Home » Elektronik, Musik, Rezensionen

Christian Naujoks – Untitled

19 Mai 2009 Dr. Wu 3 Kommentare

Mitte März schon erschien beim Hamburger Label Dial, das sich unter anderem durch Veröffentlichungen von Lawrence und Pantha Du Prince hervorgetan hat, das Debutalbum “Untitled” von Christian Naujoks. Darauf finden wir 32 Minuten Reduktion und Präzision, Kalkül und Bescheidenheit. So sehr beim ersten Hören die stilistischen Sollbruchstellen des Albums irritieren, so wird bei jedem weiteren Hören um so klarer, dass gerade diese alles ins Lot bringen, die Stabilität dieses Albums ausmachen.

Im Vordergrund steht zunächst ein ganz in der Tradition des 20. Jhds. stehendes Klavierspiel. Einsilbig und kühl kommt dieses daher, mit Hall und gemessenen Pausen. Hier und da werden ihm sparsam Begleiter mit auf den Weg gegeben, bei “Maladies” ist es eine Marimba, bei “Two Epilogues: No1/2″ dürfen Flöte und gezupfte Streicher variieren.

Dann der Bruch: Eine betörende, fast zu sanfte Coverversion von New Orders “Leave Me Alone” lässt als erstes gesungenes Stück in aller Gemessenheit die Sonne aufgehen. Für sich allein stehend würde dieser Song zu sehr nach matt glänzender Melancholie heischen. Das hätte man dann doch eher einem Ekkehard Ehlers mit März überlassen. Aber so in seinem Albumzusammenhang wirkt es beim Weiterhören nicht nur nicht mehr wie ein fremdelnder Bruch ins zu Sentimentale, sondern wird zu einem der kontrastierenden Eckpfeiler einer Klangarchitektur, die Raum schafft für eine umfassende minimalistische Klarheit, die im weiteren Verlauf noch leicht rhythmisierend verdichtet wird.

Diese Ästhetik erreicht am Ende des Albums ihren Kulminationspunkt. Dann nämlich, wenn sich Naujoks mit einem weiteren Kontrast, dem der Verzerrung und der tatkräftigen Mithilfe von Dylans “It’s All Over Now, Baby Blue” von jeglicher Anmaßung an Kitsch befreit, ein letzter Ballast abgeworfen wird.

Hörbeispiele gibt es hier:

Ähnliche Artikel:

Verteile:
Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Facebook
  • MySpace
  • Technorati
  • email
  • Print

3 Kommentare »

  • cornichon schrieb:

    @dr.wu. auf die platte bin auch schon gespannt. darf ich die mal bei gelegenheit hören?
    @dial: ich werde mir keine kopie ziehen….

  • Dr. Wu (author) schrieb:

    Ich denke, das lässt sich einrichten.

  • Pantha Du Prince – Black Noise | Jahrgangsgeräusche schrieb:

    [...] Knartz-Bass einem spannungsreich debilen Sprechgesang, der etwas an “Bloom” von Christian Naujoks erinnert, [...]

Deine Meinung:

Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von Deiner Seite aus schreiben. Du kannst auch subscribe to these comments via RSS die Kommentare verfolgen.

Sei nett, bleib sauber und spamme nicht!

Du kannst diese Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Das ist ein Gravatar-enabled Weblog. Um einen eigenen Gravatar zu bekommen musst Du Dich bei Gravatar registrieren.

-->