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Not Available: The Beach Boys – Smile (1967)

28 April 2010 Daniel Decker 2 Kommentare

Smile ist der heilige Gral unter den legendären Lost Albums. Ganze Bücher wurden über Smile geschrieben. Auch die Veröffentlichung einer neu aufgenommenen Fassung durch Brian Wilson im Jahre 2004 konnte dem Mythos nichts nehmen. Ganze Bücher wurden über dieses Album geschrieben und so kann ich nur einen kleinen Teil der Historie um dieses Werk umfassen. Dennoch ist die Geschichte zu gut, es geht um Konkurrenz, Scheitern und Wahnsinn. Das kann einfach niemand toppen. Mit Pet Sounds konnten sich die Beach Boys 1966 endlich als ernstzunehmende Musiker etablieren. Noch vor den Beatles griff Wilson auf damals ungewöhnliches Instrumentarium für eine Rockband zurück. Waldhörner, Kirchenorgel und Soundscapes komplettierten die Kompositionen. Mit gerademal 25 Jahren hatte Wilson ein Meisterwerk geschaffen und genau das schwebte ihm vor: Das beste Album aller Zeiten.

Durch neue Kollaborateure wie David Enderle und Van Dyke Parks, wurde Wilson davon überzeugt, dass Ehrgeiz nicht gleich Wahnsinn ist. Vielleicht sollten sie sich irren.

Seine damalige US-Plattenfirma Capitol sah das anders. Sie wollten, dass die Beach Boys weiterhin die happy Surfband ist, die über Wellen und Strand singt. Ironischerweise wollten sie “Pet Sounds” erst gar nicht veröffentlichen und als sie es dann doch taten, geschah dies in einer so kleinen Auflage, dass die Platte schnell vergriffen war. Als Wilson dann “God Only Knows” als Single veröffentlichen wollte, wurde er angeblich sogar ausgelacht. Wilson glaubte aber zu Recht an das Potential des Songs und schloss für England einen Vertrag mit der EMI, die den Song veröffentlichten, der sofort ein Hit wurde. Durch die Unterstützung der EMI wurden die Beach Boys mit “Pet Sounds” zu absoluten Weltstars, was die Nachfolgesingle “Good Vibrations” nur unterstrich.

Doch was soll nach einem solchen Erfolg kommen? Wie soll man das seiner Ansicht nach “beste Album” noch toppen? Ganz einfach, durch ein noch Besseres.

Und so begann Wilson schon bald mit seinem neuen Kumpel Van Dyke Parks an einem neuen Album zu arbeiten. Nicht weniger als eine “Teenage Symphony To God” schwebte den beiden vor. Anfangs wollte Wilson das Album “Dumb Angel” nennen, änderte aber später den Titel in Smile um, da er der Menschheit das Lächeln zeigen wollte, das er dank bewusstseins-verändernder Drogen bereits gefunden hatte. Texte und Musik wurden immer artifizieller. Assoziative Wortketten und Themen mit denen die übrigen Beach Boys nur wenig anfangen konnten. Gleich der erste Song “Surf’s Up!” sorgte für Unverständnis. Um ein besseres Feeling für die Aussage des Stückes zu bekommen, lies sich Wilson einen Sandkasten um sein Klavier daheim bauen. So konnte er beim Spielen mit nackten Füßen den Sand berühren. Ein Kinderlied über Kindheit und die Sehnsucht zu dieser. Doch die Reaktionen seiner Kollegen waren eher verhalten. Insbesondere Mike Love konnte wenig mit dem Text anfangen und fragte immer wieder, worum es in dem Stück eigentlich ginge.

