Moritz von Oswald Trio – Vertical Ascent
Moritz von Oswald, bekannt durch Maurizio, Rhythm & Sound und Mitbegründer der Label Basic Channel und Chain Reaction, wendet sich in jüngster Zeit verstärkt neuen Projekten zu. Jetzt gibt er sich gemeinsam mit Vladislav Delay und Max Loderbauer als Trio die Ehre und verhandelt zwei seiner musikalischen Hauptaspekte neu: Dichte und Leichtigkeit. Das Moritz von Oswald Trio versucht sich an einem vage beschriebenen Experiment. Wie verändert sich der Klang in seiner Bewegung im offenen Raum? Und wie viele und wie dichte Rhythmuspatterns verträgt eine solche Versuchsanordnung?
Figurlos driftet der geneigte Zuhörer in seinem U-Boot-Icon durch die zweidimensionale Benutzeroberfläche. Der rhythmische Unterbau ist transparent, in mittlerem Tempo stabil und offen für jede Improvisation, die dahinter wie auch davor geschieht. Metallisches taucht auf und wird sogleich verhallt. Die Perkussion mäandert frei. Die Hallfahnen werden immer länger und der Raum dehnt sich. Auch die Bewegungen des Raumes selbst verändern sich; und unsere im Verhältnis dazu. Brauchen wir noch Methantanks oder können wir schon auf Sauerstoff umsteigen?
Vermutung: Die Tonalität verhält sich umgekehrt proporional zum Anstieg spontaner Improvisation. Jetzt ist es zum ersten Mal möglich auf elektronischen Beat zu verzichten. Wir schweben! Alles zieht vorbei, verschwindet und taucht dann leicht moduliert an anderer Stelle wieder auf.
Tatsächlich, es funktioniert! Alles plockert in leichtem Puls, und zwar sehr weich und behände. Nichts wird überdreht. Hölzernes weht vorbei. Irgendwann kehrt auch der Beat zurück, deutlich heruntergebremst. Die Entropie nimmt zu, relativ stetig unstetig. Töne drängen in den Vordergrund, geben sich dabei eher statisch. Alle Geräte befinden sich immer noch unter Kontrolle.
Die Flächen kommen jetzt von allen Seiten, modulieren sich und irgend etwas anderes, von dem nicht erwiesen ist, ob es in engerem Zusammenhang steht mit dem Raum. Und plötzlich: Die Dauerton-Pads stehen ganz weit vorn. Trotzdem kann man nicht genau sagen, was sie darstellen. Sauerstoff, durchatmen. Stille.
Vertical Ascent ist bei Honest Jon’s Records erschienen.
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Axel Ganz lebt in Düsseldorf, schreibt bei Jahrgangsgeräusche Rezensionen und sammelt
schon wieder neugierig geworden…
Das hoffe ich doch.
[...] Wie in einer altmodischen Jam-Session spielen sich die Musiker die Bälle zu. Das zweite Studioalbum des Moritz von Oswald Trios bringt auch mehrere Gäste mit. Neben anderen soliert Paul St. Hilaire alias Tikiman mit effektbeladenen Kleinigkeiten an der Gitarre und Vladislav Delay gibt die Percussion. Im Grunde ist es wie beim ersten Album. Die Bestätigung der Geduld der Zuhörenden findet sich bei „Horizontal Structure 4“. dem letzten Track der CD-Version. Hier sind alle rhythmischen Feinheiten eingeführt. Darüber variieren Einzelstimmen, die immer noch überraschen und die Struktur vertiefen. Es zeigt sich ein dichtes feingewebtes Geflecht, das dem Titel des Albums am Ende sehr gerecht wird. Insgesamt wirkt „Horizontal Structures“ etwas unspektakulärer und zurückgenommener als der Erstling „Vertical Ascent“. [...]
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