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Number Three: Here and Now – Julia Stoschek Collection, Düsseldorf, 22.01.2010

24 Januar 2010 Dr. Wu Kein Kommentar

Am 22. Januar lud die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf innerhalb der Veranstaltungsreihe „Number Three: Here and Now“ zu einem Abend mit 5 Künstlern ein. Andreas Korte hatte 4 Malerkollegen zu einem gemeinsamen Musik-Performance-Abend gebeten. Alle fünf verbindet ihr Studium der Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie und darüber hinaus die Beschäftigung mit Musik.

Vor ca. 200 Gästen begann der Abend mit einer typischen Konzertsituation. Bühne und Bestuhlung bildeten den Rahmen für das Streichquartett „Requiem für ein Insekt“ von Andreas Korte. Leider bewegte sich die Komposition auf dem Niveau eines klassischen Ensembles, das Rock-Evergreens der letzten Dekaden nachspielt: Trivial-Motivik trifft auf endlos gedehnte Akkordflächen, Instrumente ohne eigene Stimmenführungen und Entwicklung, Unisonos statt Pausen und rhythmischer Differenz, Ein- und Ausblendung als Standard-Übergangsformel. Kompositorische Tiefe und performativer Anspruch bildeten ein Missverhältis.

Dagegen trat Stefan Ettlinger mit seiner Sound-Performance „Vorletzte und Verwendete“ bescheidener auf. 4 Mini-Hifi-Anlagen spielten skizzenhaft karge Rhythmus-Patterns. Mangels Synchronisation entstand Spannung durch sich ständig verschiebenden rhythmischen Versatz. Darüber solierte Ettlinger mit diversen Instrumenten in der Rolle von Fundstücken. Xylophon und Akkordeon offenbarten Fragmente der Erinnerung. Als die Performance mit einem ferngesteuerten Sound-Modellauto raumgreifend wurde, fand sie ihren überzeugensten Moment.

Stefan Ettlinger

Stefan Ettlinger

Bei Sven Vieweg missriet der Spagat von akustischem Vortrag und bildhauerischer Ausdruck leider vollends. Die als „Elektrohorror“ etikettierte Performance kam als DJ-Hochsitz-Skulptur daher. Diese wühlte bestenfalls ironisch in den Gefilden von Kabinetten und Panoptika. Ein weiß getünchtes Holzlattengeflecht von ca. 3 Metern war mit einer Vielzahl von technischen Gadgets und illuminierten Totenköpfen ausgestattet. Leider fand die bildhauerische Albernheit kein Equivalent auf akustischer Ebene. Mit biederem Ernst spulte Vieweg ein harmloses Industrial-Programm ohne klangliche Tiefe ab. Man sollte dem Mann eine Karte für das nächste Maschinenfest oder besser noch für ein Scooter-Konzert schenken.

Bert Didillon zeigte eine Synthesizer-Performance mit leisen und schwebenden Klängen. Eine gebrochen eingedampfte Reminiszenz an Klaus Schulze und dessen Konzerte der 1970er-Jahre. Die Bühne wurde durch kleine Topfpflanzen und ein im Gegensatz zur Darbietung Didillons um mehr Aufmerksamkeit heischendes Video amüsant gerahmt.

Cornelius Quabeck schließlich zeigte sich nach hübscher Schattenspielouvertüre mit zwei Kollegen als ein Flying-V-schwingender Mosher. Die Band mühte sich als Instrumental-Trio um Befreiung aus den Klauen der Form der Veranstaltung – leider ebenso vergeblich, wie um Metal. Quabecks Arbeit kam nie über die Darstellung einer Ahnung von Hard Rock im Allgemeinen hinaus. Sie blieb weitgehend ungewollt Pappaufsteller ihrer selbst, auf übergroßem weißem Sockel.

Insgesamt blieb der ambitionierte Performance-Abend weit hinter den Erwartungen zurück. Ein um so bedauerlicherer Umstand als die avancierten Kunst-Laboratorien der Zeit der musikalischen Avantgarde viel zu wenige Gallonen der Ressource Aufmerksamkeit zur Verfügung stellen.

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