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My Dad Is Dead – A New Clear Route

12 Dezember 2009 Dr. Love Kein Kommentar

Mark Edwards könnte sich in Cleveland an irgendeine Supermarktkasse setzen und würde nicht auffallen. Sein Kassengestell lässt ihn auch nicht nerdiger aussehen als die Kundschaft. Nur, dass dieser Edwards mal eine Indierock-Szenegröße war, ahnt niemand. Heute bezeichnet er Chapel Hill als seine Heimat, doch Cleveland bleibt in Herzensweite. Seine Klassiker „The Best Defense” und „The Taller You Are, The Shorter You Get“ erschienen zu einer Zeit als das Label Homestead noch ein Gütesiegel für ausgefallenen Rock war und eine Band wie Dinosaur Jr. noch vergaß, ihr Jr. auf die Platte zu schreiben.


25 Jahre ist Mark Edwards nun im Geschäft. Seine 13. Veröffentlichung steht an. „A New Clear Route“ setzt da an, wo Edwards vor vier Jahren endete. Immer noch dengelt er seine Chunky-Gitarren und textet bitter seine Wunschvorstellungen nach klareren Verhältnissen oder einen Weg aus der Lethargie.


Sein alter Bandkumpane Scott Pickering begleitet ihn nach wie vor an der Schießbude. Die Gitarren werden gerne übereinander gestapelt, um eine Mauer zu bauen, die auffordert eingerissen zu werden. Auch Edwards Stimme wird wieder schön gedoppelt und erhält so eine eigene Dynamik, die dir an bestimmten Stellen durch die Grunge-Jeans fährt. Schräge Momente kollidieren mit dem Wunsch nach Pop und Schönheit. Doch der Verzerrer liegt unter schweren Arbeiterstiefeln und das Holzfällerhemd weist schon etliche Löcher auf.


mdid

Die spitzen Gitarren-Staccati glühen feuerrot in der amerikanischen Abendsonne. My Dad is Dead ist immer noch auf der richtigen Spur. Einige Blicke in den Rückspiegel genügen, um diese Band als Institution anzuerkennen. Für alle jungen Indierock-Bands sollte eine My Dad is Dead-Lesson auf dem Stundenplan stehen. Einstellung und Arbeitsweise sind vorbildhaft.


Mark Edwards spielt nicht den Oberlehrer, sondern sitzt wie der Werthers-Echte-Opa in seinem Sessel und erzählt von den Anfängen des College-Rock. Seine Brille ist natürlich leicht verstaubt, doch darüber sehen wir hinweg. Dafür überzeugen seine neuen Hymnen zu sehr. Der Opener „Carolina Blue“ und, das an den Klassiker anspielende „Indefensible“ beweisen, wie wichtig es mal wieder ist auf die Alten zu hören und nicht immer nur von Fortschritt zu philosophieren. „Revolution Always Ends Up In A Status Quo!“


Erschienen bei Unhinged Records (Bandeigenes Label). Die Platte kann man hier bestellen.



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