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Simian Mobile Disco – Temporary Pleasure

25 August 2009 Axel Ganz Ein Kommentar

Das aktuelle 80er Pop-Revival ist ja nicht das erste seiner Art, aber wahrscheinlich das populärste bisher. Bevor La Roux, Calvin Harris, WhoMadeWho und co. in die Analogsynthesizertasten griffen, hatten Simian Mobile Disco schon 2007 mit ihrem Debutalbum ihre außerordentliche Kompetenz im Fach Klassischer Discopop bewiesen. Hymnen wie „I Believe“, „Love“ und „Hustler“ zeigten in Perfektion was wesentlich war an 80er-Jahre-Disco.

Inzwischen sind Jason Shaw und James Ford, die beiden Djs und SMD-Masterminds, zu Zentralgestirnen der britischen Discowelt geworden. Allein deshalb rennt man ihnen mittlerweile für einen Remix die Türen ein. Björk, Peaches, Little Boots und jüngst auch die Arctic Monkeys zählen zu ihrem Kundenkreis.

Da verwundert es nicht, dass die Produktion ihres zweiten Albums „Temporary Pleasure“ zur großen Integrationsorgie geriet. Insgesamt sieben Kolleginnen und Kollegen waren so freundlich sich die Ehre als Gastsänger zu geben. Jamie Lidell, Gruff Rhys (Super Furry Animals), Chris Keating (Yeasayer), Beth Ditto (Gossip), Alexis Taylor (Hot Chip), Young Fathers und Telepathe – alle sind sie mit im Boot.

Mehr Pop, weniger klassische Disco, mehr Modernität, weniger Retrospektion; mehr Hipness, mehr Stilmix, mehr Mehr, möchte man fast sagen. Alles ist präzise auf der Höhe der Zeit. Jetzt, gegenwärtig, temporary! Fettere Sounds, dichtere Arrangements, das ist die eindeutige Ausrichtung des neuen Albums. Die luftige Reduktion auf Disco-Essenz, Slap-Bässe und mehrstimmige Gesangslinien, abwechslungsreich phrasiert; das ist weitgehend passé. Eine Nummer wie „1000 Horses can’t be wrong“ trifft zwar noch einmal genau die harmonische Skala des Debutalbums, ist aber die Ausnahme.

Stattdessen möchte man mit dem Gazetten-Aushängeschild des Sommers Beth Ditto ein klein wenig überraschen. „Cruel Intentions“, klingt so gar nicht nach dem was man zuvor von SMD und Gossip kannte. Es ist einfach eine sehr konventionell klingende aktuelle Pop-Nummer. Alles ist schneller, manches sogar ziemlich technoid (Synthesise). Vergeblich sucht man nach einer Downtempo-Nummer, immer ist der Blick in Perfektion nach vorn gerichtet, den sicheren Erfolg genau im Visier.

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Axel Ganz Axel Ganz lebt in Düsseldorf, schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen und sammelt Geräusche sowie Fieldrecordings.

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