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Konono No. 1 – Assume Crash Position

20 Juli 2010 Zloty Vazquez Kein Kommentar

Die Likembe ist ein Zupfdiophon. Metallzungen sind auf einem Brett befestigt. Sie werden mit den Fingerspitzen gezupft. Die Kongolesen Konono No.1 haben das Spiel der sogenannten Daumenklaviere revolutioniert. Das Tempo ist unbeschreiblich hoch, die Töne fliegen rauschartig durch die Tracks. Selbstgebaute Verstärker aus Abwrackautos geben den Likemben nun eine ungeheure Kraft und Lautstärke. Das Chaos regiert, die Beats klöppeln sich in Ekstase und Call-and Reponsegesänge schlagen sich durch Trillerpfeifen.

Alles verzerrt und ist krawallig. Weltmusik für den tranceaffinen Solotänzer. Augen zu und treiben lassen! Alles wackelt und wabert vor sich hin und Folklore bekommt ein neues Gesicht. Die Kongolesen wirbeln über staubiges Terrain und hauen Sprachfetzen und Aufforderungen ins Gemisch. Der 76-jährige Papa Mingiedi ist der Vorreiter und Tänzer. Er ist der Anführer des Bastelclubs Konono No.1. Seine Verstärker zerren, rauschen und knacken. Doch Mingiedi wollte mehr. Die Industrie rief und so kam auch das nötige Kleingeld ins Spiel. Mingiedi konnte nun endlich neue, richtige Mikrofone kaufen. Auch die Verstärker trugen nun Markennamen.

Das neue Album ist also entschlackt und amtlich. Kein Fiepen oder Zerren mehr. Manchmal tritt man noch auf gekaufte Pedale, doch der alte Reiz des Wilden und Ausgefransten ist leider verschwunden. Auch gibt es nun westliche Instrumente wie eine E-Gitarre oder einen E-Bass. Die Rhythmen sind immer noch wild, doch der fiese Rausch ist dem des fast normalen Afropops gewichen. Björk tauchte auf und lud die Gruppe ein. Auch Herbie Hancock nahm mit ihnen auf. Mingiedi ist nun in den Hintergrund getreten und die Jugend hat das Ruder übernommen.

Konono No.1

“Assume Crash Position” hat trotz der vielen Veränderungen immer noch diesen heftigen Flow der alten Tage, doch man wünscht sich des öfteren die alten Drecksverstärker zurück. Die verzerrten Likemben waren schon eindrucksvoller. Trotzdem bleibt Konono No.1 ein wildes Ungetüm, nur die Mittel haben sich geändert. Für die Gruppe ist es bestimmt angenehmer auf amtlichem Niveau zu arbeiten, doch dem Hörer fehlt der unbedarfte Ansatz. Globalisierung.

Erschienen bei Crammed. Hörbeispiele gibt es bei Myspace.

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Zloty Vazquez Zloty Vazquez lebt in Hamburg und schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen. Er enttarnt außerdem Cover-Art-Kopisten in der Reihe 'Original und Fälschung' und hat die Abstimmung 'Die Wahl ist dein! ins Leben gerufen.

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