Auch sollte es um die vier Elemente bei “Smile” gehen. Wilson wurde immer seltsamer in seinen Konzepten. Er nahm 12minütige Stücke wie “Heroes and Villains” auf, verwarf sie aber kurz vor der Veröffentlichung. Außerdem bestand er darauf, dass die Band bei den Aufnahmen zum Abschnitt über das Feuer Feuerwehrhelme trug und als dann am 28. November 1966 bei den Aufnahmen zu diesem Part tatsächlich in der selben Straße, wo die Gold Star Studios lagen ein Feuer ausbrach, war Wilson fest davon überzeugt, dass die Beach Boys dieses durch ihre Musik ausgelöst hätten. Auch für “Vege-Tables” hatte Wilson ein ungewöhnliches Konzept. Percussion und Rhythmus sollten durch das Kauen und Aneinanderschlagen von Gemüse entstehen. Überraschenderweise besuchte Paul McCartney Wilson bei den Aufnahmen und lies es sich nicht nehmen auf Sellerie rumzukauen.

Immer mehr litt Wilson an Paranoia und Zweifeln, als dann Mike Love auch noch Van Dyke Parks endgültig aus dem Projekt vergraulte, war sein größter Unterstützer im Projekt verloren. Die Aufnahmen zogen sich hin und Capitol mussten hingehalten werden. So übergab Carl Wilson im Dezember 1966 dem Label eine Liste mit dem beabsichtigten Tracklisting. Ein Versuch Zeit zu gewinnen. So waren ganze 30 Stücke in Bearbeitung und es war noch gar nicht klar, ob es diese 12 Songs, die auf der Liste enthalten waren, überhaupt auf das fertige Werk geschafft hätten.

Capitol waren jedoch erstmal ruhig gestellt und begannen mit Artwork und Promotion für das Album.

Doch Anfang 1967 war klar, dass die “Symphonie für Gott” scheitern würde. Wilson wurde aufgrund seines Drogenkonsums immer seltsamer. Und hier beginnen die Legenden. Manche sagen, Wilson sei einfach zu wahnsinnig geworden, um das Projekt fertig zu stellen. Gut möglich, schließlich zog sich Wilson in den Folgejahren immer mehr zurück und war an weiteren Beach Boys Alben nur perifer involviert. An “Friends” (1968) war er zwar noch beteiligt, bedurfte aber der Hilfe seiner Brüder, um die Songs fertig zu stellen. Auf “Holland” (1973) singt er gerademal eine Zeile und spielt auf einem Song Schlagzeug. Danach wurde es still um ihn. Zwar gelang Wilson 1976 mit dem von ihm produzierten Beach Boys Album “15 Big Ones” ein respektables Comeback und er schrieb auch weiter an Musik, aber Alben wie “Adult/Child” und “California Feelin'” erschienen erst gar nicht. 1978 zog er sich dann für lange Zeit aus dem Musikgeschäft zurück.

Dagegen spricht allerdings, dass Wilson zwar seltsam war, während der Aufnahmen zu Smile jedoch stets professionell zu Werke ging. Sessionmusiker bestätigten dies.

Eine andere These ist die “Sgt. Pepper”-Theorie. Je nach Legende hörte Wilson das Beatles Album zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Manche sagen, McCartney hätte es ihm mit ins Studio gebracht, schließlich war es eine direkte Reaktion auf “Pet Sounds”. Andere sagen, er hätte es erst bei Veröffentlichung im Mai 1967 gehört. Dabei ist dies eigentlich egal, letztendlich soll Wilson der Ansicht gewesen sein dieses Werk nicht toppen zu können und verwarf “Smile”.

Am wahrscheinlichsten ist aber die Tatsache, dass die Spannungen innerhalb der Band zu groß wurden. Insbesondere Mike Love protestierte immer wieder und stritt mit Van Dyke Parks über Texte. Wie bereits erwähnt, verließ er die Sessions vor Fertigstellung des Albums.

2004 tat er sich mit Wilson wieder zusammen, um “Smile” fertig zu stellen, doch das ist eine andere Geschichte.

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Daniel Decker Daniel Decker lebt in Berlin und schreibt bei Jahrgangsgeräusche u.a. über Platten, die es nicht gibt. Sonst bloggt er als Kotzendes Einhorn und macht Musik.

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