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Maeckes – Kids

30 März 2010 Daniel Decker 9 Kommentare

“Kids” ist das erste “wirkliche” Soloalbum von Maeckes und ist dabei irgendwie auch ein Konzeptalbum. Kinder werden in die Wirklichkeit der Erwachsenen gestoßen, und versuchen dort zurecht zu kommen. Und Erwachsene, oder solche die es sein sollten, sehnen sich zurück in Ihre Kindheit. Beide Seiten werden verklärt und beide Seiten werden brutal in die Realität gerissen.

Das Album entscheidet sich nicht zwischen Traum und Albtraum, ist irgendwie todtraurig und witzig, skurril und real. Die Musik unterstützt das. Das sind keine Beats, die wir aus aktuellen Produktionen kennen. Irgendwie denkt man oft an Postal Service, einmal sogar an Aphex Twin, manchmal auch an Musik, die man vor Jahren wohl gerne als Trip Hop bezeichnet hat. Vielleicht ist das hier ausnahmsweise gar nicht so falsch. Maeckes nimmt einen auf eine Reise mit in eine Erwachsenenwelt, die von Kindern betrachtet und zu Recht scheiße gefunden wird.

Gleich der erste Song “Grinsende Gleichgültigkeit” ist ein Abschiedsbrief. Der neunjährige MW tippt seine letzten Zeilen auf eine Rechnungsrückseite während Schlaftabletten und Wasser schon bereitstehen: “Es tut mir nicht leid”.

“Idioten” schließt das Album und aus der “grinsenden Gleichgültigkeit” wird fast ein “echtes Lächeln”. Natürlich ist alles scheiße, aber vielleicht muss man Kind bleiben, um all das zu ertragen. Vielleicht geht MW aber auch den letzten Schritt. Nur kommt hier das “Es tut mir nicht leid” eher wie ein “Ich bereue nichts, ich bin jung, ich darf das.” rüber als ein “Fuck mich nicht ab”. Vielleicht ist das aber auch einfach ein Abschied an die Kindheit, die schon längst gestorben ist.

Und dazwischen betrachtet Maeckes die Welt mit Kinderaugen. Setzt Statements, singt Parolen, philosophiert ein wenig. Liefert aber nur wenige Hits. “Graustufenregenbogen” als erste Single auszukoppeln mag manchen erstaunen, hört man das Album als Ganzes, ist dies aber nur konsequent. Denn “Kids” ist kein Album zu dem man Party macht. Man hört zu. “Kids” ist definitiv keine leichte Kost. Dabei nennt Maeckes Style und Flow sein eigen und kombiniert das mit intelligenten Wortspielereien und Zitaten. Features von Saul Williams, den Orsons, Kinderchor sowie der kleinen Mia tun ihr übriges, um “Kids” zu einem abwechslungsreichen Werk zu machen. Und vielleicht liege ich ja falsch und die Platte hat mehr Hitpotential als ich ihr zutraue. Zu wünschen wäre es ihr.

“Kindisch wie Du” hat auf jeden Fall das Zeug zur Single (Wie toll ist denn Fräulein Bird bitte?), aber dann? Es ist nach großartigen Mixtapes und Alben mit Plan B sowie der Free-EP “Null” ein beeindruckendes Debüt. Es übertrifft die Erwartungen und enttäuscht sie gleichzeitig. Ist dabei aber genau das Richtige für alle Leute mit Peter-Pan-Syndrom. Für mich bestimmt! Schon jetzt eines der Alben des Jahres.

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Daniel Decker Daniel Decker lebt in Berlin und schreibt bei Jahrgangsgeräusche u.a. über Platten, die es nicht gibt. Sonst bloggt er als Kotzendes Einhorn und macht Musik.

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