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Bibio – Ambivalence Avenue

8 August 2009 Axel Ganz 4 Kommentare

Seit einigen Jahren schon ist das Label Warp nicht mehr nur für Elektronisches eine Institution sondern auch für retrospektive Überraschungen wie Neopsychedelic-Pop (Broadcast) oder Neofolk (Gravenhurst) geschätzt. Bisher blieben diese stilistischen Eskapaden weitgehend in sich konsistent. Bei Stephen Wilkinson alias Bibio ist das anders.

Auch auf “Ambivalence Avenue” werden wir zunächst in eine Zeit zwischen 1967 und 1972 gebeamt. Als Soul-Funk-Wellness-Urlaub getarnt (Jealous of Roses), verwandelt sich der Kurzausflug in einen Überraschungsbesuch bei Simon & Garfunkel; um ihnen auf die Schultern zu klopfen und sich ihr Songbook übers Wochenende auszuleihen (All the Flowers). Dann wieder schnell zurück in der Zeitreisekapsel in eine glorreiche elektrischere Zukunft. Flucht ins 23. Jahrhundert. Doch die Tankfüllung der Zeitmaschine reicht nur bis 2001. Was Bibio in keiner Weise zu stören scheint. Hier wird sogleich ein Soul-Motiv in Akufen-Manier aufgepäppelt. Wo bitte geht’s zur nächsten Wasserstoff-Tankstelle?

Bibio mag kombinatorisch ausladene Gesten. Er mag Brüche. Er mag ganz besonders den Groove des Funk. Er liebt dessen abgehangene Lässigkeit und die Möglichkeit einen Funk-Beat mit angezerrten Synthesizer-Bässen zu elektrifizieren. Auch HipHop-verwandte Downtempo-Beats dürfen im eklektizistisch modernen Portfolio nicht fehlen. Und wenn man sich gerade mit dem multi-stilistischen Kosmos Bibios angefreundet hat, bricht er unsere frische Erwartungshaltung mit einem weiteren folkloristischen Singer/Songwriter-Ausflug. Denn Bibio mag ganz offensichtlich auch akustische Gitarren-Vesponnenheiten.

Leider bleiben die emulgatorischen Fähigkeiten des Arrangeurs Bibio diverse konträre Stile respektive Musikepochen miteinander zu Neuem zu verbinden sehr begrenzt. Zu oft stehen die unterschiedlichen Stile nur als Ausrisse ihrer jeweiligen Zeiten in einer großen Kollage nebeneinander. Überlappungen, Verklebungen, es gibt sie hier und da (S’Vive). Schöne Momente, die Andeuten, was noch möglich ist auf späteren Zeitreisen.

“Ambivalence Avenue” ist im Juni 2009 bei Warp erschienen. Hörbeispiele.

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Axel Ganz Axel Ganz lebt in Düsseldorf, schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen und sammelt Geräusche sowie Fieldrecordings.

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4 Kommentare »

  • cornichon schrieb:

    ganz tolle platte!!!

  • Dr. Wu (author) schrieb:

    Hm, … tatsächlich?

  • cornichon schrieb:

    finde ich schon. ich mag das collagenhafte, einfach ein paar skizzen relativ unfertig und ausformuliert nebeneinander zu stellen. außerdem gefallen mir die wonky-beats. so ähnlich haben doch vor ein paar jahren various productions mit dubstep gearbeitet (auf ihrem meisterwerk “the world is gone”). die album stimmung kommt schon ziemlich lässig…

  • cornichon schrieb:

    “…unfertig und ausformuliert..” meine natürlich unausformuliert!

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