 erschienene Nummer „Monster Mash“ als Initialzündung angesehen, covern doch viele Horrorpunk- und Shockrock-Bands dieses Stück. Das Konzept mit Performance zu schocken ist dabei nicht neu, aber eben auch nicht zwanghaft mit Horror verbunden. Screamin‘ Jay Hawkins Gegrunze als Voodoo Priester stammt schließlich bereits aus dem Jahr 1956 und auch The Who zerschlugen ihre Gitarren früh. Schocking, yes. Horror, no.

Wirklich konzeptionell greifen 1967 Coven das Thema auf. Eine eher unbekannte Band, die allerdings mit einem satanischen Image spielte und auch als Urheber der Mano Cornuta, der gehörnten Hand, gelten. Nicht nur mit Texten und Plattencover schockte die Band aus Chicago. Auch nahm sie eine schwarze Messe auf und inszenierte ihre Shows als satanische Zeremonien. Coven fesselten einen ihrer Roadies an ein Kreuz, leuchteten die Bühne rot aus und stellten Kerzen auf. Sängerin Dawson schloss den Auftritt mit einem Zitat von Aleister Crowley und dem Ausruf „Hail Satan!“. An dieser Stelle riss sich der Roadie vom Kreuz los und drehte es zum Petruskreuz um. Damit war Coven eine der ersten Bands der Rockgeschichte, die ein satanisches Image offen zur Schau trug.

Coven Witchcraft Cover Innen

Als dann wenig später Black Sabbath die Weltbühne betraten, wurden sie auch gerne mal als britische Antwort auf Coven bezeichnet. Der Legende nach probten die Jungs um Ozzy Osbourne gegenüber eines Horrokinos und kamen so auf die Idee Musik zu machen, bei der sich die Zuhörer fürchten. Im Gegensatz zu Coven hatten Sabbath jedoch schon früh beachtlichen Erfolg und gelten somit nicht nur als Urväter des Heavy- sondern auch des Doom-Metals.

In etwa zur selben Zeit köchelte in den USA ein gewisser Alice Cooper an seiner Interpretation des Schockrocks. Insbesondere durch seine konzeptionellen Shows beansprucht Cooper seinen eigenen Platz in der Geschichte der Horrormusik. Cooper setzte Kunstblut ein, ließ sich enthaupten oder auf einem elektrischen Stuhl braten und bereitete so den Weg für spätere Acts wie Gwar, Marilyn Manson oder Rob Zombie und meinetwegen auch Lordi.

Es scheint logisch, dass neben Punk vor allem im Metal auf Horrorelemente zurückgegriffen wird. Man denke da nur an all die Corpsepaint-Musiker, die sicherlich von Cooper oder Kiss beeinflusst waren, aber doch eine eigene Richtung einschlugen. Und so war es wohl vor allem die Norwegische Black-Metal-Band Mayhem, die Leichenbemalung populär machte.

Hier ins Detail zu gehen, inwiefern Death-, Doom- und Black-Metal Bands ihre Inspiration in Horrorthemen und Satanismus suchen würde allerdings den Rahmen sprengen. Dass Dani Filth, Sänger von Cradle Of Filth, allerdings ebenso wie Cooper oder Rob Zombie im Horrorfilmgenre unterwegs ist, dürfte nicht verwundern. Teilweise ist hier allerdings der Showeffekt in den Hintergrund gerückt und einige Musiker meinen ihre Liebäugeleien mit Paganismus und Satanismus durchaus ernst.

Ähnlich dem Horrorpunk gibt es aber auch den Horrorcore, ein Subgenre im HipHop, dass sich ebenfalls mit blutigen Themen und Horrorfilmen auseinander setzt. Die wohl bekanntesten Vertreter dürften Gravediggaz sein, bei den RZA vom Wu Tang Clan tätig ist. Urväter waren allerdings die Geto Boys, die explizite Darstellung von Vergewaltigungen, Nekrophilie und Mord in dem Song „Mind Of A Lunatic“ rappten.

Aber what’s next?! Horror-Techno?! Auch da wird durchaus mit Elementen geliebäugelt, doch muss man sich eher auf Performance und Artwork beschränken, Texte stehen selten zur Verfügung. Alees in allem bleibt Horror bis heute ein substantieller Bestandteil der Musik, nicht nur im Metal.

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Daniel Decker Daniel Decker lebt in Berlin und schreibt bei Jahrgangsgeräusche u.a. über Platten, die es nicht gibt. Sonst bloggt er als Kotzendes Einhorn und macht Musik.

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